Verbessern Sie Ihre Variantenberechnung im Schach

Von Jacob Aagaard

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Autor: Jacob Aagaard
Titel: Verbessern sie Ihre Variantenberechnung im Schach

ISBN: 91-975244-5-X
Verlag: Quality Chess Europe AG
213 Seiten, kartoniert

Sprache: Deutsch

Erhältlich bei Schach Niggemann

Zum Autor:
Jacob Aagaard, 33, wurde in Dänemark geboren und spielt jetzt für Schottland. Der IM besitzt derzeit eine ELO-Zahl von 2477. Ende 2006 erzielte er seine vierte GM-Norm. Vom Autor sind unter anderem bisher erschienen: Excelling at chess, Experten vs. Sizilianisch, Practical Chess Defence und eine Reihe von Chessbase-DVD´s.

 

Sie grübeln nach, welchen Zug Sie ausführen wollen, Sie rechnen etwas herum, verwerfen ihn aber wieder und suchen nach anderen Alternativen. Bald kehren Sie wieder zum Ausgangspunkt zurück und sind genau so weit wie zu Beginn. Immer und immer wieder berechnen Sie die gleichen Varianten ohne zu einem befriedigenden Ergebnis zu gelangen. Kommt Ihnen dies bekannt vor? Ja? Dann dürfte vorliegendes Buch etwas für Sie sein!

Über die wirksamste Methode zur Verbesserung der Variantenberechnung gibt es unzählige Schachbücher, gute und schlechte. Das ist an sich auch kein Wunder, Mittelspielthemen sind ein undankbares Betätigungsfeld für Schachautoren wie Trainer. Eröffnungs- und Endspieltheorie kann klassifiziert werden, aber für das Mittelspiel gestaltet sich die Sache nicht ganz so einfach. Das Mittelspiel kann zwar durch Taktiktraining und Analyse von Partien trainiert werden, doch reicht das wirklich aus um ein stärkerer Spieler zu werden? Was ist das Geheimnis des Erfolgs (oder ist es gar keines?) der Großmeister? Müssen sich schwächere Spieler mit dem deprimierenden Gedanken befassen vielleicht kein oder wenig schachliches Talent zu besitzen? Oder kann man doch durch eisernen Willen und Fleiß sein Potential erheblich steigern?

Fragen über Fragen für den lernwilligen Schachspieler der sich im Spiel verbessern will. Jacob Aagaard verspricht am Anfang des Buches: „Manche rechnen besser und schneller als andere; nicht weil sie ein gottgegebenes Talent, sondern weil sie die notwendigen Techniken dazu erlernt haben. Sie können die auch erlernen“!

Das vorliegende Werk unternimmt den Versuch, dem Leser die wichtigsten Techniken der Kalkulation näher zubringen, Varianten effektiver zu berechnen und so mehr Berechnungskraft zu entwickeln. Vor der Ermittlung so genannter „Kandidatenzüge“ (der am Zuge befindliche Spieler sucht zwei bis drei seiner Ansicht nach gute Züge und analysiert sie) steht noch etwas anderes. Wie kann ich gute Züge auswählen wenn ich nicht weiß, welches die wirklich guten Züge sind?

Aagaard beginnt dementsprechend sein erstes Kapitel mit der Aussage: „Bevor Sie denken können, müssen Sie lernen zu sehen“. Eine wichtige Grundvoraussetzung für das Auffinden der Kandidatenzüge! In den darauf folgenden Kapiteln wird auf wichtige Techniken der Variantenberechnung näher eingegangen. Darunter unter anderem, Visualisierung und Meilensteine, undogmatisches Denken und das ändern der Zugreihenfolge. Gewürzt mit vielen persönlichen Gedanken und Anmerkungen (viele Beispiele in dem Buch stammen von Jacob Aagaard selbst) gelingt es dem Autor, die relativ trockene Materie anschauend und lehrreich zu präsentieren. Besonders durch den etwas lockeren Schreibstil liest sich das Werk recht flüssig und unterhaltsam.

Schon beinahe entschuldigend schreibt der Autor in seinem Vorwort: „Wen Analysen schrecken, für den wird das Buch der wahre Horror sein. Aber es ist unmöglich, Taktik zu trainieren, ohne das eine oder andere Mal tiefergreifend zu analysieren, um zum Kern der Stellung vorzudringen“. Es sei ihm verziehen, denn erstens übertreibt Aagaard nicht mit seinen Analysen (sie bleiben wirklich im Rahmen des Üblichen) und zweitens analysiert er nur das für den Lernprozess bedeutsame.

Nach Abschluss der einzelnen Kapitel folgt ein Test mit 100 ausgewählten Stellungen die in verschiedene Kategorien unterteilt sind (Kandidatenzüge, Bauernendspiele, Studien, Kombinationen). Ein abschließendes Bewertungssystem soll dem Leser darüber Aufschluss geben, inwiefern sich seine Rechentechnik verbessert hat (1000 Punkte als Grundlage plus ca.10-15 Punkte je gelösten Test). Somit erhält man am Ende des Tests eine imaginäre ELO-Zahl. „Training ist dazu da, Sie aufzubauen, nicht um Sie fertig zu machen“, nach diesem Prinzip führt der Autor dem Leser verschiedene Stellungen mit steigendem Schwierigkeitsgrad vor, immer mit der Zielsetzung, Training soll motivierend sein und auch Spaß machen.

Das Buch erscheint begleitend zur ChessBase Trainings-CD „Richtig Entscheiden“. Mit vorliegendem Werk hat Jacob Aagaard den lobenswerten Versuch unternommen das schwierige Thema effektive Variantenberechnung genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie er in seinem Vorwort ehrlicherweise erwähnt, gibt es zu diesem Thema bereits eine Reihe guter Bücher und listet diese auch am Anfang auf. Aagaard präsentiert sozusagen bekannte Methoden in neuem Gewand, aus der Sichtweise eines starken Praktikers. Das ist kein Nachteil, denn im Laufe der Zeit verändern sich Ansichten über allgemeingültige Ideen und Theorien. Der Leser wird nach Durcharbeit des Buches feststellen, dass sich seine Herangehensweise an die Variantenberechnung erkennbar verändert hat. Durch die Testreihe am Ende des Buches kann erworbenes Wissen noch einmal vertieft und auch überprüft werden.

Für wen kann das Buch empfohlen werden? Ich bin kein Freund von Aussagen wie: „für Spieler ab einer Zahl von … zu empfehlen“, jeder Mensch ist verschieden und so mancher ist vielleicht mit seiner Zahl unterbewertet. Wer motiviert zur Sache geht und das Buch nicht nur liest sondern auch durcharbeitet wird seinen Nutzen daraus ziehen, ob Anfänger oder Fortgeschrittener.

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, März 2007