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Autor: John Emms

starting out: the scotch game

Everyman Chess, London 2005.
Englisch, 224 Seiten, 22,8 x 15,3 cm, kartoniert.
ISBN 1-85744-387-X.

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„Schottisch ist die einzige ernsthafte Alternative zu Spanisch." Garri Kasparow sagte das und er wird es wissen: 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 exd4 4.Sxd4, über 20 Schottisch-Partien gibt es von ihm, darunter sind WM-Gefechte gegen Karpow, Short und Anand. Namensgeber für das Scotch Game sind der Schotte John Cochrane (1798-1878) und die Mitglieder des Schach­clubs zu Edinburgh. Für ihr Fernschach-Match gegen London 1824-28 hatte Cochrane zu der Eröffnung geraten, mit Erfolg.

Jahrzehnte wurde es dann ruhiger um Schottisch, eben bis Kasparow kam und dem verdutzten Karpow zur 14.WM-Partie 1990 in Lyon 3.d4 vorsetzte. Nie vorher in dem Jahrhundert war bei einem WM-Kampf Schottisch gespielt worden - damit begann die Renaissance dieser dynamischen Eröffnung. Inzwischen haben die Titel­träger Schottisch als zweit­häufigste Fortsetzung gegen 1..e5 in ihr Repertoire aufgenommen, die Amateure bevorzugen weiterhin Italienisch als zweite Wahl (Zeitraum 2000-05). Spanisch ist in beiden Lagern die Nummer 1. 

Mit 3.d4 macht Weiß sofort Druck und zwingt Schwarz, das Zentrum aufzugeben; offene Linien prägen das weitere Spiel. Die Vorzüge von Schottisch sind nach Meinung von Autor GM John Emms: Weniger Theorie ist zu lernen als bei der Spanischen Eröffnung, trotzdem kann Weiß aus einem breiten Sortiment möglicher Stellungs­typen wählen. Der Anziehende hat Raumvorteil und die bessere Bauernstruktur (nach 4..Sf6 5.Sxc6). Wer gern scharf spielt, sollte sich diese Mieses-Variante näher ansehen. Weniger Erfahrene und Spieler, die es ruhiger angehen wollen, mögen das Schottische Vierspringer-Spiel vorziehen (4..Sf6 5.Sc3). Emms schrieb kein enges Repertoire­buch für Weiß, sondern eine komplette Einführung in die Schottische Partie. Nicht behandelt werden das Schottische (4.Lc4) und das Göring-Gambit (4.c3).
 

INHALT  

Bibliography; Introduction

1) Scotch Four Knights (4..Nf6 5.Nc3)
2) Mieses Variation: Introduction and Main Line with 8..Nb6
3) Mieses Variation: Main Line with 8..Ba6
4) 4..Bc5 5.Nxc6
5) 4..Bc5 5.Be3
6) 4..Bc6 5.Nb3 and Others
7) Rare Lines
Index of Variations
Index of Complete Games

John Emms ist ein erfahrener Autor, die Liste seiner Eröffnungs­bücher ist lang. Davon profitieren die Leser, denn er weiß genau, was Amateure wollen. Hier schreibt er für den Eröffnungs­neuling und für den bereits etwas Erfahrenen, der sein Wissen auffrischen will oder großmeisterlichen Rat zu einzelnen Abspielen sucht. (Die Starting-out-Reihe zielt primär auf Starter, wie der Name schon vermuten lässt.)

Im Vorwort gesteht Emms, dass er im Buch gelegentlich „mit der weißen Seite flirtet", seine meiste Erfahrung im Schottisch aber mit Schwarz sammelte. Die allgemeine Eröffnungs­einführung ist mit drei Seiten kurz geraten, erklärt werden einige typische Bauernstrukturen (Scotch Pawn Structures). Auf den ersten Blick ist das wenig, aber alle sieben Theorie-Kapitel beginnt der Autor mit einer speziellen Introduction in die anstehende Hauptvariante.

Nach der Einführung bietet Everyman Chess den Lesern der Starting-out-Serie ein Spezialität: Die Autoren bewerten mit Prozentzahlen die Erfolgsquote jeder Hauptvariante (Statistics); auch schätzen sie die Menge vorhandener Theorie ab (Theoretical?), und damit den Lernaufwand für jede Hauptvariante. Alle Theorie wird an 55 Musterpartien erläutert, die jüngste wurde im April 2005 gespielt (Kritz - Hohler, Op Triesen / Liechtenstein). 

Das Paperback ist einspaltig in alpha-numerischer Notation gesetzt (Buchstaben statt Figuren­symbole), Typografie und Layout lassen Textzüge von Varianten gut unterscheiden. Den Unterricht lockert Everyman Chess für Auge und Hirn angenehm auf: drei Symbole mit fett gedruckten Merksätzen daneben sorgen für Abwechslung. Da ist die Glühbirne (Tip), die regelmäßig Tipps ankündigt - damit dem Leser ein Licht aufgehe? Oder das Notizbrett (Note) mit wichtigen Hinweisen. Der gruselige Totenkopf (Warning) mit den gekreuzten Knochen darunter warnt vor Gefahr, zum Beispiel im Kapitel zum Vierspringer­spiel: In Qf3 lines White must be wary of his queen suddenly running into trouble with ..Bg4 or g7-g5-g4. Erfolgreich lernt, wer das Gelernte wiederholt. Dabei helfen Autor und Verlag dem Leser mit einer Zusammen­fassung am Ende jedes Kapitels (Points to Remember). 

Emms erläutert vor allem die gängige Theorie, wie sie von den Meistern gespielt wird. Im letzten Kapitel (Rare Lines) stellt er auch seltene frühe Abweichungen vor, zum Beispiel die trick­reiche Steinitz-Variante 4..Dh4. Der englische GM rät Schwarz davon ab, er mahnt aber Weiß zugleich, sich auf den Damenangriff vorzubereiten, um nicht in eine der Fallen zu tappen. Als Gegen­mittel empfiehlt er 5.Sc3! Lb4 6.Le2! Dxe4 7.Sdb5! Lev Gutman schrieb über die Steinitz-Variante ein ganzes Buch (4...Dh4 in der Schottischen Partie; auch auf Englisch erschienen). Daraus zitiert Emms, aber in der Biblio­graphie fehlt die Quelle. Auch 4..Lb4+ nimmt der Autor ernst ("...is not as silly as it looks"). Auf den ersten Blick Patzer-verdächtig, gewann Kasparow damit gegen Unzicker in 26 Zügen (Zürich 2001). Schottisch-unkundige Amateure weichen gern früh ab mit Zügen wie 4..Sge7, 4..d6, 4..d5 oder 4..Sxd4; diese Fortsetzungen behandelt Emms nur in ein paar Zeilen. Er schließt das Buch mit guten Such­hilfen im Anhang: je Haupt­variante ein Eröffnungs­baum, Verzeichnis aller Musterpartien.
 

FAZIT

John Emms vermittelt Grund- und Aufbauwissen zur Schottischen Partie. Seine Theorie ist aktuell, er schreibt gut verständlich. Den Unterricht lockert er mit Tipps, Warnungen und Hinweisen auf. Zum Schluss jeder Hauptvariante fasst er das Wesentliche bündig zusammen. Eine rundum gelungene Eröffnungseinführung.

 

© 2006 Dr. Erik Rausch