...und das auf 36 Kanälen gleichzeitig! Schach im Fernsehen, so oft als zukünftiger Geldbringer herbeigesehnt und in den folgenden Minuten (keine) utopische Realität:
*...zapp...* Das Frühstücksmagazin weiß nichts über die nächtliche Ausfälle von Stars und Sternchen aus Chessylvanien zu berichten und lockert das Programm mit zweizügigen Mattbildern auf, die via Telefon vom TV-Junkie mit Hilfe der Moderatoren gelöst werden *...zapp...* MTV bringt den ganzen Tag das Musical "Chess" und die Teenager-Generation bekundet via SMS ihr Mitteilungsbedürfnis: 'Sf6 forever!' *...zapp...*
Dauerwerbesendung über das Schachbrett aus Frotte mit Figuren zum Bloss-Nicht-Anfassen In einer Talkshow um die Mittagszeit wird über die Korrektheit des tabulosen Damenopfers debattiert bis der Saal zu toben beginnt *...zapp...* ... inkorrektes Läuferopfer auf h7 ... tickert beim News-Sender *...zapp...* 'Sf6 always forever!' *...zapp...**...zapp...* und nachdem der James-"Chess"-Bond der 64 Felder den Gauner in ein Selbstmatt gelockt hat *...zipp-zapp...*  moderiert Alexandra K. galant durch die Abendshow, bevor *...zapp...* Dr. Pfleger des Nächtens die geschundene Schächerseele behandelt *...zapp-za-rapp...* und bevor ich mir das Rund-um-die-Uhr-Schach-Camp ansehe schalte ich doch lieber aus *...zipp...*

Da bin ich doch fast froh, dass die wenigen Sendungen, die im Jahr sich dieser brisanten Thematik annehmen meist nach Mitternacht oder wie kürzlich zur besten Frühstückszeit (Schach für Einsteiger, WDR) ausgestrahlt werden, denn so hätte man fast einen Grund einen Videorekorder zu kaufen um die Unterhaltungsindustrie anzukurbeln und 'Sf6 always forever!' jeden Tag auf ein Band zu bannen!
Auf ein Neues, zum Glück habe ich seit Jahren keinen Einfluss eines Fernsehgerätes mehr und kann mich somit der eventuell irgendwann kommenden Schach-TV-Invasion entziehen.  Man darf doch noch suchen, statt sehen ...

(C) Frank Große, 2005