Klar, der Sommer lässt immer ein bisschen Luft (wenn auch im meteorologischen Sinne nicht immer Gewiss) und vor allem auch die Möglichkeit mal über'n Brettrand zu schauen ...

Warum nicht einmal die umfangreichen Eröffnungsbücher in die Ecke gestellt, etwas Abstand von den lehrreichen Mittelbüchern gewonnen und die komplizierten Endspiele verdrängen? Es gibt noch andere fesselnde Brettspiele!
 
Zum Beispiel einen meiner Favoriten: Backgammon. Für wohl die meisten nur ein 'olles Würfelspiel', für den Kenner ein Spiel mit viel Taktik, Kalkül, Witz und einem für Schacher ungewohnten Tempo. Wer die Regeln (noch) nicht kennt, hat diese innerhalb weniger Stunden gelernt und kann schon spielen - gegen unerfahrene Spieler ist eventuell der ein oder andere Punkt drin. Denn dank der Präsenz von Würfeln gibt es ein zufallschaffendes Element, welches den Determinismus bis zu einem gewissen Punkt ad acta legt bwz. übers Brett fegt. Während man beim Schach kontinuierlich Vorteile sammeln kann und diese bei entsprechender Technik auch in entsprechende Ergebnisse umgemünzt werden, kann es beim Backgammon passieren, dass das Konstrukt durch einen für die Stellung ungünstigen Wurf zusammenbricht. Bleibt also, des einen Freud', des anderen Leid? Nunja, Erfahrung und Fähigkeiten sind beim Backgammon ebenso wichtig und der versierte Spieler gewinnt in einer Reihe von Spielen die meiste Zeit (Stichpunkt: Dopplerwürfel!) ... Gerade in der Sommerzeit lohnt es sich die Picknick-Decke nebst Board (wie der Backgammon-Koffer liebevoll genannt wird) zu schnappen, in den Park zu verschwinden und die Würfel rollen zu lassen, denn Backgammon verbindet Agon (griechisch: "Kampf") mit Alea (lateinisch: "Würfelspiel") zu einer gelungenen Brettspielsymbiose.

Go
 hingegen besitzt eine dem Schach ähnlichere Charakteristik. Hierbei gilt es möglichst viel "Gebiet" auf dem Brett zu erobern und dieses dauerhaft (unschlagbar) zu verankern. Klingt trivial ist es aber durchaus nicht: Die Regeln sind zwar auch nicht übermässig kompliziert, aber analog dem Schach gilt es "Gesetze und Regelmässigkeiten" zu erarbeiten, zu erkennen oder zu erlernen. Für den Einsteiger reicht die 9x9-Variante (Profis spielen auf 19x19-Brettern) und gegen stärkere Gegner sollte man keine Hemmungen haben sich eine Vorgabe geben zu lassen. Go ist normalerweise kein Kurzweil-Spiel und Weltmeister Emanuel Lasker hat es in "Brettspiele der Völker" folgendermaßen formuliert: "Go hat eine durchgehendere Logik als das Schach, ist ihm an Einfachheit ueberlegen und steht ihm, glaube ich, an Schwung der Phantasie nicht nach."

Minarett
! Nein, diesmal keine Verlinkung zur Beschreibung in Wikipedia, denn müsste man jetzt die Beschreibung eines Moscheeturmes lesen. Aber genau das ist der Namenspatron dieses kniffligen und im Vergleich zu Schach oder Go kurzweiligen Spieles:
Jeder Spieler dieses arabischen Strategiespieles verfügt über 12 Spielsteine (jeweil 4 mit großen, mittleren und kleinen Durchmesser), die sich zu Beginn ausserhalb des Spielfeldes befinden. Abwechselnd werden die Steine auf ein 5x5-Spielfeld, auf welchem jeder Punkt wie bei einem Netz miteinandern verwebt ist, eingesetzt oder gezogen. Steine können dabei nicht nur auf leere Felder, sondern auch auf fremde oder gegnerische Steine gesetzt werden (unter der Berücksichtigung, dass immer nur der 'kleinere' Steine auf 'größere' gesetzt werden kann). Ziel des Spieles: ein Türmchen aus drei unterschiedlich großen Spielsteinen, die sich auf einem Spielfeld übereinander befinden (also groß-mittel-klein) oder 3 Steine des Gegners erobern, die via "kleiner Gewinnstellung" ergattert werden können.

Klar fehlen hier jetzt noch Dame, Halma, der Klassiker Mensch-Ärgere-Dich-Nicht und noch hunderte weitere ... Also Strom aus, Kerzen an und weitergezockt!

Übrigens im entferntesten Sinne könnte man ja auch Tischtennis als Brettspiel bezeichnen und erst kürzlich gab es bei einem Vergleichswettkampf ein freundschaftliches Remis: Schach contra Tischtennis ...

(C) Frank Große, 20005

... und noch ein sogenanntes Postscriptum: Sollte es Interesse zu einem ausführlicheren Artikel zu o.g. 'Alternativen' geben, einfach einen Kommentar hinterlassen ...