Immer wieder taucht die Frage nach der Herangehensweise an die Erlernung des Schachspiels (insbesondere im Jugend- und Kindesalter) auf. Hierbei ist es unerheblich ob diese in Newsgroups, Foren oder persönlichen Gesprächen gestellt wird. Mit "Heiner und die 64 Felder" hat Günter Sobeck im Jugendschach-Verlag Dresden den Versuch unternommen auf diese Frage eine Antwort zu geben.

Günter Sobeck zeichnet sich als Autor dieses Lehrbuchs (2. Auflage 2004) aus und ist Spieler der Zweitbundesliga-Mannschaft USG Chemnitz. Auf knapp 120 Seiten (etwas größer als DIN-A5-Format) nimmt "Heiner" (ein 12-jähriger Knabe) den Leser bei der Hand und führt durch die Kapitel.

Ziel des Buches (das Vorwort stammt von Bundestrainer Uwe Bönsch) ist es laut Autor Kindern und Übungsleitern Material für ein Jahr Lehrstoff in die Hand zu geben, um in die Geheimnisse des Schachspiels einzudringen. Die Kenntnisse der Schachregeln werden vorausgesetzt, mehr aber meiner Meinung nach nicht. Dabei setzt er auf die persönliche Anrede und verwendet fast ausschließlich Partien aus dem Kinder- und Jugendschach. Identifikation ist gegeben! Die Kapitel werden in 3 Abschnitte unterteilt:

Teil 1: Erläuterung des Themas aus der Sicht des Übungsleiters bzw. Trainers
Teil 2: Erlebnisse von Heiner, der Hauptperson des Buches. Die Lösungen der im Text gestellten Fragen befinden sich im Lösungsteil dieses Buches.
Teil 3: Aufgabenteil. Die Lösungen befinden sich nicht im Buch, sondern in einem zusätzlichen Lösungsheft

"Hallo, du möchtest Schach spielen lernen, mit allen Tricks und so?
Dann hast Du Dir das richtige Buch besorgt!
Du trainierst einfach mit mir. Aber ich sage dir gleich: Einfach wird es nicht, denn ich will ein starker Spieler werden."

Mit diesen Zeilen beginnt Heiner seine Reise über die 64 Felder und behält diesen kindgerechten und m.M. nach ansprechenden Jargon bei. Innerhalb von 12 Kapiteln führt der Weg über folgende Rubriken zu besserem Spielverständnis:

heiner.jpgGeometrie des Schachbrettes/Wie ich von der Schachblindheit befallen wurde
Die Aufmerksamkeit
Die Eröffnung
Die Drohung
Der Doppelangriff
Der Abzugsangriff
Die Fesselung
Die Falle
Das Matt
Patt und Dauerschach
Das Endspiel
Wettkampfauswertung

Die zu jedem Kapitel gehörenden Aufgabenblätter umfassen zahlreiche Aufgaben und lassen so das Trainingsmaterial vertiefen und bieten dem Lernenden ausreichend Material. Das Niveau ist aus meiner Sicht kindgerecht, aber auch fordernd und fördernd.
Hinweise am Rand und kleine Grafiken lockern das Layout angenehm auf.



Fazit

Günter Sobeck
ist Trainer  bei USG Chemnitz und bringt seine Erfahrungen gewinnbringend in das Buch ein. Dabei ist es aus meiner Sicht unerheblich ob der Leser (in dem Fall das interessierte Kind) autodidaktisch Fortschritte zur Verbesserung im Schachspiel unternimmt oder ein Trainer eine Vorlage für ein Konzept benötigt. Dabei kann das Buch sowohl von Anfang bis Ende durchgearbeitet oder durch Herauspicken einzelner Kapitel eingesetzt werden. Durch das Auflisten der Lösungen in einem separaten Lösungbuch (idealerweise nur für den Trainer) eignet sich das Arbeitsheft ausgezeichnet für den Gruppenunterricht. Prädikat: Sehr empfehlenswert und Günter Sobeck ist die Antwort auf die einleitende Frage gelungen!

(C) Frank Große, 2005