Challenging the Nimzo-Indian

von David Vigorito

 

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Autor: David Vigorito
Titel: Challenging the Nimzo-Indian
ISBN-10: 9197600555
ISBN-13: 978-9197600552
Verlag: Quality

325 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2007
Sprache: Englisch

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Der schwedische Verlag Quality Chess (www.qualitychessbooks.com) ist mittlerweile bekannt für Schachbücher mit sehr hohem qualitativem Anspruch. Qualitativ auf der Höhe ist aber nicht nur die üppige Ausstattung der Bücher (exzellentes Erscheinungsbild, sauberes Schriftbild, ansprechende Titelbilder), sondern auch deren Inhalt. Was nützt die schönste Verpackung wenn es innen etwas mager aussieht? Nicht so hier, der Autor hat in das vorliegende Buch viel wertvolle geistige Arbeit investiert. Bei dem Autor handelt es sich um den amerikanischen IM David Vigorito der mit “ Challenging the Nimzo-Indian“ sein Erstlingswerk vorlegt. Darin analysiert der Autor die Abspiele mit 4.Dc2 gegen Nimzoindisch und alle möglichen Erwiderungen darauf.

Insgesamt 21 Abspiele werden vorgestellt und analysiert, Ausgangspunkt stellt immer der Zug 4.Dc2 dar. Eröffnet wird der Reigen durch die „Endspiel-Variante“: 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.Dc2 0-0 5.a3 Lxc3+ 6.Dxc3 b6 7.Lg5 Lb7 8.f3. Dazu präsentiert Vigorito vier ausgewählte Partien (u.a. Kramnik-Leko, Dortmund 2006) und untersucht diese sehr gewissenhaft und ausführlich auf 12 Seiten. Die Partiebeispiele werden durch viel erklärende Textpassagen aufgelockert, zusätzlich gibt es zu jeder Partie ausreichend Analysen und Varianten, am Ende jeder Partie fasst der Autor noch einmal das Wichtigste zusammen.

In der „Bareev-Variante(4...0-0 5.a3 Lxc3+ 6.Dxc3 b6 7.Lg5 Lb7 8.e3 d6 9.Se2) wird dem Leser u.a. die Partie Kasparow-Grischuk, Retyhmnon 2003 präsentiert. IM Vigorito bezeichnet die „Bareev-Variante“ als erste Wahl für Weiß gegen 4…0-0 und stellt fest, dass Schwarz keinen leichten Stand hat, von Ausgleich ganz zu schweigen.

Im darauf folgenden Kapitel über die „Sokolov-Variante(4...0-0 5.a3 Lxc3+ 6.Dxc3 b6 7.Lg5 Lb7 8.Sf3) schreibt der Autor: „Während dieses System Weiß wahrscheinlich nicht viele Chance gibt einen Vorteil zu erreichen, sind die Positionen die entstehen, fast immer interessant. Ich würde diese Variante nur als Überraschungswaffe einsetzen oder in Partien, die ich unbedingt gewinnen muss“. Dazu gibt es wieder instruktive Partiebeispiele (z.B., Topalov-Leko, Linares 2006) und wertvolle Anregungen und hilfreiche Erklärungen zur vorgestellten Variante.

In der „Modernen“ Variante (4...d5 5.a3 Lxc3+ 6.Dxc3 Se4 7.Dc2 c5) wird unter anderem das hochinteressante theoretische Duell Van Wely- Antonio, Turin 2006, vorgestellt:

Van Wely,L (2655) - Antonio,R (2539) [E37] Turin ITA (11), 02.06.2006 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.Dc2 d5 5.a3 Lxc3+ 6.Dxc3 Se4 7.Dc2 c5 8.dxc5 Sc6 9.cxd5 exd5 10.Sf3 Lf5 11.b4 d4 12.g4 Lg6 13.Dc4 d3 (wurde von Anand in die Praxis eingeführt um die Variante am Leben zu erhalten) 14.Lg2 Df6 15.Ta2 Se5 16.g5! (VanWely´s Neuerung die am PC gefunden wurde und gleichzeitig letzter Stand der Theorie) Sxc4 17.gxf6 Sc3 18.fxg7 Tg8 19.Ta1 0-0-0 20.Lh3+ Kb8 21.Lf4+ Ka8 22.Tc1 dxe2 23.Txc3 1-0

Vigorito analysiert im Anschluss als Alternative für Schwarz folgende Variante: 19…Le4 20.exd 0-0-0 21.Lh3 f5 22.Sd2 Td3: 23.f3 Sxd2 24.Lxd2 Txg7 25. Lxc3 Txc3 26.fxe4 Txh3 27.exf5 Tg2 mit genügend aktivem Spiel für Schwarz.

Insgesamt werden in diesem Buch 80 thematische Partien analysiert und auf diese Grundlage baut Vigorito sein „Challenging the Nimzo-Indian“ auf. Zu jeder wichtigen Variante werden Musterpartien gezeigt und die wichtigsten Abspiele dazu unter die Lupe genommen. Die Beispiele sind alle recht aktuell, hier wurde viel Mühe darauf verwendet, wirklich auf dem neuesten Stand der Theorie zu sein. David Vigorito hat sämtliche angegebenen Varianten auch mit Computerunterstützung überprüft (hier kamen Rybka und Fritz zum Einsatz) und so kann sich der Leser sicher sein, das keine der Varianten ein dickes Loch hat. Der Variantenindex am Ende des Buches nimmt 16 Seiten in Anspruch und gliedert sich in sämtliche Untervarianten auf. Dabei steht am Ende jeder Variante ein Bewertungssymbol und auch die Seitenzahl, auf der das Abspiel analysiert wird, so findet man schnell das Gesuchte und erhält nebenbei noch einen guten Überblick über zuvor besprochenes. Der einzige kleine Kritikpunkt betrifft wieder einmal das fehlende Partien-Verzeichniss, soll aber eher eine Anregung für zukünftige Publikationen sein.

Fazit:

David Vigorito gelang mit seinem Erstlingswerk ein gelungener Einstand als Schachbuchautor. „Challenging the Nimzoindian“ gibt dem Leser einen wichtigen Einblick in die 4.Dc2 Varianten gegen Nimzoindisch. Ein vorbildliches Werk aus dem Quality Chess Verlag das sich nahtlos in die Reihe von qualitativ hochwertigen Büchern einfügt. Uneingeschränkt zu empfehlen.

 

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, März 2007