Fritz Trainer Eröffnung

Gisbert Jacoby: Eröffnungsstrategie 2 - DVD

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Autor: Gisbert Jacoby
Verlag: ChessBase
Erscheinungsjahr: 2007
ISBN: 978-3-86681-019-8
Sprache: Deutsch
Medium: DVD-ROM DVD-Box,
1. Auflage 2007.

 

Systemvoraussetzung: Pentium-Prozessor ab 300 MHz oder höher und 64 MB RAM Windows 98 SE, Windows 2000 oder Windows XP Windows Media Player 9.0 DVD Laufwerk.

 

Stundenlanges Auswendiglernen von Eröffnungsvarianten hat schon so manchem Schachfreund den Spaß am Schach geraubt. Die heutige Informationsflut und die riesige Menge an frei verfügbarem Wissen machen es dem armen Schachfreund nicht gerade einfacher, ein pflegeleichtes unkompliziertes Eröffnungsrepertoire auf die Beine zu stellen. Früher konnte man seinen Gegner vielleicht noch mit diversen Gambits in der Eröffnung überraschen, heute zeigen gigantische Datenbanken auf Knopfdruck die richtige Erwiderung an und zusätzlich wird die statistische Gewinnwahrscheinlichkeit gleich mitgeliefert. Und hier beginnt das Dilemma, entweder ist man gezwungen stundenlang Varianten büffeln um einen Erfolg zu erzielen oder man weicht auf pflegeleichtere Systeme aus, die keinen so großen Erfolg versprechen.

Der langjährige Trainer der Hamburger Bundesliga-Mannschaft und Sekundant Robert Hübners bei dem Kandidatenfinale gegen Viktor Kortschnoj 1980 in Meran und dem Kandidatenwettkampf gegen Vassily Smyslov 1983 in Velden, Gisbert Jacoby, zeigt auf vorliegender Trainings-DVD den intelligenten Weg zum Eröffnungsstudium ohne stundenlanges Variantenbüffeln.

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Wie kann ich Eröffnungen lernen ohne stundenlanges Auswendiglernen? Den Weg den Jacoby hier beschreitet, ist so einleuchtend wie auch logisch, Eröffnungsmuster lautet das Zauberwort! Was ist darunter zu verstehen?

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Vorliegende Stellung entstand aus der so genannten Rubinstein-Variante der Französischen Eröffnung (1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3/d2 dxe4 4.Sxe4). Weiß hat einen Bauern und eine Figur günstig im Zentrum postieren können, Schwarz hingegen plant, sich mit Sf6/Le7 nebst Ld7 oder b6/Lb7 zu entwickeln. In der Partie Bronstein-Kan (Moskau 1947), entstand aus dieser Eröffnung folgende Stellung:

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Weiß ist am Zug und spielte nun Se5! mit der Idee f4/g4/g5 und Angriff am Königsflügel. Behalten wir nun dieses Muster im Gedächtnis und sehen uns kurz folgende Stellung an:

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Diese Stellung hat Ähnlichkeit mit der Anfangs besprochenen Rubinstein-Variante, nur mit dem Unterschied, dass hier der c-Bauer statt des e-Bauern ein Feld vorgerückt ist. Ansonsten ist alles wie gehabt, weißer Bauer auf d4 plus Springer auf e4. Diese Stellung entsteht aus der Caro-Kann Verteidigung (1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3/d2 dxe4 4.Sxe4). Jacoby zeigt anhand der Partie Hübner-Kortschnoj (Meran 1980), wie sich das Angriffsmuster aus der Rubinstein-Variante auch auf die Caro-Kann Verteidigung übertragen lässt. Nach den weitern Zügen 4…Lf5 5.Sg3 Lg6 6.h4 h6 7.Sf3 Sd7 8.h5 Lh7 9.Ld3 Lxd3 10.Dxd3 Dc7 11.Ld2 Sgf6 12.0-0-0 e6 13.Se4 Le7 14.Kb1 c5 15.Sxf6+ Sxf6 16.dxc5 Lxc5 17.De2 0-0 setzte Weiß wie fort? Durch das vorangegangene Beispiel der Partie Bronstein-Kan dürfte hier der richtige Zug kein Problem darstellen.

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Analog zur Bronstein-Partie folgte hier das bereits bekannte Angriffsmuster Se5/f4/g4 mit Angriff: 18.Se5 Tfd8 19.f4 Tac8 20.g4 Lb6 21.Lc1 Sd7 22.Sxd7 [22.g5! Sxe5 23.Txd8+ Txd8 24.fxe5 hxg5 25.Lxg5] 22...Txd7 23.g5 Txd1 24.Txd1 Dc4 25.Td3 hxg5 26.fxg5 e5 27.g6 fxg6 28.hxg6 Tc6 29.Dg2 e4 30.Tg3 Tf6 31.Tg4 De6 32.Txe4+- Txg6 33.De2 Dh3 34.Dc4+ Kf8 35.b3 Tc6 36.La3+ 1-0

Andere Themen die Gisbert Jacoby außerdem noch behandelt, lauten unter anderem „Kampf gegen das ideale Zentrum e4/d4“, „starke Läufer“, „Bauernstrukturen und die daraus resultierende günstigste Aufstellung der Figuren“. Durch Lernen dieser in den Eröffnungen sich ständig wiederholenden Themen, wie auch der eingangs besprochenen Muster, ebnet der Autor dem Lernenden den Weg zu einem intelligenten Eröffnungsstudium. Wenn ich weiß, wie ich Stellungen mit einer Bauernstruktur d4/e5 behandeln muss (kann aus der Vorstoßvariante in Französisch mit 1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 entstehen), so hilft mir dieses Wissen auch in ähnlichen Eröffnungen (zum Beispiel 1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5). Das ist vollkommen einleuchtend und auch logisch. Damit lernt man, die Eröffnung besser zu behandeln und was noch wichtiger ist, auch zu verstehen. Reines Auswendiglernen von Varianten hat immer den Nachteil, dass man zwar die einzelnen Züge kennt aber nicht unbedingt die Idee dahinter versteht. Was wäre, wenn der Gegner von ihren einstudierten Varianten abweicht? In solch einem Fall wünsche ich ihnen viel Glück und die Einsicht, es vielleicht doch einmal mit der Methode von Jacoby zu versuchen.

In insgesamt 44 Videolektionen vermittelt Jacoby mit didaktischem Fingerspitzengefühl wertvolles Wissen, seine über zehnjährige Tätigkeit als Trainer des Hamburger Stützpunktes (die Talentschmiede des Hamburger Jugendschachs aus der unter anderem die Großmeister Matthias Wahls und Karsten Müller entstammen) dürfte ihm dabei von Nutzen gewesen sein.

Fazit: Gisbert Jacobys Eröffnungsstrategie geht den lobenswerten Weg des intelligenten Eröffnungsstudiums. Kein stures Auswendiglernen von Varianten, sondern tiefes Verständnis anhand von bekannten Mustern und Strukturen. Wer Eröffnungen lernen und studieren will wie erfahrene Trainer und Großmeister, sollte Herrn Jacoby zu sich nach Hause einladen, er passt in jedes DVD-Laufwerk :-)

Martin Rieger, April 2007