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Rezension zum umfangreichen Schachprogramm mit Datenbank mit Lern-, Trainings- und Spielfunktionalitäten

Titel: Chess Academy 7 OfficeDeluxe Profipaket
ISBN 3-937317-03-1
Chess Academy Software, CD-ROM  
Erhältlich im [amazon-ChessShop bei freechess.de]


Die Komponenten

Chess Academy ist ein Programm, welches sich aus vielen Einzelkomponenten zusammensetzt, welche die einzelnen Bereiche und Spielstärken ansprechen sollen. Die Datenbank soll sowohl die Verwaltung als die Erzeugung eigener Datenbanken ermöglichen. Über Lernprogramm-Tutioren werden Lektionen zur Steigerung der Spielstärke angeboten, welche sich primär in die Kategorien Studien, Strategie und Kombinationen eingrenzen lassen. Via Engine lassen sich Partien gegen den "Blechkumpel" austragen oder analysieren. Das das Programm nicht mit einem Handbuch (welche Software wird dies heute schon noch?) ausgeliefert wird, empfiehlt sich zuerst ein Blick in die mitgelieferte Hilfe-Datei, welche auch hier online zugänglich ist.

Installation

Zuerst ein Überblick über die unterstützten Systeme: PC mit CD-Laufwerk, Windows 95/98/Me/NT4/2000/XP und ca. 900 MB freinen Festplattenspeicher sind heutzutage unproblematische Anforderungen. Eine Testinstallation auf einem Windows 2000 und einem Windows-XP-System stellte mich vor keine Schwierigkeiten. Meine im System eingebaute Grafikkarte mit 32 MB Grafikspeicher reichte aus. Die Installation selbst verläuft via Wizard problemlos und ist in 8 (!) Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Polnisch und Russich) möglich. Das Wechseln der Sprachen ist auch nach der Installation innerhalb des Programmes problemlos möglich. Einziges Manko stellt die Pfadauswahl dar, welche nicht per Dropmenü stattfindet, sondern per Keyboard-Eingabe. Wer sich nicht daran stört, dass das Programm unter "C:" installiert wird, kann natürlich die Standardvorgaben lassen.

Das Datenbanksystem

Die mitgelieferte Datenbank "Profibase" beinhaltet 2,1 Millionen Partien (kommentierte Partien habe ich nicht gefunden), welche bis in das Jahr 2003 hineinreichen und demzufolge von derzeitigen anderen Datenbanken in seinem Umfang und Aktualität klar übertroffen wird. Störend aus meiner Sicht auch das Vorhandensein einer Reihe von Computer-Partien in der Datenbank. Hierauf möchte ich nicht weiter eingehen, sondern die für den Leser interessanten Möglichkeiten der Datenbanksoftware untersuchen! Ich konzentriere mich hier auf die Hauptfunktionen, da das Programm ohne Probleme in der Lage ist eine vernünftige Datenbank-Arbeit (mit deren Standard-Funktionalitäten) zu verrichten.

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Wie bei den Konkurrenzprodukten empfiehlt sich für eine übersichtliche Datenbankarbeit ein großer Bildschirm (mind. 19"), um alle Informationen strukturiert und übersichtlich zu erfassen. Die Mindestauflösung für ein sinnvolles Arbeiten ist m.E. an 1024 x 768 Pixel orientiert, eine höhere Auflösung bietet im Normalfall deutlich mehr Komfort. Chess Academy arbeitet mit einem eigenen "Desktop", d.h. das auf der Arbeitsoberfläche von Chess Academy geöffnete Fenster (wie z.B. mehrere Partien) nebeneinander, übereinander und überlappend dargestellt werden können und hierfür kein weiteres Symbol in der Taskleiste des Windows-Desktop verwendet wird. Dieses scheinbar unbedeutende Feature ermöglicht die Anordnung der Fenster nach freier Positionswahl (oder per Shortcut angeordnet).

Insbesondere beim Öffnen mehrerer Partienfenster ist ein vergleichenden Blick hier besser möglich, da nicht auf die Windows-Fenstertechnik der einzelnen Tasks zurückgegriffen wird. Die Partielisten als solche sind intuitiv zu bedienen und auch bequem per Klick auf die Spaltenüberschriften nach den Kriterium der jeweiligen Spaltenüberschrift zu sortieren. Über die Statusleiste werden notwendige Informationen geliefert.

