Nigel Davies

Gambiteer I
gambiteer.jpg Sprache: Englisch
Verlag: Everyman
ISBN2: 978-1-85744-516-9 176
Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2007
Erhältlich bei Schach Niggemann
Der Autor Nigel Davies (bekannt für qualitativ hochwertige Bücher und Chessbase-DVD´s) hat mit Gambiteer (eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Begriff Musketeer ist durchaus beabsichtigt) ein Gambit-Repertoirebuch für Weiß vorgelegt das mich sofort begeistert hat.

Davies schlägt für Weiß folgendes Repertoire vor:

-1.e4 c6 2.d4 d5 3.f3 Fantasy-Variation
-1.e4 c5 2.b4 Sizilianisches Flügelgambit
-1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 g6 4.f4 Lg7 5.a3
-1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sc3 Da5 4.Sf3 Sf6 5.b4
-1.e4 e6 2.Sf3 d5 3.e5 c5 4.b4
-1.e4 e5 2.d4 cxd4 3.c3 Danish-Gambit
-1.e4 diverse Systeme (Sc6, usw.)


Solch ein Eröffnungsrepertoire ist natürlich nicht Mainstream und wird eher den Taktiker ansprechen als den Positionsspieler. Doch bevor wir uns der Frage zuwenden, für wen das Buch eigentlich geeignet ist, schauen wir uns einen ganz normalen durchschnittlich begabten Vereinsspieler etwas genauer an: Der betreffende Spieler betreibt Schach als Hobby, vielleicht spielt er auch schon in einer Mannschaft oder in Turnieren regelmäßig um Punkte. Er spielt entweder eher taktisch orientiert oder aber mehr positionell. Sein Eröffnungsrepertoire ist eine chaotische Anhäufung von Zugfolgen die mehr oder weniger unmittelbar während einer Partie erfolgen nachdem er die ihm bekannten ersten paar Züge (meist unter zehn Züge) heruntergespult hat.
Er würde sich ganz bestimmt besser auf zukünftige Gegner vorbereiten, wäre da nicht das Problem der mangelnden Zeit (Familie, Arbeit, sonstige Verpflichtungen) und der mangelnden Motivation (was bringt es letztendlich wenn man sich zum Beispiel auf die Najdorfvariante seines Gegners vorbereitet und wieder einmal verliert, weil er irgendwo zwischen dem 15-20 Zug abweicht und so ihre Vorbereitung für die Katz war?). Das bringt uns zurück zu dem Punkt für wen das Buch geeignet wäre. Das vorgestellte Repertoire bedient sich bei den verschiedensten Gambits gegen mögliche Erwiderungen auf 1.e4. Normalerweise gibt es nach 1.e4 mehr als genügend Theorie zu lernen will man den gängigen Hauptvarianten sklavisch folgen. Doch es geht auch anders! Man kann natürlich über das eine oder andere System verächtlich die Nase rümpfen aber…mit welchem System werden Sie wohl in Ihrer nächsten Vereinsmeisterschaftspartie mehr Erfolg gegen zum Beispiel Französisch haben? Mit den Hauptvarianten 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 usw. die Ihr Gegner bestimmt schon öfters auf dem Brett hatte als Sie, oder vielleicht eher doch mit dem frechen Gambit 1.e4 e6 2.Sf3 d5 3.e5 c5 4.b4?

Wenn sie jetzt denken, ja stimmt, wieso sollte ich Hauptvarianten spielen, die ich erst mühsam erlernen muss um vielleicht nach der Eröffnung minimalen Vorteil zu erzielen? Lieber spiele ich scharfe unternehmungslustige Gambits, bei denen es mehr auf Kreativität als auf Variantenkenntnis ankommt. Dann ist das vorliegende Buch bestimmt etwas für sie! Alle anderen, die lieber solidere aber auch eintönigere Systeme bevorzugen, sollten die Finger von diesem Buch lassen. Aber ganz ehrlich, was macht mehr Spaß? Als kleines Beispiel soll folgendes Beispiel aus dem Buch dienen:

Tate,E (2370) - Chipkin,L (2230) [C00] New York op Newark, 1995
 1.e4 e6 2.Sf3 d5 3.e5 c5 4.b4 cxb4 5.d4 Sc6 6.a3 bxa3 7.c3 Ld7 8.Ld3 Sge7 9.Sg5 Sg6 10.Dh5 Sce7 11.Df3 Sf5 12.Lxf5 exf5 13.Dxd5 De7 14.Dxb7 Tc8 15.h4 Sxe5 16.0-0 Sc6 17.Lxa3 De2 18.Db3 Sd8 19.Ta2 Dc4 20.Te1+ Se6 21.Dxc4 Txc4 22.d5! (siehe Diagramm)
wing-gambit.jpg



























h6 23.dxe6 fxe6 24.Sxe6 Lxa3 25.Sxa3 Te4 26.Sxg7+ Kf7 27.Txe4 fxe4 28.Sc4 1-0

Fazit: Das vorgestellte Eröffnungsrepertoire ist wie geschaffen für jeden Vereinsspieler der nicht viel Zeit hat für Variantenstudium und trotzdem brauchbare Stellungen erreichen will. Man sollte keine Wunder erwarten, das kann keine Eröffnung, aber was sie erwarten sollten und auch können, ist folgendes: spannende und interessante Eröffnungen, scharfe Stellungen bei denen das Brett in Flammen steht und was das Wichtigste ist, Spaß, Spaß und nochmals Spaß! Für jeden Schach-Gambiteer (oder auch Musketeer) unbedingt zu empfehlen!

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Juni 2007