Die deutschsprachigen Schachspieler haben sie bereits: eine "Linksspringer-Bibel"! Aufgrund von beharrlichen Nachfragen ist nun auch der Rest der Welt versorgt, da der Kania-Verlag mit einer vollständig überarbeiteten englischen Neuauflage seit wenigen Wochen die aktuelle Edition auf dem Markt anbietet. freechess.info unterzieht die "fully updated edition" einem weiteren Blick.

Autor: Harald Keilhack
Titel: Knight On The Left 1. Sc3
ISBN 3-931192-29-6
Schachverlag Kania, 383 Seiten
kartoniert, gebunden, englisch
Erhältlich im [amazon-ChessShop bei freechess.de]

Mit positivem Feedback hatte freechess.info bereits das Vergnügnen die deutsche Version des hier besprochenen Buches zu rezensieren: "Der Linksspringer 1. Sc3". Die neue überarbeitete Auflage erscheint nur in der englischen Sprache und öffnet sich damit einem breiteren Publikum. Mich interessierte, für wen das Buch interessant sein dürfte und was sich seit 2003 an neuen Erkenntnissen entwickelt hat.

sc3engl.jpgFM Harald Keilhack hat am Konzept des deutschen Buches festgehalten und innerhalb von 99 Beispielpartien versucht er das wesentliche und interessante Ideen aufzuzeigen. Aus diesem Grunde empfehle ich Neuinteressenten auch einen Blick auf die Rezension der deutschen Ausgabe von 2003: Harald Keilhack - Der Linksspringer Sc3.

Aber das Buch ist nicht nur übersetzt worden, sondern in vielen Kommentaren sind Veränderungen und neue Möglichkeiten eingeflossen, sodass für Besitzer beider Bücher eine genauer Blick lohnt! Ich habe mir beim Vergleich zwar nicht die Mühe gemacht diese zu zählen, aber ich schätze diese eindeutig im dreistelligen Bereich. Zum Thema Aktualität gibt es nur positives zu berichten, da das Buch brandaktuell  ist und die letzten implementierten Partien vom August 2005 (!) sind. Dadurch, dass die Hauptpartien erhalten geblieben sind, kann man davon ausgehen, dass keine drastischen Veränderungen in der Bewertung von Varianten stattgefunden haben.










Eine Großzahl von Ideen stammt aus dem Fernschachmetier, aber auch in Nahschachgefilden gibt es neue Anhänger, die zu neuen Erkenntnissen innerhalb der Theorie beigetragen haben.

Sollte jemand das Buch in der Hand halten, so wird er sich wundern, das die überarbeitete Neuauflage 16 Seiten weniger beinhaltet. Dies ist aber zum einen mit "non-essential" Kürzungen und zum anderen mit der weniger Platz benötigten englischen Sprache zu erklären.

Eine 22-seitige Leseprobe vom Buch ist auch vorhanden, sodass ein Einblick gewonnen werden kann: Leseprobe. Innerhalb dieses Dokumentes wird das Kapitel 2 "The Van Geet Attack 1. Sc3 d5 2. e4 d4 3. Sce2" und ein Teil der Betrachtungen zu "1. Sc3 d5 2. e4 c6 3. Df3" veröffentlicht.

1. Sc3 ist auch auf höchster Ebene ein Thema, da in der soeben beendeten FIDE-WM in San Luis folgende Partie entstand, wenngleich diese in eine Najdorf-Variante der Sizilianischen Verteidigung mündete: Morosewitsch - Polgar, WM San Luis 2005. Im vorliegenden Buch findet man zur 1. Sc3 c5 - Thematik eine Reihe alternativer Ansätze, sodass hier nicht "automatisch" der Schwenk zur herkömmlichen Eröffnungsliteratur stattfindet.

Fazit

Die englische Ausgabe spiegelt das aktuelle Theoriewissen wider und ist mit einer Vielzahl neuer Ideen gespickt, dennoch ist es immer noch möglich innerhalb der ersten 10 Züge neue spielbare Möglichkeiten zu entdecken, was für experimentierfreudige Spieler auf jeden Fall einen gewissen Reiz ausmachen dürfte. Wie bereits in der Rezension der deutschen Ausgabe angemerkt habe, dürfte das Buch aber auch für 1. e4-Spieler sehr von Interesse sein, da über unterschätzte Nebenvarianten (insbesondere in halbgeschlossenen Eröffnungnen) wissenswerte Analysen angeboten werden.

Spielern, die sich vor der englischen Sprache scheuen und einen Einstieg in die Linksspringer-Thematik wünschen, kann ich die deutsche Ausgabe empfehlen, da wie oben erwähnt keine drastischen Umbewertungen vorgenommen wurden. Alle anderen und die Spieler, die up-to-date sein wollen können Ihre (Er)Kenntnisse auffrischen und durch neue Ideen bereichern, indem sie zur Auflage von 2005 greifen.

Übrigens ist ein Sc3-Turnier auf freechess.de fast beendet und ich denke, es lohnt sich die neuen Erkenntnisse und Ideen einem weiteren Test zu unterziehen.

(C) Frank Große, 2005