1904600719.03.mzzzzzzz.jpg Autor: Sam Collins
Verlag: Gambit Publications Ltd (2007)
Sprache: Englisch

Broschiert: 112 Seiten
ISBN: 1-904600-71-9
ISBN2: 978-1-904600-71-8

Erhältlich im Amazon Chess-Shop bei Freechess.de

 

Zum Autor: Sam Collins (ELO 2398) ist ein junger aufstrebender IM aus Irland. Er gewann 2002 die irische Meisterschaft und vertrat sein Land bereits auf mehreren Schacholympiaden. Im Gambit-Verlag erschienen bisher vom gleichen Autor „An Attacking Repertoire for White“, „Schacheröffnungen richtig verstehen“, „The French Advance“ und „Attacking Repertoire for Black“.
In seinem neuesten Werk stellt der Autor ein komplettes Repertoire anhand von 2.c3 gegen Sizilianisch vor.

Einleitung:

Zum Autor: Sam Collins (ELO 2398) ist ein junger aufstrebender IM aus Irland. Er gewann 2002 die irische Meisterschaft und vertrat sein Land bereits auf mehreren Schacholympiaden. Im Gambit-Verlag erschienen bisher vom gleichen Autor „An Attacking Repertoire for White“, „Schacheröffnungen richtig verstehen“, „The French Advance“ und „Attacking Repertoire for Black“. In seinem neuesten Werk stellt der Autor ein komplettes Repertoire anhand von 2.c3 gegen Sizilianisch vor.

 

Inhalt:

Behandelt werden alle möglichen Antwortzüge auf 2.c3.

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Angefangen mit 2...Sf6: Varianten mit cxd4, 2...Sf6: Hauptvariante mit 6 Lc4, 2...Sf6: Weiß vermeidet ein frühes d4, 2...d5: Schwarz zieht ...Sf6 und ...e6, 2...d5 mit 4...Sf6 5 Sf3 Lg4 (oder 5...Sc6), 2...d5: Alternativen zu 4...Sf6, Alternativen für Schwarz.

 

 

 

 

 

 

 

In seinem Vorwort präsentiert der Autor dem Leser gleich mehrere gewichtige Gründe, die für 2.c3 sprechen:

- weniger Theorie zu erlernen als z.B. in der Najdorfvariante

- die entstehenden Stellungen und Varianten sind vergleichbar (isolierter Damenbauer oder e5-Vorposten)

- Weiß hat im offenen Sizilianer nie einen klaren Weg zum Vorteil - für ein komplettes offenes Repertoire gegen Sizilianisch (1.e4 c5 2.Sf3) braucht man sehr viel Zeit

- die Theorie entwickelt sich im c3-Sizilianer nicht so rasch wie in anderen Systemen, man muss also nicht immer auf den neuesten Stand sein.

Zum Schluss seiner Einleitung schreibt Collins folgendes: „The c3-Sicilian doesn´t give White more chances of advantage than an Open Sicilian,Sorry”. Diese Ehrlichkeit hat mich doch überrascht, denn in vielen Eröffnungswerken wird dem Leser alles Mögliche versprochen, was aber letztendlich in der Praxis oft fatale Auswirkungen haben kann. Nicht so der junge IM, der seinem Leser offen Vor- und Nachteile des c3-Sizilianers aufzeigt. Den 7 Kapiteln des Buches wird jeweils eine Zusammenfassung vorangestellt mit einer Zugfolge bis ca. zum 7.Zug, aus der sich dann anschließend die analysierten Partien ableiten. So findet man schnell einen mühelosen Einstieg ins Geschehen und wird nicht wie in anderen Werken ins kalte Wasser geworfen. Jede der 25 Partien wird auf durchschnittlich 6 Seiten analysiert, alleine das zeigt bereits, wie sorgfältig und genau uns der Autor den c3-Sizilianer schmackhaft machen will! Ich muss gestehen es mundet sehr!

Die Analysen der einzelnen Partien spiegeln den Stand der aktuellen c3-Theorie wieder, ein Beispiel hierzu ist die Partie Sergei Tiviakov gegen Loek van Wely, gespielt in Wijk aan Zee 2006, die älteste Partie stammt aus dem Jahre 2002. Am Ende jeder Partie folgt dann ein kurzes Resümee mit Hinweisen und Bemerkungen zum Verlauf der Eröffnung.

Ein Eröffnungsbuch muss sich zum Teil daran messen lassen, wie erfolgreich die vorgestellten Varianten und Systeme in der Praxis sind. Anhand der Partie Sermek-Chandler (Seite 74) habe ich hierzu die aktuelle Mega-Data-Base zu Rate gezogen. Zwischen 2005 und 2007 hat Weiß bei 25 Partien 10mal gewonnen, 5mal verloren und 10mal remis gespielt. Das ergibt einen Weißerfolg von immerhin 60%! Betrachtet man die Statistik aller c3-Sizilianischpartien in der Megabase, erzielte Weiß immer noch einen Erfolg von 52%. Sämtliche im Buch empfohlenen Varianten scheinen sorgfältig geprüft worden zu sein. Die besonders kritischen Abspiele im Buch habe ich mit den aktuellsten Partien verglichen. Die eine oder andere Verlustpartie hätte verhindert werden können, wenn der Weiß-Spieler einen kurzen Blick in Collins Werk geworfen hätte.

In vielen anderen vergleichbaren Werken wird nur purer Eklektizismus praktiziert, nicht so bei Collins. Mit vielen eigenen Ideen bereichert er scheinbar festgefahrene Wege und zeigt dort spielbare Alternativen auf. Was mir besonders gefällt ist die Tatsache, dass Collins „sein“ System nicht in den Himmel hebt, sondern objektiv Vor- und Nachteile aufzeigt. Er geht auch auf kritische Varianten ein und räumt ein, dass Schwarz z.B. bei 2. …b6 oder 2. …g6 in den Hauptvarianten gut mitspielen kann. Er schreckt auch nicht vor Aussagen wie „2. …b6 is a good way to keep the game complex“ zurück. Wäre auch zu schön gewesen wenn man mit dem c3-Sizilianer eine Allzweckwaffe gegen Sizilianisch gefunden hätte, schließlich wäre es auch nicht glaubhaft gewesen. Beim vorliegenden Buch aber merkt man sehr schnell die Offenheit, mit der Sam Collins dem Leser ein System vorstellt und präsentiert, von dem er voll und ganz überzeugt ist.

Die einzigen Kritikpunkte die ich anbringen muss sind eher nebensächlicher Natur, müssen aber trotzdem angesprochen werden:

- bei allen Diagrammen fehlen die Nummerierungen (A-H,1-8)

- auf Seite 29 hat der Fehlerteufel zugeschlagen, auf dem Diagramm rechts unten ist der schwarze d-Bauer erstens doppelt(d7/d4) und am falschen Ort (statt d4 müsste er auf d5 stehen)

Natürlich tut das der Sache keinen Abbruch; das Buch ist qualitativ gut verarbeitet und das gesamte Erscheinungsbild macht einen aufgeräumten sauberen Eindruck. Zum Abschluss des Buches gibt es einen übersichtlichen Variantenindex und eine Liste aller vorgestellten Partien.

 

Fazit:

Wer nicht über ausreichend Zeit verfügt um die endlosen Varianten im offenen Sizilianer zu studieren, ist mit diesem Buch sehr gut beraten. Auch Sizilianischspieler könnten sich durch Sam Collins Werk vor unliebsamen Überraschungen wappnen.

Martin Rieger, Februar 2007