ICofy Base ist eine Schachdatenbank, welche viermal Jahr den Spieler jeder Spielstärke mit aktuellen Partien versorgen soll.

Ein "Briefumschlag" gleich einer DVD-Hülle (oder eine DVD-Hülle als Briefumschlag!?) trudelt die aktuelle Ausgabe der ICofy Base bei mir ein. Alle Details werden auch gleich auf selbiger aufgelistet, die ich hier wiedergeben möchte:

Partien: 3.294.829
Spieler: 369.815
Turniere: 169.054
Zeitraum: 1485 - Juni 2005
Verfügbare Formate CA, CBF, CBV, PGN, SCID

Aus der Auflistung wird auch ersichtlich, dass ausser einem DVD-Laufwerk im PC noch ein Datenbank-Programm nach Belieben benötigt wird, um sein favorisiertes Format zu verwenden. Dabei ist das SCID-Datenbankformat für die freie (und mir einzige für Linux bekannte) Datenbank wohl am erwähnenswertesten. ICofy beinhaltet nach eigenen Angaben "Partien des Computer-, Fern-, Nah- und Onlineschachs, um jedem Spieler alle Quellen für seine erfolgreiche Vorbereitung auf Wettkampf und Gegner zu bieten". Dazu wurden die Datenbank nach Ihrem ECO-Code generiert, sodass man 5 Dateien (ECO A-E) erhält. Die Datenbanken lassen sich bequem über die Hersteller-Homepage aktualisieren. Sollte man den ein oder anderen Download verpasst haben, so wird dieser im Archiv bereitgestellt. Das nenne ich löblich!

Rein statistisch gesehen ist ICofy Base umfangreicher als die mir bekannte Big Database 2005 von Chessbase. Dort werden 2,9 Millionen Partien aus dem Zeitraum 1530 - 2004 angeboten (Ich verzichte hier bewusst auf den Vergleich zur Mega Database, da diese sich primär durch ca. 57.000 kommentierte Partien unterscheidet, welche auf der ICofy Base nicht zu finden sind.).

Will man die Unterscheide in der Anzahl der Partien feststellen, so stellt man fest, dass alleine von "Computer\" (über 14.000 Partien) zu finden sind. Auf Rang 2 der 'Spieler' mit den meisten Partien rangiert "Crafty" mit knapp 10.000 Partien, aber auch z.B. "Rebel 10.0" kann noch (734 + ) Partien aufweisen. Das ist m.M. nach noch zu verschmerzen, aber unzählige Partien von 'namenlosen' Gästen (primär gespielt auf ICS als Blitz!) lassen große Zweifel an der Qualität der Zusammenstellung aufkommen. Von den humanoiden Spielern sind die meisten Partien von Viktor Kortschnoi archiviert. Ärgerlich auch, dass einige Spieler aufgrund von uneinheitlichen Namensschreibungen sozusagen doppelt geführt werden. Das verfälscht jede Statistik!

ICofy Base
möchte hohe Qualitätsansprüche stellen und Kurzpartien unter 15 Zügen sind nicht enthalten (ich habe diese nicht überprüft und gehe davon aus, dass diese Aussage korrekt ist)! Was von dieser Entscheidung prinzipiell zu halten ist, mag im Zeitalter der Eröffnungsbücher jeder selbst entscheiden. Leider kann aus meiner Sicht aber insgesamt der selbst gestellte Qualitäts-Anspruch (siehe oben) nicht gehalten werden, denn wer möchte sich auf Partien gegen Computer oder Gast-Nicknamen aus dem Internet vorbereiten? Die Auswahl von Blitzpartien für eine Datenbank ist aus meiner Sicht ebenfalls kein Qualitätssiegel.
 
Nebenbei interessiert hat mich nun noch die älteste Partie von 1485, welche auf der ChessBase-Datenbank ja nicht vorhanden ist: Castellvi Francisco de - Vin{y}oles Narciso. Ich konnte bei chessgames.com einen Eintrag finden und dort wird die Partie in Valencia gespielt (bei ICofy in Barcelona) und Herr Vin{y}oles wird dort mit "y" geschrieben. Über die Echtheit der Angaben und der Partie überhaupt wissen wohl am besten die Historiker Bescheid (ich werde recherchieren).

Als Fazit muss ich leider feststellen, dass die Zusammenstellung der Datenbank eher halbherzig erscheint und der qualitative Anspruch von Datenbanken wie der, der Firma ChessBase aufgrund von unzähligen Computerpartien, Internet-Blitz-Spielen und Namensungleichheiten nicht gehalten werden kann. Wer dennoch auf viel Partienmaterial i.A. Wert legt, kann hier sicherlich bedenkenlos zugreifen.

(C) Frank Große, 2005