Ein Klassiker steht in neuem Gewand! A. Nimzowtisch: Mein System!

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Autor: A. Nimzowitsch
Titel: Mein System
Gesamtgestaltung: Matthias Vettel, Heppenheim
ISBN 3-88086-117-X
Schachzentrale Rattmann, 392 Seiten
kartoniert, gebunden, deutsch
Erhältlich im [amazon-ChessShop bei freechess.de]




Seit Wochen wird auf den Seiten der Schachzentrale Rattmann von der Neuauflage des Buches geschrieben, welches A. Nimzowitsch bis in die heutige Zeit unvergesslich gemacht hat: "Mein System". Ein Großteil aller Schachbegeisterten Spieler wird wahrscheinlich eine ältere Auflage in seinem Bücherregal verzeichnen können und fragt sich, welchen Mehrwert diese Neuauflage für selbigen gewinnt?

Vorab ein kurzer Hinweis zur Schreibweise: "Der Herausgeber hat sich entschieden, als Verfasser von "Mein System", genauso wie in der Erstausgabe auch, A. Nimzowitsch anzugeben. Aaron Nimzowitsch oder Aron Niemzowitsch, wie er sich selbst auf dem Anmeldeformular zur Immatrikulation an der Universität Zürich schrieb, oder Arnold Nimzowitsch, der Name, unter dem er in der "Hypermodernen Schachpartie" verzeichnet ist, hat seinen Vornamen in allen Publikationen abgekürzt". Und daran orientiere ich mich auch hier in dieser Buchbesprechung ...

Ich bin im Besitz einer Ausgabe mit blauem Umschlag im Taschenbuchformat, welche hier als Vergleichsmaterial dient. In dieser Ausgabe ist eine 33-seitige Biographie von Dr. J. Hannak (Wien) nachzulesen, die in der 2005-er-Neuauflage keine Beachtung findet. Was sofort auffällt, das Buch kommt in größerem Format daher und weiß mit Hardcover und Fadenbindung zu gefallen.

Zum Lebenslauf und allerlei historischen Hintergrundinformationen lohnt sich ein Besuch der Rattmann-Seiten, da Matthias Vettel (welcher u.a. bereits "Bobby Fischer: Meine 60 denkwürdigen Partien" überarbeitet hat) akribisch lesenswerte Informationen zusammengetragen hat. Ein Stöbern lohnt! Nimzowitsch, welcher 1886 in Riga geboren wurde und 1935 in Kopenhagen verstarb, gilt als einer der Vorreiter der "neoromantischen" Schule und kämpfte sich durch schachliche Wechselbäder bis zu seiner stärksten Turnierleistung dem Sieg in Karlsbad 1929. Menschlich galt Nimzowitsch als Pessimist und musste sich seine Anerkennung hart erkämpfen.

meinsystem_gross.jpgInhaltlich wurde am Original natürlich nichts geändert (auch nicht bekanntgewordene fehlerhafte Analysen), aber das Buch verfügt über ein modernes Layout, welches mit den Schriftsätzen FedraSans, FedraSerifA und FedraChess erstellt wurde. Gedruckt wurde auf 90 mg/m². Das optische Leseerlebnis wirkt dabei sehr angenehm. Auch im Spaltendruck wurde sich am Original orientiert, sodass wie in der Erstausgabe der theoretische Text im Einspaltensatz und die Partien im Zweispaltensatz gedruckt wurden. Große Aufmerksamkeit verdienen aber die Diagramme (die nebenbei bemerkt "gestochen" wirken), denn im Vergleich zum Original sind jetzt fast 250 Diagramme (Original: knapp 200, jetzt 547) hinzugekommen, welche auch an den entsprechenden Stellen platziert worden. Die Diagramme sind durchnummeriert und Fehler konnte ich - ausser denen in der Errata erwähnten - keine entdecken. Die Notation erfolgt figurin und wie oben bereits erwähnt macht das Druckbild einen angenehmen Eindruck.

Das Inhaltsverzeichnis kann hier eingesehen werden. Zum eigentlich Inhalt braucht man eigentlich nichts mehr zu schreiben, dafür ist das Buch zu bekannt und ich erlaube mir GM Artur Jussupow zu zitieren: "Es wäre interessant, das beste Schachbuch des Jahrhunderts zu wählen. Ich glaube, einer der Favoriten wäre "Mein System" von Aaron Nimzowitsch." Es gibt vier Leseproben, die über diese Links zu erreichen sind:




Fazit

"Ein Klassiker steht in neuem Gewand" - und das passt ihm! Lt. Herausgeber ist erstmalig seit 1931 wieder der vollständige Text enthalten. Ein großes Stichwortverzeichnis (was für ein Schachbuch ja eigentlich selten ist) mit allen wichtigen Termini von Nimzowitsch und das Spielerverzeichnis lassen keine Wünsche offen. Wer es noch nicht hat, sollte zugreifen, allen anderen war diese Rezension eventuell hilfreich ...

(C) Frank Große, 2005