Bereits Ende der 90er gab es mit "Schwupps, da war der Bauer weg" eine anekdoten- und aufgabenbehaftete Ausgabe eines Buches mit gesammelten Beiträgen aus "Die Zeit" von Helmut Pfleger. Ende 2005 weiß derselbe Autor mit einer Sammlung von 120 Aufgaben pointiert mit seinen Beiträgen aus o.g. Zeitung die letzten Jahre Revue zu passieren.

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Autor: Helmut Pfleger
Titel: Schach Knockouts
ISBN 3-283-00456-0
Praxisschach Edition Olms, 128 Seiten   
deutsch, kartoniert
Erhältlich im [amazon-ChessShop bei freechess.de]


Bevor ich in einem Buch blättere oder gar lese werfe ich einen Blick aufs Vorwort oder den Klappentext (die Reihenfolge spielt hier keine bedeutende Rolle und wird just in dem betreffenden Moment entschieden) und gleich der erste Satz vom Klappentext des hier vorliegenden Buches brachte mich zum Schmunzeln: "Kaum zu glauben, aber wahr: Der weitaus größte Teil aller Schachpartien, auch im Spitzenschach, wird durch Taktik entschieden." Eine Erkenntnis, die - so könnte man meinen - beim Teeplausch mit Vlastimil Hort zu Tage getreten scheint.

schachknockouts.jpgWer nun denkt Altmeister Pfleger weiß den Leser mit herkömmlichen taktischen Motiven und Beispielen zu beschäftigen, der irrt. Chronologisch beginnend mit dem Ende des Jahres 2001 schrauben sich die Anekdoten und Geschichtchen aus der Welt rund um die 64 Felder durch die Seiten. Historisch gesehen enden die Beiträge Ende 2004. Und bevor der Leser wieder einen Blick den Geber der Zeit wirft, hat er sich schon amüsiert oder eventuell verwundert über Feststellung, die z.B. "Dortmund ist die schönste Stadt", "Düpierte Kommentatoren", "Das Gehirn des Delphins", "Tony, den Drachentöter" oder aber die Verbindung von "Chemie und Schach" usw. usf. ... Pfleger greift immer wieder auf Schach-Publikationen (wie z.B. KARL, Rochade Europa, NIC etc.) zurück und betrachtet das aktuelle Geschehen gemischt mit längst vergangenen Tagen. 

Die Aufgaben wissen durch unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad zu gefallen, sind aber keine ellenlange "Killer"varianten. Zeitlose Kombinationen, welche unter Schachspielern teilweise bekannt sind mischen sich mit weniger oft veröffentlichten Rätseln. Sofort positiv ist mir die Lösung direkt auf der Seite aufgefallen. Um sich den Lese- und Lösespass aber nicht zu verderben wurde letzere kleingedruckt und auf den Kopf gestellt. So ist es mir nie passiert, dass ich die Lösung schon vorher "erlesen" habe. Leider ist keine konkrete Partieangabe im Lösungsteil zu finden, was dem Lesevergnügnen - und dass ist wohl das Hauptanliegen dieses Buches - keinen Abbruch tut!

Als Leser dieses Buches liest man die Anekdoten - im Vergleich zur Zeitung "Die Zeit" - eher an einem Stück und stellt fest, dass Pfleger das ein oder andere Aussage recht häufig zitiert, was mich auf den Gedanken brachte, dass der Verlag ihm zu Weihnachten eventuell ein neues Zitate-Büchlein schenken könnte  Das Lesevergnügen bricht dadurch nicht ab, der einzige Wermutstropfen meinerseits war die fehlende Angabe bezüglich des konkreten Erscheinungsdatums der Artikel - auch eine Übersicht als Anhang wäre hier ausreichend gewesen. Zwei Druckfehler in den Lösungen konnte ich finden, so heißt auf Seite 10 der erste schwarze Zug Txe8 (statt Dxe8), den zweiten Druckfehler kann ich meinen eigenen Notizen aber nicht mehr entnehmen. Ein schlichtes Fazit: Ein solches Buch "passt" ins Regal, aber bitte: vorher noch lesen!

(C) Frank Große, 2005