Streithähne sitzen in einer Runde und setzen sich durch Aussagen, die vor Konstruktivlosigkeit teilweise nur so strotzen selbst unter Druck und letzenendes Patt, um nicht das Gesicht zu verlieren. Fragt man nach der Legende von König von Artus, so fällt jedem sofort die Tafelrunde ein: ein runder Tisch, dessen Grundfunktion es war keine Streitigkeiten seitens der Ritter um die Platzwahl zu ermöglichen. Ethische Ansprüche von Helden, die sonst hemmungslos Schwert und Schild zu Rate zogen um den Heiligen Gral, welcher ewige Jugend, Glückseligkeit und Speisen ohne Ende versprach, zu ergattern!

Genauso wie König Artus nie an der Runde teilnahm, so zählt auch der Holländer Bessel Kok nicht zu den Vorzeige-Rittern der aktuellen Schach-Dynastie, doch gelang ihm im Mai 2002 in Prag ein vertragliches Dokument, welches für Aufsehen in der zerstrittenen Gemeinde sorgte.
 
Wiedervereingungswettkämpfe sollten das weltmeisterliche Jammertal im Schach beenden und die Sterne standen nicht ungünstig! Konfusion ade?! Leider nein. Es gelang der FIDE nicht die Beschlüsse in die Tat umzusetzen. Fragt man weiter nach den Rittern der Tafelrunde, so hat Sir Lancelot wohl die meiste Aufmerksamkeit erlangt und in aktuell schachlicher Hinsicht könnte man diese Person wohl am ehesten mit Herrn Kasparow vergleichen, welcher im Frühjahr dieses Jahres überraschend zurücktrat: Eine neue Chance bot sich und es scheint, als ob diese genutzt werden könnte ...

8 moderne Ritter ziehen nicht blutrünstig - aber kampfesbewusst - in die Schlacht von San Luis um die Krone der 64 Felder auf ihr Haupt zu platzieren. Natürlich hinkt der Vergleich schon allein daran, dass einer der Ritter weiblichen Geschlechts ist, doch gab es bereits im 9. Jahrhundert mit Päpstin Johanna eine weibliche Person (sofern die Legende historische Relevanz erfährt), die eine Ausnahmerolle in einer von Männern dominierten Hierarchie wurde! Ab morgen wird der neue Besitzer des 'Grals' in einem "Turnier der Klassik" ermittelt, doch zwei Kandidaten fehlen: zum einen 'Sir Lancelot' Kasparow, welcher sich vielleicht wohlwissend zum Höhepunkts seiner Laufbahn zur Ruhe begab und der bisherige 'Gralträger' Kramnik, der das Prager Abkommen sowohl als Schutzschild als auch zur Rechtfertigung benutzt.

Lassen wir den runden Tisch nicht zur Quadratur des Kreises verkommen, welcher eine unlösbare Aufgabe darstellt und möge ein findiger 'König Artus' nach den Kämpfen von San Luis in der Lage sein, eine Lösung zu präsentieren die allen das Gesicht wahren lässt. Oder möchten die 'Gralträger' Kramnik und der Sieger von San Luis sich mit der Aussage "Stell Dir vor, Du bist Schach-Weltmeister und niemand interessiert es" auseinandersetzen?

Nochmal zurück nach Prag. 30 Jahre dauerte der Krieg, den der "Fenstersturz" im Jahre 1618 auslöste: so lange kann und will die Schachgemeinde nicht warten bis endlich wieder Einigkeit herrscht. Friede, Freude, Eierkuchen?! Nunja bereits die schwedische Pop-Band "Abba" formulierte die ach so triviale Weisheit "The winner takes it all" ... und ich beende die Kolumne mit dem Sprichwort "Nur wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren."!

(C) Frank Große, 2005