Es gibt sie auch im deutschen Schach-{Web}-"Blätter"-Wald: subkulturelle Meinungsmacher und zumeist vom Einzelnen gepflegte Inhalte, kurz: Blogs! Nein, hier soll kein Negativimage generiert werden, im Gegenteil es ist auch auf freechess mal wieder Zeit für eine Kolumne und da mir gerade das Material dafür beim Frühjahrsaufräumen abhanden gekommen ist oder ich in des Schreibens Unlust gefallen bin (der Leser möge entscheiden, ob einer der Gründe glaubhaft ist), greife ich frecherweise auf Sekundärquellen und damit die Phänome der deutschen Webschachkultur zurück!

Nicht deutsch (in dem Falle ist das Ausdrucksmittel ergo Sprache gemeint), aber (dennoch || gerade deswegen?!) gut und wohl der Ur-Blog in Sachen Schach dürfte Tim Krabbé's "Chess Diary" sein. Auf über 280 Einträge kann diese mittlerweile umfangreiche Tagebuch der Schachkuriositäten und "versehentlichen [Partie]Aufgaben" seit 1999 verweisen. Eine Mischung aus verzwickten Stellungen in denen unglaubliche Fehlzüge ("Blunder") passierten, fast endlosen Endspielanalysen, Problemstellungen und kleinen Anekdoten bieten nicht nur Kurzweil beim Lesen.

Aus unserem Nachbarstaate Österreich kommt mit Dr. Martin Stichlberger ein - wie er selbst zugibt - Nachahmer in deutscher Sprache mit ähnlicher Grundidee: Schachimedes. Primär wird Kurioses, Absonderliches mit in realen Partien existierender Schachblindheit kombiniert. Unterhaltsam! Drum dafür den "Pickerl Gaude und hoch die Taferl" ...

Die "Rumpelkammer auf zweimal 32 Feldern" - so das Pendant aus unserem Lande: Schachblätter! Stefan Kalhorn und Carsten Herrmann erfreuen seit November letzten Jahres mit facettenreichen Blog-Einträgen, indem Sie alte Zeitschriften durchstöbern, ihre An- und Einsichten über scheinbar verwunderliches aus Zeit und Geist der Schachwelt mitteilen und dabei Niveau anstreben und erreichen. Ihr selbsternannten "Freunde kleiner Schritte" ... walk your line!

Polemisch und ohne vorgehaltener Hand geht es auf den mittlerweile etablierten Seiten von Metachess (Jörg Seidel) und Deep Chess!!! (die drei Ausrufezeichen gehören zum "Programm") zu. Die einen werden es resepktlos, die anderen überzogen und wieder andere anregend und unterhaltsam finden. Mag sich jeder selbst ein Bild machen ...

Abschließend noch ein Hinweis auf einen aktuellen Bericht zur zweiten Bundesliga, welcher mit dem Attribut "lustlos" in der Überschrift kaum auf Interesse beim Leser gestossen sein dürfte. Der letzte Abschnitt "Große Aufregung" dürfte aber als unikates Kuriosum in die Schachgeschichte eingehen und vielleicht sogar noch Anpassungen der Auslegung der FIDE-Regeln nach sich ziehen

(C) Frank Große, 2006