Es war einmal ein König Letei ...

Es war einmal ein König Letei, der schon viele Schlachten geschlagen hatte. Mit seinem streitkräftigem Hofstaat von Bauern und Reitern griff er oft umliegende Königreiche an. Doch kamen dann seine Läufer nicht mehr mit Berichten zurück und vielen seine Türme gab es meist keine Rettung vor dem Mattkerker.

Kampfesfröhnend wie König Letei nunmal war, beschloss er eines Tages, dass er eine Strategie brauche, um seine Streitkräfte so zu verbünden, dass seine Gegnerschaft zum Graf Status degradiert würde. Da kam ihm eine vielversprechende Idee! Er wandte sich an Zauberer und Orakel Fritzculus, der ihm Beistand leisten und in Zukunft seine Strategien mitbestimmen und ihn vor taktischen Rückschlägen warnen sollte. Das Bündnis wurde vereinbart!

Und in kommenden Schlachten wunderten sich sowohl Gegnerschaft, als auch die eigenen (bald ehemaligen) Verbündeten über die fehler- und tadellosen Ergebnisse auf dem Kampffeld. Alles passte und die Einheiten bildeten eine bis dato selten gesehene Kampfesharmonie ... Bald waren unzählige Siege davongetragen und kaum noch Schlachten zu schlagen, sein magischer Berater hatte meist den siegreichen Tipp. König Letei hatte nun - danke Fritzculus - das Zeug zum Kaiser! Fritzculus wurde zwangsläufig sein einziger Freund, denn das Geheimnis durfte nie publik werden und emotionslos kalkulierte dieser von Sieg zu Sieg ...

Es war einmal ein König, Freude hatte er am Ende wenig ...



Etwas Historie

Vom Betrug im Schach war schon oft die Rede und während es in Fernpartien schwieriger nachzuweisen ist (und wahrscheinlich häufiger vorkommt als in Nahschachgefilden), so seien hier nochmal ein paar der "spektakulärsten" Manipulationen erwähnt.

Curacao, 1962.
Wohl einer der bekannteren Fälle fand beim Kandidatenturnier in Curacao 1962 statt. Die sowjetischen Spieler Petrosian, Geller und Keres schonten sich in den Partien gegeneinander und spielten kurzzügige Remis (die wohl abgesprochen waren). Grund: Gegen Robert Fischer galt es mit voller Kraft zu spielen und so wurde nicht Favorit Fischer Herausforderer von Botwinnik, sondern Tigran Petrosian.

Böblingen, 1999.
"Das ist Matt in acht Zügen", knallte der Amateurspieler Clemens Allwermann seinem Gegner Großmeister Sergej Kalinitschew in der letzten Runde entgegen. Auf das ungläubige Lächeln wurde mit "Lachen Sie nicht, prüfen Sie es nach!" noch Öl ins Feuer gegossen. Der Amateur (damalige DWZ 1925) hatten einen geteilten ersten Platz mit 7,5 aus 9 Punkten und eine Performance von über 2630 ELO errungen. Allwermann wurde der Betrug mittels der Computersoftware Fritz 5.32 vorgeworfen und alle Partien liesen sich mit dem PC identisch nachkonstruieren. Beim nächsten Turnier in Bad Wörishofen erreichte er mit 4,5 Punkten nur 50%. Anfang 2000 stellte die Staatsanwaltschaft Stuttgart die Ermittlungen zum eingeheimsten Preisgeld mangels ausreichender Beweise ein, der Bayerische Schachbund aber schloss Allwermann aus dem Verband aus!

April, 2004.
Beim Internetturnier der ACP nahmen viele Weltklassespieler teil und kämpften um einen Preisfonds von 5.000 $. In der Ausschreibung waren die unerlaubten Hilfsmittel ausdrücklich untersagt, doch die Spieler Ghaem Maghami (Iran) und Arkadij Naiditsch (Deutschland) wurden aufgrund von Computereinsatz disqualifiziert. Der DSB verurteilte dieses Verhalten!

Betrug findet aber auch oft auf Mannschaftsebene statt und an den letzten Spieltagen einer Saison werden selbst bis zur Kreisliga Ergebnisse abgesprochen, die über Auf- und Absteig entscheidend sein können.

Wer nun noch legale Wege zum Erreichen eines Vorteils sucht, dem sei das antiquarische Buch "The Theory And Pracite Of Gamesmanship" von Stephen Potter ans Herz gelegt, welches primär aber auf psychologische Aspekte Wert legt ...

(C) Frank Große, 2005