Beating the Open Games

von Mihail Marin

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Autor: Mihail Marin
Titel: Beating the Open Games
ISBN: 91-976004-3-1
ISBN2: 978-91-76004-3-9
Verlag: Quality 288 Seiten
kartoniert, 1. Auflage 2007
Sprache: Englisch

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Haben Sie einfach keine Lust mehr, sich ständig mit neuen Gambits und Ideen gegen Ihre Caro-Kann oder Pirc-Eröffnung herum zu plagen oder wurde Ihre Französische Verteidigung auch mal wieder furchtbar demoliert? Haben Sie es satt, dass Ihre Gegner sich immer besser auf Ihr Skandinavisch einstellen und der Überraschungseffekt einzig und alleine darin besteht, dass Sie den Mut aufbringen es immer noch zu spielen? Liegen Ihnen womöglich die offenen Spiele (1.e4 e5) als Schwarzer mehr als zum Beispiel die komplexen Varianten der sizilianischen Verteidigung? Dann sollten Sie Ihr Augenmerk auf das Werk des mehrfachen rumänischen Landesmeisters GM Mihail Marin (ELO 2549) richten!

Mit diesem Buch stellt GM Marin ein fast komplettes Schwarzrepertoire nach 1.e4 e5 vor. Einzig die spanische Eröffnung, mit Ausnahme der Abtauschvariante, fehlt aus Platzgründen in diesem Buch (Mihail Marin hat diesen Umstand mit seinem Buch „A Spanish Opening Repertoire for Black“, Rechnung getragen). Marin beginnt seine Vorstellung des Schwarzrepertoires mit dem Königsgambit. Gegen das altehrwürdige Gambit empfiehlt er den seltenen Zug 2. …Lc5. Ein Blick in neuere Theoriewerke bestätigt, dass Schwarz mit 2. …Lc5 gegen das Königsgambit keinerlei Schwierigkeiten haben dürfte. Die Mieses-Variante wird auf 12 Seiten ausführlich vorgestellt und erläutert, anschließend folgt eine tabellarische Gesamtübersicht mit Fußnotensystem, mit dessen Hilfe man der jeweiligen Variante nachspüren kann. Auch hier hat Schwarz immer mindestens Ausgleich und ein Blick auf die neuesten Partien bestätigt dies, Schottisch wie auch alle anderen offenen Spiele (außer Spanisch) scheinen derzeit keinen Vorteil zu versprechen. Auch mit den anderen weißen Entgegnungen verhält es sich laut Marin genauso, in keinem der vorgestellten Systeme nach 1.e4 e5 darf Weiß auf irgendeine Form von Vorteil hoffen. Auch seltene Abspiele die heute im internationalen Turnierschach eher nur noch selten anzutreffen sind, werden vorgestellt, besprochen und anschließend sorgfältig analysiert. Deshalb werden in diesem Buch auch unter anderem Mittelgambit, Italienisch, Zweispringerspiel und andere Abspiele ausführlich unter die Lupe genommen. Als Schwarzer hat man mit „Beating the Open Games“ einen zuverlässigen Ratgeber in Fragen der Repertoiregestaltung.

GM Mihail Marin legte besonderes Augenmerk auf gesunde Varianten für Schwarz, die vielleicht nicht gerade sofort einen schwarzen Vorteil für sich beanspruchen, aber die zumindest soliden Ausgleich versprechen. Das ist schon eine ganze Menge hinsichtlich anderer Werke, die dem Leser suggerieren, wie man mit dieser oder jener Eröffnung „gewinnt“. Ich habe verschiedene Abspiele mit den neuesten Partien verglichen und es bestätigte sich nur, was der Autor zuvor auf Papier gebracht hat. Die Analysen und abschließenden Bewertungen der einzelnen Varianten sind stichhaltig und verlässlich, das Werk dürfte als eines der derzeitig aktuellsten Referenzwerke für offene Spiele (außer wie gesagt Spanisch) gelten! Was besonders ins Auge sticht ist die allgemeine Präsentation des dargelegten Materials. Vor jedem Kapitel gibt es eine mehrseitige Einleitung mit geschichtlichem Hintergrund und der Entwicklung der Variante. Dabei gibt der Autor eine Musterzugfolge an und die Erklärungen helfen beim Einstieg in vielleicht fremdes Material. Im Anschluss daran folgt jeweils eine tabellarische Übersicht der einzelnen Züge und möglichen Abweichungen (ähnlich wie bei der Enzyklopädie der Schacheröffnungen). Für den zukünftigen 1.e4 e5 Spieler äußert praktisch, auf jede mögliche weiße Erwiderung findet je er auf einer Seite komprimiert alle wichtigen Zugfolgen und Abweichungen.

Am Ende des Buches findet man noch zwei kommentierte Partien des Autors, in denen er mit Schwarz auf 1.e4 mit dem Zug 1. …e5 entgegnete, es handelt sich hierbei um die Partien Canda-Marin (0-1) und Grigorjan-Marin (remis), beide gespielt auf der Schacholympiade in Turin 2006.

Fazit: Der rumänische Großmeister Mihail Marin legt mit „Beating the Open Games“ ein exzellentes Repertoirebuch für 1.e4 e5 vor. Endlich einmal ein Buch das diesen Titel auch wirklich verdient! Keine großen Versprechungen sondern sachlich nüchterne Analysen in denen der Autor größtmögliche Objektivität walten lässt. Doch nicht nur die umfangreichen Analysen sind es, die das Buch zu etwas besonderem werden lassen, sondern auch die zahlreichen Erklärungen und Hinweise. Das saubere Erscheinungsbild und die gesamte Aufmachung runden den positiven Gesamteindruck ab.

 

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, März 2007