Mit dem Untertitel "More Masterpieces of Correspondence Chess" präsentiert uns Tim Harding eine Partiesammlung aus dem Sektor des Fernschachs, aber nur eine Partiensammlung?


harding_50_klein.jpgAutor: Tim Harding
Titel: 50 Golden Chess Games
ISBN 0-9538536-7-5
Chess Mail, 272 Seiten   
englisch, Taschenbuch
Erhältlich im [amazon-ChessShop bei freechess.de]





Wer ist Tim Harding?
Tim Harding ist sowohl als Autor diverser Bücher und Publikationen (z.B. Chess Mail), als auch starker (Fernschach)-Spieler bekannt und dürfte hierzulande als Editor der regelmässig erscheinenden Fernschach-Datenbank MegaCorr einen Namen haben.

50 Golden Chess Games

Der Untertiel "More Masterpieces of Correspondence Chess" lässt Augenmerk auf das Fernschach lenken und ist demzufolge "nur" eine weitere Partiensammlung als dem Fernschachbereich? Nun allein der Blick ins Inhaltsverzeichnis in welchem die Partien aufgelistet werden, bringt die ein oder andere Überraschung zu Tage, so sind in dem Buch auch Partien von den (Nahschach)-Größen Aljechin, Euwe oder de Firmian zu finden. Natürlich sind auch bekannte Fernschachspieler mit deren Partien vertreten!

Nach einer kurzen Einleitung verrät uns der Autor, wie er aus der Unzahl von Fernpartien "seine" 50 goldenen Partien gewählt hat: indem er keinen Spieler doppelt vertreten hat, manche Partie vorher noch nie auf einem Printmedium erschienen war und er großes Augenmerk auf das Endspiel legte. Soweit so gut, aber "schon wieder" eine Partiensammlung? Nicht ganz ...

Die Partienauswahl erstreckt sich über den Zeitraum von 1831 - 2003 und jede einzelne Partie beginnt mit einer optisch schön hervorgehobenen Umrahmung und Vorstellung der beiden Spieler. Desweiteren gibt es noch einen Umriss über das Spiel bzw. dessen Begleitumstände. So lernt man u.a. kurz den Berliner Spieler Mendheim (gestorben 1836) kennen, kann das Städteduell Breslau - Hamburg nachvollziehen, kann eine Fernpartie der Weltmeister Alexander Aljechin oder Max Euwe nachspielen, erfährt, dass verschiedenfarbige Läufer nicht immer mit einem Remis gleichzusetzen sind und erlebt über die Partien so ganz nebenbei den Wandel vom Postkarten zum e-Mail-Schach.

Doch damit nicht genug: Harding verliert ein paar Worte zu den gewählten Eröffnungen und versucht sich verbal mit den entstandenen Stellungen auseinanderzusetzen, gerät aber aus meiner Sicht zu oft in Variantenbäume bzw. alternativer Beispielpartien. Insgesamt wird dem aber nicht übermässig Augenmerk geschenkt, sondern im Mittel- und Enspiel am Konzept festgehalten. Im Schnitt ist ein Diagramm pro Seite, was zum Lesen während Reisen etc. leider nicht ausreicht.

Die historischen Betrachtungen der Partien lassen sich flüssig lesen, dürfen aber nicht als novellenartig umfangreich verstanden werden. Historikern wird zu wenig Geschichte, Eröffnungstheoretikern zu wenig Theorie und Partiensammlern werden zu wenig Partien enthalten sein , aber da das Buch von allem etwas bietet, wird es als unterhaltsam empfunden (darf hierbei aber nicht mit "leichter Kost" verwechselt werden!). Ich hätte mir - dem Anlass entsprechend - Hardcover und mehr Diagramme gewünscht. Eröffnungs-, ECO- und Spielerindex erlauben schnelles Nachschlagen.

(C) 2006, Frank Große