spindler_anfaenger_klein.jpgDas 'Offizielle Lehrbuch des Deutschen Schachbundes' "Schachlehrbuch für Kinder Anfänger" von Markus Spindler erschien in diesem Jahr in 9. Auflage im Beyer Verlag. Nachdem wir bereits die Neuauflage des Nachfolgebandes "Schachlehrbuch für Kinder Fortgeschrittene" rezensiert haben ist dies Grund genug einen Blick darauf zu werfen.

Autor:
Markus Spindler
Titel: Schachlehrbuch für Kinder Anfänger
9. Auflage
ISBN 3-88805-124-X
Joachim Beyer Verlag http://www.beyerverlag.de/, 120 Seiten
kartoniert, gebunden, deutsch
Erhältlich im [amazon-ChessShop bei freechess.de]

Anfängerbücher für Kinder gibt es einige auf dem Markt, aber nicht alle sind zum autodidaktischen Studium geeignet. Das hier vorliegende Buch hegt diesen Anspruch, möchte dabei aber auch in Schul- oder Trainingsgruppen eingesetzt werden. 4 Kapitel sollen dabei dem Neuling auf Caissa's Feldern einen relativ unkomplizierten Einstieg ermöglichen.

Für einen Anfänger entsprechend umfangreich wird das Brett, die Figuren und deren Gangart erläutert. Durch den Einsatz von "Pfeilen", "Linien", "Kreisen" oder "Kreuzen" auf den Diagrammen werden die Erläuterungen im Text unterstrichen und sind somit verständlich dargelegt. Beendet wird das Kapitel durch die Notation und der Leser sollte nun in der Lage sein die Figuren ihrer Gangart entsprechend zu bewegen.

Kapitel 2 befasst sich mit dem Unterschied zwischen "Schach" und "Schachmatt". Dabei werden einfachste Mattführungen (Dame+2 Türme usw.) verwendet. Die Mattführung mit der Dame wird in diesem Kapitel nicht erläutert, dafür aber die Gewinnführung beim Mattsetzen mit einem Turm. Das Remis in seinen verschiedenen Formen (zu wenig Material, Einigung, Zugwiederholung, 50-Züge-Regel und Patt) bildet den Abschluss des Kapitels.

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Jetzt kann es losgehen? Genau. Aber zuvor müssen noch die zwei Sonderregeln "Rochade" und "Schlagen im Vorübergehen" erläutert werden. Dies ist u.a. Aufgabe des dritten Kapitels und gelingt m.E. verständlich. Den Rest des Kapitels füllen Grundsätze zur Eröffnung (8 Leitsätze) und einfache Gesichtspunkte zur Stellungseinschätzung (3 Leitsätze). Die taktischen Motive "Fesselung", "Gabel", "Abzug" bilden erste taktische Grundlagen. Hier hätte ich mir mehr Beispiele gewünscht, um das Erlernte massiver einzuprägen. Quadrat- und Schlüsselfeldregel ausführlich erläutert bilden den Abschluss des Kapitels "Wie spielen wir eine Partie Schach?" und sind aus meiner Sicht ein guter Beginn, um den Einsteiger ein Gefühl für Bauern zu vermitteln.

Fast 45 Seiten widmet sich der Autor dem Komplex "Endspiele", welcher oft stiefmütterlich behandelt wird und gerade dem Anfänger schnell ganze Partien kosten kann. Relativ schnell betrachtet der Autor die verschiedenen Endspieltypen und versucht hieraus Leitsätze herzuleiten. Bei Endspielen wie z.B. Dame gegen Bauer - die oft auch von erfahrenen Spielern nicht sofort korrekt eingeschätzt werden können (Pattfalle) - hätte ich mir langatmigere Erläuterungen gewünscht. Genauso beim Komplex Turmendspiele, da dieser Endspieltyp sehr häufig vorkommt. Ein Hauptaugenmerk auf die Endspiele zu legen finde ich eine gute Idee, die Umsetzung hätte noch präziser bzw. kindgerechter sein können.

Fazit

"Spielend lernen!" lautet das Konzept von Kindertrainer Markus Spindler und im Vorwort empfiehlt er jedem "seine Aufmerksamkeit dem Königlichen Spiel zuzuwenden". Dieses Buch soll die Grundlage dafür bilden und in weiten Teilen ist dem Autor gelungen! Das Kapitel Endspiel hätte aus meiner Sicht mit etwas mehr Fingerspitzengefühl noch besser behandelt werden können, aber Lernmethodik ist letzenendes auch individuelle Geschmackssache. Das Buch, welches ursprünglich im Zeitraum zwischen Juni und November 1990 geschrieben wurde, hätte Begriffe wie DDR oder BRD in dieser Neuauflage tilgen können, ohne, dass der Inhalt sinnentstellt wäre. Aus meiner Sicht kindgerechte Grafiken (schachartige Märchenmotive) lockern den Lesespass auf. Am Schluss der Kapitel sind Kontrollfragen, die das eben gelernte prüfen sollen: Die Lösungen dazu befinden sich am Ende des Zweiten Bandes. Verhinderung des schnellen Nachschlagens oder betriebswirtschaftlicher Trick? Geschmackssache.

(C) Frank Große, 2005