The Sharpest Sicilian

von Kiril Georgiev und Atanas Kolev

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Autor: Kiril Georgiev und Atanas Kolev
Titel: The Sharpest Sicilian
ISBN2: 978-9-548782-56-2

Verlag: Chess Stars
272 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2007
Sprache: Englisch

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Zu den Autoren:
Der Ex-Juniorenweltmeister GM Kiril Georgiev (ELO 2661) ist Coach und Spitzenbrett der bulgarischen Nationalmannschaft. GM Atanas Kolev (ELO 2538) ist Coach der bulgarischen Damennationalmannschaft.

Die Najdorfvariante in der Sizilianischen Verteidigung zählt zu den schärfsten und auch erfolgreichsten Erwiderungen auf 1.e4. Großmeister wie Bobby Fischer und Garri Kasparow haben die Najdorfvariante während ihrer gesamten Schachkarriere erfolgreich angewendet und um zahlreiche Ideen bereichert. Im gegenwärtigen Turnierschach ist diese Eröffnung nicht wegzudenken, viele der führenden Großmeister bedienen sich dieser scharfen Waffe.

Das vorliegende Werk hat nach eigenen Angaben der beiden Autoren „das ehrgeizige Ziel, Sie mit einem kompletten Repertoire gegen 1.e4 c5 2.Sf3 zu bewaffnen“. Dazu stellt das Autoren-Team (Kolev ist für die Kapitel 6.Le2, 6.Le3 und 6.a4 verantwortlich, Georgiev für den Rest des Buches) die Najdorfvariante (1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cd: 4.Sd4: Sf6 5.Sc3 a6) vor.

Warum sollte man die Najdorfvariante spielen? Nach Ansicht der Verfasser des Buches ist es nicht verkehrt, wenn Anfänger offene Eröffnungen (1.e4 e5) spielen, doch mit fortschreitender Spielstärke sollte man sich mit anspruchsvolleren Eröffnungen (zum Beispiel Najdorfvariante) auseinandersetzen, wenn man sich verbessern will. Diese Aussage kann ich nicht ganz teilen, es gibt genügend Beispiele, in denen jemand sehr erfolgreich und über einen längeren Zeitraum 1. …e5 gespielt hat oder noch spielt. Mit seinen anderen Argumenten hat Georgiev natürlich recht, wenn er schreibt, dass man Najdorf ein ganzes Leben lang spielen kann und es nie langweilig wird. Gleichzeitig erwähnt er auch, dass die Najdorfvariante nichts für faule Spieler ist, die Theorie entwickelt sich in rasendem Tempo weiter und es ist sehr zeitaufwendig hier Schritt zu halten.

Das zeigt sich vielleicht am besten an folgendem Beispiel: Das Buch ist topaktuell und es wurde wie bereits erwähnt, die aktuelle Theorie bis Februar 2007 berücksichtigt. Beim kurz darauf (März 2007) zu Ende gegangenen Supergroßmeisterturnier in Morelia / Linares (Kategorie 20) wurden 6 Partien mit der Najdorfvariante eröffnet. Keine dieser Partien folgte länger den Analysen dieses Buches, sondern es wurde schon nach ca. zehn Zügen abgewichen!

Das vorgeschlagene Repertoire behandelt alle weißen Antworten auf 5. …a6 und möglichen weißen Abweichungen im 3.Zug (3.Lb5). Beide Autoren haben nach eigenen Angaben 14 Monate an diesem Buch gearbeitet und die aktuelle Theorie bis 10.Februar 2007 berücksichtigt (!). Jedes vorgestellte System ist in 3 Kapiteln unterteilt: Quickrepertoire, Step by Step und Complete Games. Quickrepertoire beinhaltet alle wichtigen Informationen um die Variante spielen zu können, typische Ideen, kritische Positionen und typische Zugfolgen. Step by Step befasst sich hingegen mit der genauen Analyse der Variante. Complete Games stellt ausgewählte Musterpartien vor (ca.10 pro System) die sowohl den letzten Stand der Theorie markieren als auch noch einmal alle typischen Ideen und entstehende Mittelspielstrukturen einprägsam aufzeigen.

Der schriftliche Teil des Buches ist auch ohne großartige Englischkenntnisse einigermaßen verständlich. Lobenswert ist das Vorgehen, den Leser nicht mit Analysen zu erdrücken sondern auch die Ideen lehrreich zu vermitteln und typische Motive zu erklären. Der analytische Teil des Buches ist wie bei jedem Eröffnungsbuch den Gesetzen der Zeit unterworfen. Besonders in scharfen Systemen wie der Najdorfvariante kann das geschriebene Wort nicht mit der aktuellen Entwicklung Schritt halten. Dies kann man aber nicht als Vorwurf ansehen, es liegt eben in der Natur der Sache. Bei der „Vergifteten Bauernvariante“ wird darauf hingewiesen, dass Weiß ein forciertes Remis in diesem Abspiel zur Verfügung hat (insbesondere dann ärgerlich, wenn ein schwächerer Spieler mit Weiß gegen einen stärkeren Spieler diese Variante anwendet). Hier wird für Schwarz eine interessante Alternative angeboten. Ansonsten bieten die umfassenden Analysen einen sehr guten Überblick über den augenblicklichen Stand der Theorie. Das Ende des Buches ziert ein ausführlicher Variantenindex, zu mehr hat es hier leider nicht gereicht, wehmütig denkt man an die Zeit zurück als ein Partienverzeichnis eigentlich Standart bei Schachbüchern war.

Fazit: Das bulgarische GM-Duo bietet mit „The Sharpest Sicilian“ ein komplettes Repertoire anhand der Najdorf-Variante an. Für ambitionierte Fortgeschrittene und Profis, die Najdorf in ihr Repertoire aufnehmen wollen, durchaus zu empfehlen.

 

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

 
Martin Rieger, März 2007