Chris Ward,

Nimzo-Indische Geheimnisse

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Verlag: Everyman
ISBN2: 978-3-932338-07-2
204 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2007
Sprache: Deutsch

Erhältlich bei Schach Niggemann

Chris Ward, seines Zeichens britischer Großmeister, führt den Leser mit vorgestelltem Buch hinter die Geheimnisse der Nimzo-Indischen Verteidigung. In 12 Kapiteln nimmt er den Leser mit auf die abenteuerliche Reise durch ein Eröffnungssystem das schon Spieler wie Karpow, Kasparow oder Fischer in seinen Bann gezogen hat.

Der erste Halt auf dieser Reise wird bei Rubinstein und seinem Zug 4.e3 gemacht. Weiter geht es zu der Klassischen Variante über 4.Sf3 bis hin zu der Sämischvariante. Endstation der Nimzo-Indischen Expedition ist die Leningrader-Variante 4.Lg5. Der Autor erklärt die wichtigsten Pläne und Strategien um Nimzo-Indisch erfolgreich in der Praxis anzuwenden, auch die 58 Beispielpartien tragen zum besseren Verständnis der richtigen Spielweise bei. Immer wieder tauchen im Buch wichtige Hinweise, Warnungen und Tipps auf, die (fett gedruckt) den Leser ab und zu wachrütteln und signalisieren: „Pass auf, das hier ist ein wichtiger Moment, vergiss das nicht!“

Sehr gut finde ich die Einleitung vor jedem Kapitel die den Leser mit dem Grundgedanken und den Plänen vertraut macht. Anschließend folgen anschauliche Beispielpartien und dazwischen immer wieder die fett gedruckten Hinweise. Lange Theorievarianten im Informatorstil wird man vergebens suchen, hier geht es mehr um das allgemeine Verständnis. Für ein tiefer gehendes Studium der Nimzo-Indischen Verteidigung sei hier auf andere Publikationen verwiesen.

Ein schönes Beispiel aus dem Buch, wie man Nimzo-Indisch spielen sollte (oder auch nicht): Kasparov,G (2700) - Karpov,A (2720) [E21] Moscow RUS (11), 1985 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.Sf3 0-0 5.Lg5 c5 6.e3 cxd4 7.exd4 h6 8.Lh4 d5 9.Tc1 dxc4 10.Lxc4 Sc6 11.0-0 Le7 12.Te1 b6 13.a3 Lb7 14.Lg3 Tc8 15.La2 Ld6 16.d5 Sxd5 17.Sxd5 Lxg3 18.hxg3 exd5 19.Lxd5 Df6 20.Da4 Tfd8 21.Tcd1 Td7 22.Dg4 Tcd8?? Ein schrecklicher Fehler, nach Zügen wie22...Tdd8; 22...Tdc7 oder 22...Td6 ist noch nichts passiert] 23.Dxd7 Txd7 24.Te8+ Kh7 25.Le4+ 1-0

Was ich nicht ganz verstanden habe ist die Tatsache, dass der Autor von seinen 58 Beispielpartien 31 Weißsiege und 20 Schwarzsiege präsentierte, bei 7 Remisen. Wenn ich ein Buch über eine Eröffnung kaufe, will ich doch normalerweise sehen wie ich damit gewinne, und nicht wie ich damit verliere? Mir ist schon klar das ein Ergebnis einer Partie kein Kriterium für eine Partieauswahl sein sollte, viele gute Partien wurden vielleicht durch grobe Missgeschicke (siehe Beispiel oben) verunstaltet, doch der darin gezeigte Plan ist wertvoll und verdient es vielleicht auch, näher betrachtet zu werden. Aber es gibt genügend andere sehr gute Partien in denen Schwarz gewonnen hat mit Nimzo-Indisch und die darin aufgezeigten Pläne wären genauso wertvoll gewesen!? Oder sollte es gar ein Buch für Schwarz und Weiß sein? Aus dem Titel und dem Inhalt geht es nicht eindeutig hervor; immer noch hege ich den leisen Verdacht, Chris Ward wollte ursprünglich ein Nimzo-Indisch-Buch für Schwarz schreiben und konnte sich aber während der Arbeit nicht mehr für eine Seite entscheiden. Eigentlich ist es ja sogar begrüßenswert wenn beide Seiten objektiv beleuchtet werden, doch dann sollte der Titel solch eines Buches eher den einfallslosen Titel “Nimzo-Indisch für Weiß und Schwarz“ tragen, hört sich leider nur nicht so geheimnisvoll an.

Ansonsten kann ich an dem Buch wirklich nichts bemängeln außer der Tatsache, dass manches doch recht geschwätzig und floskelhaft daherkommt, einige amüsante Beispiele: „Tipp: Achten Sie immer auf Schachgebote!“ (das ist ja interessant), „Läuferzüge rückwärts gelten als schwer zu sehende Züge“(Springerrückzüge auch?), „Im Allgemeinen ist es ratsam, mit den Bauern zum Zentrum hin zu schlagen“(wusste schon mein Opa). Meine beiden persönlichen Favoriten sind aber folgende zwei Weisheiten: „Alle Turm und Bauernendspiele sind Remis!“(und morgen kommt der Osterhase) und als Krönung des Ganzen folgt am Ende des Buches …Hinweis: Eine Niederlage ist keine schöne Sache(das stimmt ausnahmsweise!), Warnung: Verlieren macht keinen Spaß! (Hey, das stimmt schon wieder!), Tipp: Gewinnen Sie!(toller Tipp, vielen Dank auch)

Fazit: Wer sich mit den Grundprinzipien der Nimzo-Indischen Verteidigung vertraut machen will, dem kann das Buch getrost empfohlen werden. Allen anderen die keine Lust auf schlaue Sprüche im Stile von chinesischen Glückskeksen haben, empfehle ich andere Publikationen, zu dem Thema gibt es sicherlich mehr als ein gutes Buch (oder CD).

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Mai 2007