Frank Oltman

de la Maza-Training (Aufgaben- u. Lösungsheft) 1000 + 8 Aufgaben

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Autor: Frank Oltman
Titel: de la Maza-Training (Aufgaben- u. Lösungsheft) 1000 + 8 Aufgaben Verlag: Blauer Punkt
ISBN2: 3-937339-28-0
146 Seiten, geheftet, 1. Auflage 2007
Sprache: Deutsch
Erhältlich bei Schach Niggemann

Im Jahre 2002 veröffentlichte der amerikanische Amateur Michael de la Maza sein Buch „Rapid Chess Improvement – a study plan for adult players“ (London 2002, Everyman Chess Verlag). Diesem Buch war schon im Jahr zuvor ein Artikel auf der Webseite von chesscafe.com vorangegangen mit dem Titel „400 Points in 400 Days“. Michael teilte das Los vieler erwachsener Schachfreunde, die spät, oft viel zu spät zum Schachspiel gefunden haben. Sie haben psychologisch wie organisatorisch einen schweren Stand, denn Schachvereine sind meistens – wenn überhaupt – nur auf Anfängertraining mit Kindern und heranwachsenden eingestellt, nicht jedoch auf erwachsene Anfänger. Diese müssen entweder hoffen, eine mitleidige Seele zu finden, die ihnen mit Erklärungen und Empfehlungen weiterhilft. Andernfalls bleibt nur das Selbststudium aus Büchern. Aber leider gibt es generell nicht viele brauchbare Bücher für „Fortgeschrittene Anfänger“, geschweige denn für Erwachsene in dieser Stärkekategorie: Michael hatte schon vieles probiert, Bücher, Lektionen von Profitrainern, auch von Großmeistern, und war ein rechter Patzer geblieben, wie er selbstkritisch zu Beginn von Buch und Artikel ausführte und belegte.

Aus seinen Erfahrungen und Fehlversuchen heraus hat er ein Trainingsprogramm für Taktik erarbeitet, dass sehr Erfolg versprechend ist, aber leider auch einen immensen Zeit- und Arbeitsaufwand erfordert. 1000 Aufgaben, beginnend mit sehr einfachen 1- bis 2-zügigen Matts bis hin zu sehr komplexen 7- bis 8 zügigen Aufgaben, soll der Kandidat sieben Mal in immer kürzerer Zeit durcharbeiten und zu lösen versuchen. Michael nennt dies „Die sieben Zirkel“. Frank Oltman hat das de la Maza-Training etwas abgeändert. Dazu schreibt er folgendes: „Wenn schon die Menge von 1000 Aufgaben erschreckend groß ist, so wirkt die siebenfache Lösung natürlich noch weitaus erschreckender. Man sollte jedoch nicht gleich – wie dies viele Schachfreunde leider nur zu oft tun – die Sache nicht als unzumutbar und unpraktikabel ablehnen, sondern versuchen, durch eine Anpassung an die eigenen Möglichkeiten das Beste daraus zu übernehmen“. Nach Meinung des Autors scheint eine dreimalige Wiederholung der Aufgaben vollkommen ausreichend. Außerdem hat Oltman nach eigenen Angaben versucht, den Schwierigkeitsgrad allmählich zu steigern mit dem Ziel, die Fähigkeit längere Varianten zu berechnen bzw. mehr Nebenvarianten zu kalkulieren.

Ehrlicherweise schreibt der Autor, für wen dieses Buch nach seiner Meinung geeignet oder weniger geeignet ist: Nicht geeignet für - Anfänger, denn es würde sie überfordern. - Schachfreunde, die kommentierte Lösungen mit zusätzlichen Hinweisen bevorzugen. Geeignet für -Klubspieler unter DWZ 1500, aber auch für engagierte Hobbyspieler.

Warum ist Taktik so wichtig für den Schacherfolg? Wissen über Taktik und erkennen taktischer Möglichkeiten zielt in zwei Richtungen. Zum einen hilft uns Taktik, vorteilhafte Varianten und Kombinationen zu erkennen und damit zu gewinnen. Zum anderen können wir durch solches Wissen Angriffe des Gegners voraussehen und so besser abwehren. Das ist für unerfahrene Spieler ganz besonders wichtig, denn für diesen Spielerkreis ist es zunächst einmal erforderlich, nicht zu verlieren als selber Gewinnchancen herauszuarbeiten. Dies betonte auch Michael de la Maza, denn sein Problem war vor allem, dass er immer wieder seine Partien durch taktische Überseher verlor. Das intensive Training gab ihm die Sicherheit, solche Reinfälle weitgehend zu vermeiden. Taktik taucht in allen Phasen der Partie auf. Auch im Endspiel wimmelt es von taktischen Situationen. Mit der Taktik und der mit ihr verbundenen Technik sind oft komplette Pläne zur Fortsetzung der Partie verbunden. Wer sich auskennt, weiß auch ohne langes Nachdenken, wie er zu verfahren hat, gewinnt damit Sicherheit und spart Bedenkzeit.

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Das Trainingsprogramm besteht also aus 1008 Aufgaben, die drei Mal durchgearbeitet werden sollen, möglichst im Abstand von nur wenigen Wochen. Nach jeder gelösten Aufgabe sollte der Leser die Lösung überprüfen. Für keine Lösung der ersten ca. 500 Aufgaben sollte man länger als 5 Minuten verwenden, für die zweite, meist schwerere Hälfte der Aufgaben sollte man nicht länger als 10 Minuten aufwenden. Beim zweiten und dritten Durchgang sollten sich die Lösungszeiten deutlich verkürzen.

Nach Durchsicht der Aufgaben glaube ich persönlich, dass auch Spieler über 1500 DWZ an der einen oder anderen Stellung zu knabbern haben. Selbstverständlich eignet sich der Trainingskurs also auch für Stärkere und wenn es nur um Auffrischung von vorhandenem Wissen geht. Eine Garantie dafür, dass man nach den 1008 Aufgaben plötzlich zum Taktikgenie mutiert, kann nicht gegeben werden, eine gewisse Steigerung der Spielstärke sollte aber doch möglich sein. Ich persönlich halte diesen Taktikkurs für recht wertvoll denn sämtliche taktische Motive und Kombinationsmotive werden behandelt und der Schwierigkeitsgrad steigert sich langsam aber kontinuierlich. Das de la Maza-Training kann natürlich auch für Schachtrainer eine wertvolle Materialsammlung darstellen.

Aber was ist nun eigentlich aus de la Maza geworden? Zu Beginn seines Programms lag er bei 1321 USCF (amerikanische Wertungszahl die ungefähr 1100 DWZ entspricht), nach einem Jahr auf 1756 und nach 2 Jahren auf 2041.

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Mai 2007