Alik Gershon, Igor Nor,
San Luis 2005

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Autor: Alik Gershon, Igor Nor,
Titel: San Luis 2005
ISBN2: 978-91-976005-2-1
Verlag: Quality
442 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2007
Sprache: Englisch

Erhältlich bei Schach Niggemann

Was zeichnet ein wirklich gutes Turnierbuch aus?

-ein erstklassiges Teilnehmerfeld,

-spannende und qualitativ hochwertige Partien,

-erstklassige Kommentierung aller Partien,

-spannende Berichte die etwas von der Atmosphäre des Turniers vermitteln,

-einige Fotos, eventuell Interviews,

-hochwertige Verarbeitung des Buches allgemein.

All diese oben aufgeführten Punkte und noch viel mehr bietet das Turnierbuch „San Luis 2005“ von Alik Gershon und Igor Nor. Einmal mehr hat der schwedische Verlag Quality Chess ein Schachbuch veröffentlicht, dass als Vorbild für alle anderen Verlage im Bezug auf Qualität dienen sollte.

Ein kurzer Blick zurück:

5.Oktober 2005, San Luis, Argentinien. Bei der Schachweltmeisterschaft hat der Bulgare Veselin Topalov in der soeben beendeten 7.Runde den Usbeken Kashimdzanov in 73 Zügen niedergerungen. Somit führt Topalov mit 6,5 aus 7 möglichen Punkten und baut seinen Vorsprung gegenüber den Konkurrenten um volle zwei Zähler aus. Die Art und Weise wie Topalov bisher mit seinen Gegner umgesprungen ist, erinnert unwillkürlich an solche Leistungen wie von Aljechin in San Remo 1930, Bobby Fischer 1970 in Palma de Mallorca, Gary Kasparow 1989 in Tilburg oder Anatoli Karpow 1994 in Linares. Topalov wird das Turnier später als neuer Weltmeister mit 10/14 abschließen und als dritter Mensch überhaupt nach Kramnik und Kasparow eine ELO-Zahl von über 2800 erreichen.

Das opulente Turnierbuch „San Luis 2005“ erzählt von den Geschehnissen, die sich rund um das WM-Turnier 2005 in Argentinien zugetragen haben. Hauptakteure dieses Superturniers waren die Weltklasse-Großmeister Topalov, Anand, Leko, Swidler, Adams, Morozevich, Kashimdzanov und Judith Polgar als einzige Frau im Teilnehmerfeld. Sämtliche Partien waren hart umkämpft und das zeigt sich auch daran, dass nur 3 von den gespielten 56 Partien unter 20 Zügen endeten. Den 24 Partien in dem eine Seite den vollen Punkt einfahren konnte stehen 32 Remispartien gegenüber die teilweise bis zum 97.Zug ausgekämpft wurden (Runde 2, Topalov-Anand).

In San Luis wurden so manche Schachkunstwerke produziert, unter anderem auch folgendes indisches Juwel:

Anand,V (2788) - Adams,M (2719) [C92] WCC San Luis (3), 30.09.2005 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 d6 8.c3 0-0 9.h3 Lb7 10.d4 Te8 11.Sbd2 Lf8 12.a4 h6 13.Lc2 exd4 14.cxd4 Sb4 15.Lb1 c5 16.d5 Sd7 17.Ta3 c4 18.axb5 axb5 19.Sd4 Db6 20.Sf5 Se5 21.Tg3 g6 22.Sf3 Sed3 23.Dd2!!?

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Lxd5 24.Sxh6+ Lxh6 25.Dxh6 Dxf2+ 26.Kh2 Sxe1 27.Sh4 Sed3 28.Sxg6 Dxg3+ 29.Kxg3 fxg6 30.Dxg6+ Kf8 31.Df6+ Kg8 32.Lh6 1-0

Auf durchschnittlich 7 Seiten wird jede Partie ausführlich und sachkundig (Alik Gershon ist Großmeister und Igor Nor ein bekannter Schachtrainer) kommentiert mit viel Varianten und noch mehr Text. Vor jeder Runde gibt es einen ausführlichen Bericht über den Verlauf der jeweils aktuellen Runde mit Zwischenstand und Einzelergebnissen. Die zahlreichen Fotos im Buch sind ausnahmslos in Farbe und das gesamte Buch wurde auf Hochglanzpapier gedruckt! So etwas sieht man bei Schachbüchern leider nur selten. Die Vorworte stammen von Veselin Topalov und Nigel Short, in einer spannenden Nachbetrachtung wird auch auf die späteren Anschuldigungen gegen den Sieger des Turniers näher eingegangen.

Fazit: „San Luis 2005“ ist ein Buch, dass immer wieder zum Schmökern und zum Nachspielen der Partien einladet. Auf 442 Seiten wird der Leser Zeuge, wie spannend und kämpferisch es damals zuging. Zahlreiche Farbfotos und die Zwischenberichte vermitteln wunderbar die Atmosphäre des Turniers. Für den dargebotenen Preis wird das Buch sicherlich schnell vergriffen sein. Absolut zu empfehlen.

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, April 2007