Teil 2 der Repertoire-DVD zur Französischen Verteidigung.
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Autor: Thomas Luther
Titel: Französisch II
ISBN 3-937549-60-9
ChessBase, DVD-ROM  
Erhältlich im [amazon-ChessShop bei freechess.de]




Neues vom Autor GM Thomas Luther

Das traditionell zum Jahreswechsel stattfindende Böblinger Open konnte der Erfurter für sich entscheiden: Endstand Böblinger Open.  Hier bekam er es in der achten Runde mit der Polin A. Brustman und der Französischen Verteidigung mit den weißen Steinen zu tun

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Lb4 4. e5 c5 5. a3 Lxc3+ 6. bxc3 Dc7 7. Dg4 f5 8. Dg3 cxd4 9. cxd4 Se7 10. Ld2 0-0 11. Ld3 b6 12. Se2 La6 13. Sf4 Dd7 14. h4 Lxd3 15. Dxd3 Sbc6 16. Th3 Tac8 17. Tg3 Tf7 18. Kf1 Sd8 19. Kg1 Da4 20. c3 Db3 21. Sh5 Sg6 22. Sf6+ Kh8 23. h5 Sxe5 24. dxe5 gxf6 25. exf6 Dc4 26. De3 Dh4 27. Dh6 Dxf6 28. Tg6 De7 29. Lf4 e5 30. Te1 e4 31. Te3 Sb7 32. Te6 Dd7 33. Le5+ Tg7 34. Tg3 Tcg8 35. Txg7 Txg7 36. Dxg7
1-0

und leitet mit dieser Partie in den Hauptinhalt dieser DVD-Besprechung ein.

Teil 2 der Repertoire-DVD zur Französischen Verteidigung
 
Die Rezension dieser DVD ist die Fortsetzung der hier besprochenen DVD "Französisch I" vom gleichnamigen Autor Thomas Luther. Inhaltlich hält sich die vorliegende DVD an der Hauptvariante der französischen Verteidigung 3. Sc3 und dem Zug 3. Sd2. Im Einstiegsvideo muss die historisch bedeutende Partie zwischen Steinitz und Bird, 1866 herhalten, in welcher die Theorie zur französischen Verteidigung noch in den Kinderschuhen stand:

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1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 dxe4 4. Sxe4 Sc6 5. Sf3 Sf6 6. Sxf6+ Dxf6 7. Lg5 Df5 8. Ld3 Dg4 9. h3 Dxg2 10. Th2 Dxh2 11. Sxh2 Sxd4 12. Lb5+ 1-0; Steinitz - Bird, 1886

Die Hauptvariante 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3

Ganze 16 Partien und demzufolge Videos verwendet Luther, um diese Variante abzuhandeln, wobei 6 Partien auf den Zug 3... Sf6, 2 Partien auf 3... dxe4 und die restlichen 8 Partien auf 3... Lb4 fallen. Im Schnitt dauern die Videos ca. 15 Minuten. Wie in der ersten DVD hält Luther am bewährten Konzept mit einer für die Eröffnung historisch bedeutenden Partie die Grundgedanken beiden Seiten grob zum Umreißen und auf mögliche Verbesserungen heutiger Zeit hinzuweisen. So startet die Hauptvariante mit der Betrachtung der Partie Steinitz - Sellmann (Baltimore 1885), welche sich in der Mega Database 2005 von Kasparow kommentiert befindet. Demzufolge  ideal passt die Folgepartie und welche Erkenntnisse Ex-Weltmeister Kasparow aus seinen Analysen gelernt hat: Kasparow - Radjabow, Linares 2003. Radjabow überrascht Kasparow in unübersichtlicher Stellung im Mittelspiel und streicht den ganzen Punkt ein: Zur Partie!, was auch als historisch nicht ganz unbedeutend gewertet werden darf. Nicht besser macht es die stärkste Frau der Welt Judit Polgar bei Europameisterschaften 2001: Judit Polgar - Thomas Luther 0:1!

lutherfranzoesisch4.jpg Mit der Partie Tschigorin - Rubinstein, Lodz 1906 wird ein Einblick in das Rubinstein-System gegeben: 1.e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 bzw. 3... dxe4 4. Sxe4. Zwei Ex-Weltmeister, nämlich Fischer und Petrosjan kreuzen auf Curacao 1962 die Klingen und der Russe behält die Oberhand. Besser macht es der Fast-Weltmeister von 2004 Peter Leko in der Partie Leko - Sergej Volkov, FIDE-K.O. WM 2000, welche Leko gewinnen kann. Mit den Partien Nisipeanu - Milov, Neckar Open 2003 und Glek - Chernyshov, 2003 werden primär die weißen Möglichkeiten nach 3... dxe4 untersucht. Insgesamt outet sich Luther als Liebhaber von Stellungen, die nach 3... Sf6 entstehen und verweist darauf, dass aufgrund der Dynamik der schwarzen Möglichkeiten gute Erfolge erzielbar sind und Schwarz die Möglichkeit besitzt Abspiele selbst mitzugestalten.

