Der zweite Band der Schnellkurs der Schacheröffnungen hat sich nach dem Theorieband das Ziel gesetzt, die praktischen Aspekte der Eröffnungen zu beleuchten.
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Autor: Jerzy Konikowski
Titel: Schnellkurs der Schacheröffnungen - Praxis
ISBN 3-88805-294-7
Beyer Verlag, 269 Seiten   2. Auflage 2006
deutsch, kartoniert und gebunden
Erhältlich im [amazon-ChessShop bei freechess.de]


Inhalt

210 vollständige Partien aus dem Zeitraum von 1990 bis 2002 dienen als Grundlage für dieses Buch, wobei folgende Spieler auf mindestens 5 Partien gelangen: Barejew, Gelfand, Iwantschuk, Kasparow, Kramnik, Topalow. Um den Bezug zum Theorie-Band herzustellen wird in jeder Partie der Hinweis auf die entsprechende Seitenzahl gegeben, sodass beide Bände zusammenarbeiten.

Aufbau

Das Konzept des Werkes ist folgendermassen aufgebaut: man nehme aus den Partien entscheidende Stellungsbilder (in denen eine taktische Abwicklung möglich ist) und bilde diese als Diagramm ab. Danach werden die kompletten Partien mit Analysen abgebildet (in den Analysen befinden sich weitere Fragmente von Partien, sodass die Gesamtpartienanzahl höher als 210 ausfällt!). Der Sinn des Ganzen besteht darin, dass der Leser nun - wie in früheren Trainingsbüchern üblich - sich zuerst allein mit der Diagrammstellung auseinandersetzen kann und eine mögliche Lösung finden darf. Diese sollte er notieren und dann mit dem Ergebnis der Partie bzw. Analyse vergleichen. Wer möchte kann die Ergebnisse auch auf Zeit lösen und anhand eines Punkteschemas bewerten. Derartige Auswertungen sollten zwar weder über- noch unterbewertet werden, sie bieten aber dennoch einen guten Ansatzpunkt.

Einen kleinen Einblick geben folgende Beispieldiagramme mit Original-Lösung:

Diagramm 63 (Weiß am Zug)

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29. Lxb7!!
Ein feines Läuferopfer.
29... Txb7
Nach 29... a5 30. Lf3 würde der Marsch der Freibauern rasch entscheiden.
30. Txe6!
Schwarz gab auf wegen 30. Txe6 fxe6 31. c6 +-.

Diagramm 131 (Schwarz am Zug)

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()
19... Sxg2!?
Überzeugend war 19... Txg2+! 20. Kf1 Sxd5 21. Kxg2 Sxc3 -+, doch der Nachziehende dürstet nach Schönheit.
20. Sc7+ Dxc7!
Eine elegant forcierte Entscheidung.
21. bxc7 Sxe1+ 22. Kf1 Sxf3 23. cxd8D+ Txd8 24. Lxc6+ bxc6 25. Da4 Tg1+ 26. Ke2 Te1+ 27. Kd3 dxe5+ 28. Kc4
und Weiß gab sich geschlagen wegen 28... Txe4+.

Wie zu erkennen ist, sind die zu lösenden Kombinationen unterschiedlicher Länge bzw. Voraussicht angelegt. Der Hauptteil der hier behandelten Partieanfänge konzentriert sich auf folgende Eröffnungen: Englisch, Caro-Kann, Sizilianisch, Französisch, Spanisch, Damengambit (sowohl angenommen, als auch abgelehnt), Slawisch, Nimzowitsch-Indisch und Königsindisch.

Fazit

Mit 210 "Puzzlen" aus der Meisterpraxis hält der Leser hier ein Taktikbuch in der Hand, welches taktisch dahin orientiertes Niveau abverlangt. Da diese zumeist in den Mittelspielstellungen enstanden sind wird hier bewußt und positiverweise auf "Überseher" in der Eröffnung verzichtet (dies ist kein Buch nach dem Motto "Gewinnen in 10 Zügen"!). Aufgrund des Aufbaus eignet sich das Buch ideal zum Lösen für unterwegs, um die Lösungen dann beim Nachspielen zu verifizieren. Die Neuauflage ist zeitlich nicht überarbeitet worden, sodass die Theorie der vergangenen 4 Jahre nicht mit in diese Arbeit eingeflossen ist - ein Umstand, der im Computerzeitalter durchaus nicht zu unterschätzen ist. Die "Verlinkung" zum Theorie-Band ist gegeben und korrekt.

(C) Frank Große, 2006