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Meine besten Partien,
von Anatoli Karpow

Broschiert: 296 Seiten
Verlag: Edition Olms (Juli 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3283005117
ISBN-13: 978-3283005115

Erhältlich im Chess-Shop bei freechess.de 

 

Einleitung: In letzter Zeit wurde es um Anatoli Karpow recht still, kein Wunder, der inzwischen 55-jährige widmet einen sehr großen Teil seiner Freizeit der privaten Briefmarkensammlung. Hin und wieder sieht man Karpow bei Blitzturnieren oder Schnellschachevents, also eher Showveranstaltungen als ernstes Turnierschach. Von eben diesem scheint sich der Exweltmeister langsam aber sicher zurückgezogen zu haben. Ungeachtet dessen verfasst er weiterhin Bücher für Schachfreunde und solche die es werden wollen.

Inhalt: Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um eine Sammlung der 100 besten Partien von Anatoli Karpow im Zeitraum 1968-2003. Das Vorwort stammt vom langjährigen Sekundanten Igor Saizew, und trägt den Titel: „Ich hatte das Glück, mit Anatoli Karpow zu arbeiten“. Ein weiteres Vorwort stammt von Karpow selbst. Im Anschluss an die Partien folgt ein 8-seitiges Porträt über Anatoli Karpow, verfasst von Raymund Stolze. Eine umfangreiche Statistik der wichtigsten Turniererfolge, ein Personenverzeichnis, Partienverzeichnis, Verzeichnis der Hauptpartien und ein Eröffnungsverzeichnis lassen das Buch ausklingen.

Zum Partienteil: Karpow analysiert seine 100 besten Partien, von ihm selbst ausgewählt und auch neu bearbeitet. Nach eigenen Angaben hat der Autor alte Varianten entfernt und durch neue Eröffnungsideen ersetzt. Wer Tiefschürfende Analysen im Stile eines Kasparov oder gar Hübner sucht wird hier sicherlich nicht fündig. Karpow analysiert seine Partien im wohltuenden Stil der guten alten Zeit, weniger Varianten, dafür mehr erklärender Kommentar. Die zahlreichen Diagramme zu jeder Partie erleichtern das Nachspielen der Partie und etwas geübtere Spieler kommen hier auch fast ohne Brett aus. Zu fast jeder Partie gibt es auflockernde Kommentare und Geschichten aus dem Schachleben des 12.Weltmeisters. Highlights des Buches sind sicherlich die Begegnungen mit Kortschnoj, Anand, Topalov und natürlich Kasparov. Beim Nachspielen der Partien wird jeder Schachfreund Zeuge der unnachahmlichen Karpowschen Spielweise. Nicht ohne Grund hat Karpow unter seinen Berufskollegen den Spitznamen „die Spinne“. Mit Ruhe und Bedacht wird die Krise abgewartet bis sich der Feind im Netz selbst verfängt. Auch Beinamen wie „der perfekteste Schachbeamte aller Zeiten“ zeugen von diesem Ruf. Im Porträt von Raymund Stolze wird Wladimir Kramnik mit folgenden Worten zitiert: „Wenn die Zeit für den Beginn des Sturms herangereift zu sein scheint, spielt dieser Mensch a2-a3 oder h2-h3 und die gegnerische Stellung fällt in sich zusammen“.

Fazit: Ein rundum gelungenes Werk! Beim Nachspielen der Partien wird der Leser sicherlich die eine oder andere Idee oder Lösung eines Stellungsproblems verinnerlichen und für seinen eigenen Spielstärkezuwachs verwenden können. Das Buch stellt eine wahre Fundgrube schachlicher Leckerbissen dar, dass immer wieder zum Stöbern einladet.

© Martin Rieger, Februar 2007