Neben der mitgelieferten Datenbank ist es natürlich auch möglich neue Datenbanken zu installieren oder vom alten Chessbase-Format (*.cbf) bzw. PGN zu importieren. Das neue Chessbase-Format wird leider nicht unterstützt. Der Export gestaltet sich noch umfangreicher, und zwar in die Formate PGN, EPD, RTF, HTML. Bei letzteren werden die Einstellungen innerhalb einer Partie (dazu weiter unten mehr) in das zu erwartende Outfit mit übernommen. Datenbanken können auch untereinander verschmolzen werden oder nach Dubletten untersucht werden. Das bewährte Verfahren Partien innerhalb einer Datenbank zuerst als gelöscht zu markieren, um diese dann später "endgültig zu löschen" wird auch hier angewandt. Prinzipiell lohnt sich ein Blick auf die Hilfeseiten zur Beschreibung der Anwendungsmöglichkeiten, um bei kritischeren Operationen keine ungewünschten Ergebnisse zu erhalten. Die Option der Datenbankarchivierung - und somit indirekter Revisionierung - kann insbesondere vor großen Manipulationen nützlich sein.

chessacademy_datenmengen.jpgAls interessant hat sich die Möglichkeit der Arbeit mit "Datenmengen" herausgestellt, welches sozusagen die Funktionalitäten mehrerer Zwischenablagen bietet. Folgendes Beispiel soll dies verdeutlichen: Aus mehreren Datenbanken filtern man z.B. die neuesten Partien von Topalow und weiß aber noch nicht, ob in diese Datenbanken eventuell Dubletten enthalten sind. Hierzu ist es möglich die Suchergebnisse als "Datenmenge" abzuspeichern und die gespeicherten Datenbanken miteinander zu vergleichen. Für den Vergleich gibt es folgende Möglichkeiten: a) Zusammenlegen (beide Datenmengen werden vereint, Dubletten nur einmal angezeigt), b) Überschneiden (Anzeige von Partien, die nur in beiden Datenmengen vorhanden sind) und c) Subtrahieren (Anzeige von Partien, die nicht auch in der zweiten Datenmenge enthalten sind). Man kann diese Vorgänge natürlich auch über temporäre Datenbanken absolvieren (die "Datenmengen" in Chess Academy sind im Prinzip auch nichts anderes!), aber mit Sicherheit nicht mit der Bequemlichkeit von wenigen Maus- oder Tastenklicks. Ein für die Datenbankarbeit sehr nützliches Feature! Weiterhin können "Datenmengen" genutzt werden, um "Variantenbäume" zu generieren, welche aus den Partien nützliche statistische Informationen liefern können (z.B. Gewinn-, Verlust- und Remisquoten). Diese Informationen könnten aber aus meiner Sicht prinzipiell noch weiter verfeinert werden und Aspekte, wie "Beste ELO" oder "Häufige Spieler" usw. intergrieren.

Neben der Erzeugung von Eröffnungsbüchern ist die Schlüsselverwaltung ein dankbare Datenbanksoftwareaufgabe. Chess Academy ist in der Lage die folgenden Schlüssel zu verwalten:

* Eröffnungsschlüssel (Auswahl und Auflistung nach ECO, 21.500 Schlüssel)
* Mittelspielschlüssel (917 Schlüssel Bauernstrukturen, 829 Opferschlüssel, 721 Motivschlüssel
* Endspielschlüssel (176 Schlüssel)

Dies ermöglicht das optimale Suchen und Verwalten nach entsprechenden Kriterien oder Motiven!

Zum Abschluss der Datenbankbetrachtung noch ein Wort zur Editierfunktionalität des (geöffneten) Partienfensters. Während das Navigieren und die Informationen zu geladenen Partie problemlos operieren, finde ich die Lösung zur Kommentierung (z.B. Informator-Symbole) nicht ganz so glücklich gelöst. Ein Rechts-Klick mit der Maus auf den betreffenden Zug öffnet ein Menü und die Auswahl der Schachsonderzeichen geschieht über ein separates Fenster, welches mir hier zu umständlich erscheint. Auf die Fensterverwaltung, welche mir beim Laden mehrerer Partien etc. (siehe weiter oben) gut gefallen hat, hätte aus meiner Sicht an dieser Stelle verzichtet werden sollen. Wäre das Fenster der Schachsonderzeichen alternativ als Dauerfenster einrichtbar, fände ich dieses benutzerfreundlicher. Dies aber der einzige ernsthafte Kritikpunkt in der ansonsten gut steuerbaren Software!

Schach-Engine

Die mitgelieferte Schach-Engine kann genutzt werden, um gegen das Programm zu spielen oder selbiges nach Fehlern suchen zu lassen oder eine Autoanalyse (mit vielen Optionen konfigurierbar) durchzuführen. Dabei kann sich der Anwender seiner beliebten Engine zuwenden und Winboard-, UCI- oder MSC-Engines laden und somit seine favorisierten Engine in seinem Datenbankprogramm operieren lassen. Neben den umfangreichen Einstellungen bzgl. Zeitmodi oder Spielmodi erlaubt das Programm die Einbindung von Chess-Academy-Eröffnungs und Mittelspielbüchern, sowie das Nutzen von Thompson- oder Nalimov-Endspieldatenbanken. Computerschachfreunde wird der Autoplayer-Support freuen. Ich möchte die Engine-Betrachtung nicht weiter ausweiten, da insbesondere Computerschachforen etc. über entsprechendes Klientel Potential verfügen.
Lernprogramme

