"Können Sie Matt setzen?" lautet die für Schachspieler fast provokative Frage auf der Rückseite des Buches "Schachmatt" von Kurt Richter und Rudolf Teschner.

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Autor: Kurt Richter, Rudolf Teschner
Titel: Schachmatt
ISBN 3-88805-297-1
Beyer Verlag, 168 Seiten, 5. Auflage 2006   
deutsch, kartoniert und gebunden
Erhältlich im [amazon-ChessShop bei freechess.de]


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Kurt Richter widmete einen Großteil seines Lebens dem Schach und dürfte den meisten als ein Meister der "alten Zeit" bekannt sein. Neben seinen Tätigkeiten bei diversen Schachzeitschriften und als Problemkomponist widmete er sich auch dem Schreiben von Büchern. Mit seinem "Kumpel" Rudolf Teschner verbindet ihn die alte Zeit und dieser hat sichder Überarbeitung der 4. Auflage angenommen. Die in diesem Jahr aufgelegte 5. Auflage (im Impressum ist ein Druckfehler "5. Auflage 2002", welcher vom Verlag bestätigt wurde) ist aufgrund der immerwiederkehrenden Nachfrage zu diesem Buch erschienen.

Auf die Frage des Rückklappentextes wird wohl (fast) jeder Spieler "Klar!" antworten und denkt dabei an die Mattbilder mit Dame, Turm oder diversen Figurenbatterien. Der Weg, welchen Richter beschreitet ist nicht an den blutigen Anfänger gerichtet, sondern an Spieler welche die Matt"schablonen" erweitern wollen. Dabei ist seine Neigung zum Problemschach nicht zu übersehen. Gleich im ersten Kapitel ('In der Optik des Bildes') wird der Leser mit diversen Mattbildern überhäuft, um diese anschließend in 16 Übungsaufgaben wiederzuentdecken.

Erst in den darauffolgenden Kapiteln folgen Erläuterungen und Kurt Richter geht hierbei den Weg, welchen eine Schachpartie normalerweise nimmt: Eröffnung -> Mittelspiel -> Endspiel. Das zweite Kapitel widmet sich demzufolge den Unfällen innerhalb der ersten 12 Züge. Es wird daraufhin verwiesen, dass dabei die verlorene Seite schwerwiegende Fehler gemacht haben muss und diese werden an den Klassikern betrachtet. Ausgehend von der Seekadetten-Thematik, werden u.a. die Themen "Linienöffnung" und "Ablenkung" betrachtet.

Der "Wirbel des Mittelspiels" zeigt 70 Diagramme, bei welchem die Partie ein abruptes Ende durch Matt nimmt. Die Bilder sind zwar Thematiken untergeordnet, werden hierbei nicht das Anwenden von "Schemas" untergeordnet. Das darauffolgende Kapitel soll das Auge auch "mit wenigen Steinen" nach taktischen Möglichkeiten schärfen und zeigt, dass Endspiele nicht nur strikten Führungsregeln unterlegen sein müssen, sondern auch Mattbilder beinhalten können. Wer auf den vorgegangen 80 Seiten aufmerksam neue Motive studiert hat dürfte mit den folgenden 30 Aufgaben keine Probleme haben und sollte in der Lage sein, den Großteil zu lösen.

Anschließend erfährt der Leser auf 14 Seiten eine kleine Einführung in die Problemschach-Thematik und deren Kompositionen. Hierbei handelt es sich - dem Titel des Buches entsprechend - aber ausschließlich um partienahe Mattprobleme. Aus den Jahren 1963 - 1965 aufgeführte Mattbilder bilden den Abschluss des Teiles, für welchen Kurt Richter verantwortlich ist. Die zwei nachfolgenden Kapitel sind von Rudolf Teschner geschrieben worden und beinhalten, die seiner Meinung nach "schönsten Partien der letzten 25 Jahre". Der Zeitraum ist von 1968 - 1992 datiert. Hier werden komplette und kommentierte Partien der damaligen Weltelite gezeigt, wo Karpow, Fischer und Kasparow natürlich nicht fehlen.

Fazit

Ich kannte bisher keine Auflage dieses "Klassikers" und durfte mir diesen mit der Neuauflage das erste Mal zu Gemüte führen, was meinen Horizont der Mattbilder erweitert hat. Ein - in heutzutage vielen Lehrbüchern anzutreffendes - systematisches Vorgehen der Motive wird zwar nicht angewandt, aber dem Vereins- und Turnierspieler dürfte die sorgfältige Lektüre dieses Buches das Ziel der Schachpartie näher bringen.

Errata: Der in Schachreport-Rezension bemängelte Fehler auf S. 108 links oben ist immer noch enthalten. Weiß kann anstelle der Fortsetzung mit 6. Df7 einzügig mattsetzen.

(C) 2006, Frank Große