Wer nicht zu 3... Sf6 greifen möchte, der spielt das Winawer-System, welches nach 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Lb4 entsteht. Mit den Feinheiten nach diesem Zug befasst sich Luther in den folgenden Partien und Videos. Nach der historischen Einleitung Steinitz - Blackburne, 1863 welche sich mit dem Zug 4. exd5 befasst und Analogien zur ersten Partie und der Abtauschvariante offenbart demonstriert Lasker gegen Capablanca (Moskau 1935) den Zug 4. Sge2 präsentierte und in hohem Alter einen schlecht vorbereiteten Capablanca überraschte. Die dritte seltene Variante im Winawer-System wird von Robert Fischer gegen Wolfgang Uhlmann gespielt: 4. a3. Innerhalb dieses Videos wird das Gambit, welches nach 4. a3 Lxc3+ 5. bxc3 dxe4 6. f3 entsteht angerissen. Wer denkt, dass er mit dem Zug 4. a3 den Hauptvarianten ausweichen kann, dem sei dies empfohlen, aber auch hier gibt es für beide Seiten ressourcenreiche Varianten!

Die folgenden 5 Videos widmen sich der Hauptvariante, die mit dem Zug 4. e5 eingeläutet wird:

Mit der Zugfolge 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sd2 wird das letzte Kapitel der DVD eingeläutet, welches in 8 Videos und ca. 1:45 h Stunden abgehandelt wird. Die Idee des Zuges basiert darauf, dass Schwarz mit 3... Lb4 keinen Erfolg haben wird, da sofort c2-c3 folgen kann. Tarrasch - von Gottschall, DSB-Kongress 1892 dient zur Veranschaulichung der Ideen nach dem Zug 3... Sf6. Darauf folgend eine Partie vom Autor, der gegen in Hastings 1994 gegen Howell gewinnt und selbst als einen ganz großen Erfolg in seiner Karriere bezeichnet. Analogien zur Vorliebe des schwarzen Aufbaus zum Vorstossfranzosen sind klar erkennbar.
Bevor die Hauptantwort 3... c5 analysiert wird kommt besiegt (1965) Byrne Fischer mit der Antwort 3... Sc6. Allein diese Partie zeigt, mit welchen flexiblen Aufbauten der Schwarzspieler gegen 3. Sd2 reagieren kann.

Steinitz - Lasker, Nürnberg 1896 ist eine der ersten Partien in denen der Zug 3... c5 gegen 3. Sd2 aufgetreten ist. Dies ist natürlich eine gute Einführung in das System, in welcher Steinitz nach guter Eröffnungsbehandlung verlor. Ein kleines Desaster für den Nachziehenden ist die Partie Kasparow - Short, 2001, bei welcher Kasparow sehr druckvoll die schwarze Stellung bearbeitet. Überhaupt kann festgehalten werden, dass Weißspieler, die die Hauptvariante (Sc3/Sd2) bevorzugen, gut beraten sind Kasparow-Partien zu studieren. Ein weiterer überzeugender Weißsieg ist die Partie Adams - Jussupow, 2005. In dieser Partie hätte ich mir gewünscht, dass Luther tiefgründiger in die Verbesserungen der schwarzen Möglichkeiten einginge. Karpow - Uhlmann, 1973 und Lastin - Barejew bilden den Abschluss der Betrachtungen.

Einen Beispielclip zur DVD kann hier angesehen werden. Abschließend kann man festhalten, dass Luther alles Wesentliche zur Hauptvariante in der Französischen Verteidigung erwähnt hat. Leider war kein Clip zum SOS-Kapitel 8 ("Schach ohne Scheuklappen 2"), welches sich mit dem Zug 3... h6 nach 3. Sc3/Sd2 befasst und dort mit konkreten Ideen belegt wird, dabei.

Fazit

In beiden DVDs versucht Luther dem Lernenden anhand von unzähligen Beispielpartien die Raffinessen der französischen Verteidigung näherzubringen. Natürlich kann er dabei nicht auf die komplette französische Theorie eingehen, so wird z.B. das französische Flügelgambit ("Schach ohne Scheuklappen 1") nirgends erwähnt. Luther orientiert sich an einem soliden Repertoire, wobei er weder Weiß noch Schwarz 'bevorzugt', sondern Pläne und Konzepte in den Partien erläutert und teilweise vergleicht. So werden in einigen Clips auch Hinweise zur Läuferthematik (schlechter weißfeldriger schwarzer Läufer) gegeben. Die Auswahl der Partien kann als gelungen bezeichnet werden. Beide DVDs orientieren sich am Vereinsspieler, welcher ein gewisses Level (m.M. DWZ ab 1400 - 2000[?]) erreicht hat und auf der Suche nach Ideen für oder gegen die französische Verteidigung ist. Ein abschließendes "Fazit"-Video, welches die wesentlichen Merkmälen nochmal aufzählt, hätte ich mir noch zum gelungenen Abschluss gewünscht

Wer sich Video nach Video anschaut muss schon fast schmunzeln, dass Thomas Luther fast jeden Clip mit dem Satz "In diesem Clip möchte ich Ihnen eine weitere Partie ..." beginnt. Luther muss kein Rhetoriker sein um seinen Lehrinhalt zu vermitteln, aber auf derartige Kleinigkeiten sollte das Videoteam normalerweise achten. Nimmt man den Inhalt beider DVDs zusammen stellt man rasch fest, dass das Videomaterial auch locker auf eine DVD gepasst hätte. Unverständlich ist mir daher der Fakt, dass den DVDs kein Eröffnungsbuch oder eine spezielle Französisch-Datenbank bzw. Französisch-Luther-Datenbank spendiert wurde.

(C) 2006, Frank Große