Alexander Khalifman,

Opening for White according to Anand - Vol. 9

 

anand.jpgAutor: Alexander Khalifman
Titel: Opening for White according to Anand - Vol. 9

ISBN2: 978-954-8782-54-8
Verlag: Chess Stars
274 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2007
Sprache: Englisch

Erhältlich bei Schach Niggemann


Genauso zahlreich wie Repertoirebücher auf dem Markt vertreten sind, so unterschiedlich ist deren Qualität. Mittlerweile gibt es für jede Eröffnung einen Ratgeber in Buchform der die Vorzüge anpreist und dem Leser das „optimale“ Repertoire vorschlägt. Selbstverständlich sind solche Bücher immer mit Vorsicht zu genießen, denn zwangsläufig ergibt sich hier ein Widerspruch. Es kann keine weiße Wunderwaffe 1.e4 geben und gleichzeitig ein optimales System gegen 1.e4. An irgendeiner Stelle muss jeder Schachspieler gegen sein eigenes Repertoire spielen. Angenommen, jemand eröffnet immer mit 1.e4 und spielt gegen Französisch die Vorstoßvariante und als Schwarzer auf 1.e4 selbst Französisch, so muss er sich also mit der Vorstoßvariante auch aus schwarzer Sicht beschäftigen. Deshalb ist es umso erfreulicher, wenn es auch Repertoirebücher gibt, die objektiv die zu behandelten Systeme beleuchten und präsentieren. Ein solches Buch ist „Opening for White according to Anand - Vol. 9” von Ex-Weltmeister Alexander Khalifman.

Das Weiß-Eröffnungsrepertoire anhand von Anands Partien mit 1.e4 geht mittlerweile in die neunte Runde. Bisher wurden Systeme gegen alle möglichen schwarzen Antworten auf 1.e4 abgehandelt. Die Bände 8, 9 und 10 werden Sizilianisch zum Thema haben und hier zeigt sich bereits die Tiefe und Variantenfülle, mit der diese Serie von Büchern Anands Repertoire mit 1.e4 präsentiert.

In vorliegendem Werk werden die Löwenthalvariante (1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 und nun entweder 4...Sxd4; 4...a6; 4...d5; 4...Db6 oder 4...e5 5.Sb5 a6/d6), die Vierspringervariante (1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 e6 5.Sc3 mit nachfolgendem 5...d5; 5...Lc5; 5...Db6; 5...Lb4; 5...Sxd4; 5...d6; 5…a6 und 5…Sf6 6.Sdb5 Lb4/a6/Lc5) und das Paulsensystem (1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 e6 5.Sc3 Dc7 6.Le3 Sf6/a6) behandelt.

Die vorgestellten Varianten und Systeme werden hier mit einer noch nie da gewesenen Akkuratesse und einer Tiefe analysiert die mir persönlich den Atem raubt. Dort wo früher die Bewertungen lapidar mit unklar endeten, beginnen bei Khalifman erst die Varianten. Der Autor hat sehr viel eigene Analysen und Ideen in das Buch einfließen lassen und dies spürt man auch auf jeder einzelnen Seite. Khalifmans Werk ist kein Repertoirebuch a´la so gewinnt man gegen dies und das, sondern vielmehr der gelungene Versuch, die vorgestellten Systeme aus weißer Sicht so gründlich und genau zu untersuchen wie eben nur möglich. Daraus ergibt sich die zwingende Konsequenz, auch Nebenvarianten vorzustellen die vielleicht nie aufs Brett kommen aber doch für die Gesamtbewertung wichtig sind.

Wen also ausschweifende Analysen wie zum Beispiel b2b1, 14… etwas abschrecken oder gar langweilen, sollte auf etwas leichtere Kost umsteigen. Alle anderen aber, sei es der gewissenhafte Fernschachspieler oder der ambitionierte Nahschachspieler, werden an den Ausführungen und Erläuterungen eines Weltklassespielers, der aus dem Nähkästchen plaudert, ihre wahre Freude haben. Am Ende eines jeden Kapitels wird in einem Fazit noch einmal auf das Wichtigste eingegangen und Grundlegendes zusammengefasst. Ansonsten wurde viel Wert auf erklärende Worte auch zwischen den Analysen gelegt, die dem Leser dabei hilfreich sind im Variantendschungel nicht die Übersicht zu verlieren. Das Buch spiegelt den aktuellen Stand der derzeitigen Theorie zu Sizilianisch (Paulsen, Taimanov, Vierspringer, Kalashnikov, Löwenthal) und obwohl das Buch in Englisch verfasst ist, dürften durchschnittliche Englischkenntnisse hier vollkommen ausreichen. Ein übersichtlicher Variantenindex am Ende des Buches hilft beim Aufspüren von Varianten.

Fazit: Ein Eröffnungsrepertoire in mehreren Teilen, kann das gut gehen? Anfangs war ich etwas skeptisch, ob solch eines Unterfangens, das schon fast epische Ausmaße erreicht hat. Doch ich wurde eines Besseren belehrt! Das Konzept kann überzeugen durch Analysen die derzeit ihresgleichen suchen und die viel von dem Preis geben, was Großmeister allzu oft gerne verschweigen. Eine Buchreihe, die mittlerweile auch bei einigen Großmeistern zu ständigen Turnierbegleitern zählt, braucht keine Werbung. Qualität und Quantität vereinen sich hier zu einem Schachbuch, das zukünftig in diesem Bereich als Referenz gelten wird.

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, April 2007