Nach den Zügen 1. e4 c5 2. Sf3 e6 entstehen siziliansiche Stellungsbilder, die fast ein komplettes Schwarz-Repertoire im Siziliander bilden können. Auf der hier betrachteten Chessbase-CD wird das Paulsen-System (B40-B49) sowohl für den Weißspieler, als auch für den Anhänger der schwarzen Steine untersucht.

Was ist das Paulsen-System?
Das Paulsen-System besticht aufgrund seiner flexiblen Charakteristik an einer enormen Komplexität. Nach den Eröffnungszügen 1. e4 c5 2. Sf3 d6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 teilt sich die Eröffnungstheorie primär in die Blöcke Paulsen-Variante (4... a6) und Tainanow-Variante (4... Sc6). Zwischen den Systemen sind zahlreiche Übergänge möglich, die auch ausführlich auf dieser CD behandelt werden. Der Namensgeber des Systems ist nicht Norbert Sommerbauer, sondern Louis Paulsen (1833-1891), über den via Wikipedia und Chessmetrics nähere Information zugänglich sind.

Wer ist Norbert Sommerbauer?
Bis zum Erhalt dieser Lehr-CD war mir Norbert Sommerbauer unbekannt. Die Mega Database 2005 verrät mir neben 3 Fotos, dass der 1969 geborene Österreicher seit 1998 Internationaler Meister ist und seine aktuelle ELO-Zahl 2419 beträgt. Ein Blick in die Partien der Datenbank zeigt, dass er schon seit fast 20 Jahren das Paulsen-System anwendet und somit als Experte in diesem Metier angesehen werden kann: die Paulsen-CD ist sein Erstlingswerk bei Chessbase.

Was beinhaltet die CD?
Die CD kann problemlos mit dem mitgelieferten ChessBase-Reader 9.0 verwendet werden, sodass keine weiteren Anforderungen anfallen. Innerhalb von 34 Datenbanktexten erläutert der Autor allgemeine Strategien, Ideen, Stellungsbilder und Manöver, die ein gründliches Eröffnungsstudium ermöglichen. Bei der Betrachtung der Eröffnungsideen gelingt es sich nicht in endlosen Varianten, die schon im Mittelspiel angelangt sind zu verlaufen, und eine solide Basis zu vermitteln. Das Hauptaugenmerk liegt dabei natürlich auf den Hauptvarianten der Eröffnung. Insbesondere der Abschnitt "Typische Bauernkonstellationen und Manöver" hat mir anschaulich grundlegende Informationen vermittelt, die zum praktischen Anwenden und grundlegenden Verständnis unverzichtbar sind. Sommerbauer weist ausdrücklich und begründet auf Variantenübergänge, die der Schwarze vermeiden soll, hin. Die CD ist - wenn auch primär auf den Aufbau eines Schwarz-Repertoires ausgerichtet - für beide Seiten gespickt mit nützlichen Informationen zum Paulsen-System.

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Die Lern-Datenbank des Autors beinhaltet 3725 Partien und die "große" Datenbank zur Paulsen-Variante umfasst über 89.000 Partien, wobei die Aktualität der CD sichtbar wird: die letzte eingepflegte Partie stammt vom 27. April diesen Jahres! Auf dem Cover sind zwar "nur" 330 kommentierte Partien angegeben, aber der Kommentatoren-Index verrät mir, dass Sommerbauer allein 361 und GM Ribli 399 Partien - also insgesamt deutlich mehr - kommentiert hat. Während die Sommerbauer-Kommentare sich desöftern nur auf Variantenbäume beschränken, sind in den Ribli-Kommentaren mehr Texte (sowohl in englisch als auch in deutsch!) verstreut. Insgesamt lässt dieses Volumen an spezifischen Informationen eine intensive Auseinandersetzung mit der Materie zu! Ergänzt wird das Angebot der CD durch eine Trainingsdatenbank mit 47 Aufgaben, die sich im Schwierigkeitsgrad zu "praktisch kaum lösbar" steigert. Abgerundet wird der Inhalt der CD durch eine Datenbank aller Sommerbauer-Partien und dem Eröffnungsbaum (welcher natürlich aus der "großen" Datenbank erstellt wurde).

Was fehlt der CD?
Natürlich kann eine CD kein Komplett-Schwarz-Repertoire abbilden, aber der Inhalt dieser CD kommt nah an dieses Ziel heran. Wie der Autor anmerkt fehlt die Materie des geschlossenen Sizilianer (B20-B26) oder der Übergang in andere Systeme (z.B. C00).  Den Primärinformationseffekt habe ich neben den Erläuterungen zum Aufbau aus den Kommentaren der Partien (insbesondere Ribli) ziehen können. An geeigneter Stellung in den Lehrtexten wird aber auf Übergänge hingewiesen, sodass der Lernende sich mit Sekundärinformationen wappnen kann. Mir persönlich hat für den ersten Einstieg in die Materie kein weiteres Zusatzmaterial gefehlt und mich damit auseinandersetzen muss ich wohl noch selbst ;)

(C) Frank Große, 2005