Lernprogramme sollen das Training des einzelnen auch ohne entsprechenden menschlichen Partner ermöglichen und leistungsgerecht unterstützten. Das innerhalb dieser Software angebotene Material reicht für Monate (wenn nicht gar Jahre) abwechslungsreichen Trainings! Durch das problemlose Erweitern der Trainingsmodule und -einheiten ist auch für zukünftige Trainingslektionen bzw. Veröffentlichungen Reserve geschaffen. 13 Module (siehe Screenshot) sind in der Profi-Version von Chess Academy enthalten:
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* Enzyklopädie der Kombinationen (über 3500 Kombinationen)
* Strategie und Kombinationen (Tutorien, welche sich an den [fortgeschrittenen] Einstieger richten und Themen, wie z.B. grundlegende Endspeiltypen, Qualitätsopfer und Figurenkonstellationen erläutern)
* Mittelspielstrategie (über 1200 ausführliche kommentierte Beispiele)
  - Qualitätsopfer
  - Isolierter Bauer
  - Hängende Bauern
  - Gegenwert für die Dame
  - Das Läuferpaar
  - Turm gegen Leichtfiguren
* Schachstudien (über 10.000 ausgewählte Studien aus dem Bereich Endspiel und Taktik)

Damit die Trainerfunktion auch gegeben ist, gibt das Programm in Schlüsselpositionen dem Lernenden die Aufgabe beste Züge, Kombinationen usw. zu finden. Dies wird punktuell ausgewertet und bei entsprechend rascher Lösung mit einem Zeitbonus versehen. Für komplizierte Aufgaben als nützlich erweist sich das Hinzuholen eines "Analysebrettes" via einzigem Mausklick. Das hier vorliegende Angebot ist demzufolge der Namenspatron des Programms! Das Level des Trainingsprogrammes ist lt. Angaben der Hersteller für den mittelstarken Spieler (ELO unter 2000) und Vereinsspieler (ELO über 2000) entwickelt worden, was den Großteil aller Amateur-Spieler abdeckt. Trainern und Ausbildern wird die Möglichkeit gefallen selbst Lehrbeispiele zu erstellen. Eine Funktion, auf welche ich innerhalb der Rezension zwar nicht weiter eingehe, aber gerade für den angesprochenen Personenkreis eine großartige Unterstützung darstellen dürfte!

Sonstiges

Natürlich ist das Programm - je nach Vorliebe des Anwenders - sowohl mit Maus als auch zur Steuerung via Tastatur freigegeben. Das Erlernen der wichtigsten Shortcuts lohnt sich dabei allemal! Veränderungen von Farbeinstellungen, Größe des Schachbrettes oder Figurensatz gehören heutzutage mittlerweile zum Standard und sind der Vollständigkeit halber erwähnt. Der Einsatz der rechten Maustaste in kontextintensiven Bereichen wird gepflegt und prinzipiellen Anpassungs- und Einstellungsmöglichkeiten in der Software sind vielfältig. Partien können mit Multimedia-Kommentaren versehen werden (Ton, Bild) und die Notationsdarstellung kann rasch bequem in 19 verschiedene Möglichkeiten geändert werden, sodass einem multilingualen Austausch nichts im Wege steht. Das Programm verfügt über einen Menüpunkt Partien-Update, mit welchem die Aktualität der Datenbanken realisiert werden könnte. Leider lief dieser Link bei mir ins Leere!

Fazit

Chess Academy als eine Symbiose zwischen Schachdatenbank, -programm und -lehrer bietet das oft gewünschte "Alles-in-einem"-Paket, welches dazu aber auch in Zukunft erweiterbar ist. Das Programm lässt sich intuitiv bedienen und weiß durch umfanreiche Funktionen zu gefallen. Die Hilfe, welche via "F1" zum fokussierten Element Hilfe anbietet, ist ein würdiges Handbuch und Nachschlagewerk, welches keine Fragen offengelassen hat. Über kleine Fehler (englischsprachige Screenshots im deutschen Hilfetext) habe ich hinweggesehen. Während die Datenbank etwas veraltet ist, kann das Angebot des integrierten Schachtrainings als zeitlos und äussert umfangreich betrachtet werden. Die ausgezeichnete Engine-Unterstützung lässt der Analyse und dem Computerschach-Freund alle Optionen. Auf welcher Funktionalität der geneigte Anwender nun den Primärfokus legt, muss jeder selbst entscheiden, aber aus meiner Sicht hat keine der drei Komponenten grobe Schwachstellen und der Name des Programmes wird seinen Ansprüchen gerecht. Die kleinen - aber aus meiner Sicht vertretbaren oder abstellbaren Mängel - habe ich innerhalb der Rezension erwähnt.

(C) Frank Große, 2006