Efstratios Grivas,

Modern Chess Planning

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Autor: Efstratios Grivas
Titel: Modern Chess Planning
Verlag: Gambit
ISBN: 1-904600-68-9
ISBN2: 978-1-904600-68-8
144 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2007
Sprache: Englisch

Erhältlich bei Schach Niggeman



Zum Autor:

Efstratios Grivas ist ein griechischer GM (ELO 2510) der mit vorliegendem Werk bereits sein sechstes Buch im Gambit Verlag veröffentlicht (unter anderem bisher erschienen „50 Essential Chess Lessons“, „Chess College“ und „Beating the Fianchetto Defence“).

Inhalt:

Grivas stellt in seinem neuesten Werk 75 ausgewählte Meisterpartien vor, die dem Lernenden helfen sollen, in eigenen Partien den richtigen Plan zu fassen. Die Partiebeispiele reichen von 1962 bis 2006, unter den beteiligten Spielern finden sich solch illustre Namen wie Anatoli Karpow, Garri Kasparow oder auch Veselin Topalov. Um den 20.Zug herum wird die entstandene Stellung besprochen und grob eingeschätzt, anschließend werden dem Leser drei verschiedene Pläne vorgestellt und erläutert. Aus diesen drei Plänen kann man nun den seiner Meinung nach richtigen Plan auswählen. Im Lösungsteil werden jeweils alle drei Pläne z.T. ausführlich besprochen und anhand eines Punktesystems wird der Leser für den richtigen Plan mit der höchsten Punkteanzahl belohnt, für teilweise richtige oder auch falsche Pläne gibt es dann natürlich weniger oder gar keine Punkte. Am Ende des Buches werden die erreichten Punkte addiert und geben Auskunft darüber, ob ich die Spielstärke eines Großmeisters oder eines Patzers habe. Da das Buch in Englisch verfasst ist und die jeweiligen Erläuterungen teilweise recht ausführlich sind, sollte der Leser doch über fortgeschrittene Englischkenntnisse verfügen. Ein Spieler- und Partienindex sowie eine Übersicht der gespielten Eröffnungen schließen das Buch ab.

Fazit:

„Modern Chess Planning” hat viele Vorgänger, der bekannteste dürfte Daniel Kings Rubrik „Test und Training“ (Schach-Magazin 64) sein. Hier wie dort werden instruktive und lehrreiche Partien präsentiert die der Leser erfolgreich weiterführen soll, bei Daniel King waren es einzelne Züge, bei Grivas sind es ganze Pläne die es zu erforschen gilt.

Das Buch wendet sich nach eigenen Angaben an einen Spielerkreis zwischen 1500-2200 DWZ, wobei mir persönlich die Differenz von 700 Punkten etwas zu weit gegriffen scheint. Die aufgeführten Stellungen sind recht anspruchsvoll und gewiss nicht dafür geeignet, einen Spieler mit 1500 DWZ vor die Wahl zu stellen, den richtigen Plan zu finden. Dies wäre nur dann der Fall, wenn auch bei der Lösung detailliert auf die verschiedenen Möglichkeiten eingegangen wäre. Aber wo ist der Lerneffekt wenn ich eine gewisse Zeit über einer Stellung brüte und überlege, welcher der drei vorgestellten Pläne der richtige sein könnte, um anschließend im Lösungsteil erstaunt zu erfahren, dass „mein Plan“ 0 Punkte bringt weil „dieser Plan keine grundlegende Logik besitzt und sicher die schlechteste Wahl ist“ ? Oder was bringt mir „Plan A und B sind schlecht wegen …, deswegen muss Plan C richtig sein“?

Es gibt auch Beispiele in denen der Autor sich richtig ins Zeug wirft um jeden der drei Pläne mustergültig zu sezieren und für den Amateur begreiflich zu machen, doch leider nicht längst bei allen. Bei vielen Stellungen setzt die Suche nach dem richtigen Plan bereits um den 12.Zug ein, also unmittelbar nach der Eröffnung. Es ist natürlich schwierig, z.B. als eingefleischter 1.d4 Spieler eine Sizilianisch-Stellung nach dem siebten Zug von Schwarz richtig zu bewerten und auch den richtigen Plan für Weiß zu finden. Hier geht es dann nicht mehr um einen eventuellen Lerneffekt sondern eher um eine Lotterie mit einer 33,33 % Chance auf die volle Punktanzahl.

Ich hätte es begrüßt, wenn der Autor seinen Lösungsteil etwas ausführlicher besprochen hätte, vor allem warum dieser oder jener Plan weniger geeignet ist, das hätte dem 144-seitigen Buch sicher gut getan, genauso wäre es vorteilhaft gewesen, dem Leser ausschließlich Stellungen aus dem Mittelspiel vorzusetzen. So aber quält man sich durch die 75 Partien um die richtigen Pläne zu erraten um am Ende deprimiert festzustellen, dass man im besten Fall eben doch nur ein „Good Club Player“ ist.

Spieler jenseits von 2000 DWZ werden sicherlich die eine oder andere wichtige Erkenntnis aus diesem Buch ziehen können, hier und da wird es wirklich lehrreich, besonders wenn es um Stellungen geht, die sich bereits im tiefsten Mittelspiel oder im Übergang zum Endspiel befinden, leider kann man aber diese Beispiele an beiden Händen abzählen.

Efstratios Grivas hat schon einige gute Bücher abgeliefert, mit vorliegendem Werk aber hat er sich sicherlich nicht mit Ruhm bekleckert. Leider kann ich das Buch nur bedingt empfehlen aus oben genannten Gründen.

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Mai 2007