John Cox

Sicilian Sveshnikov
cox.jpg Sprache: Englisch
Verlag: Everyman
ISBN2: 978-1-85744-431-5
272 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2007
Erhältlich bei Schach Niggemann
Bisher sind die Bücher der „Starting out“ Reihe des Everyman Chess Verlag in meinen bisherigen Rezensionen nicht besonders gut weggekommen, ganz im Gegensatz zu anderen Publikationen des gleichen Verlages. Also machte ich mich sofort daran, Punkte die mir in der Vergangenheit negativ aufgefallen waren, zu überprüfen.

Dazu vielleicht noch eine Erklärung von meiner Seite. Als Rezensent versucht man immer, objektiv über Vor- und Nachteile des betreffenden Produkts zu schreiben. Selbstverständlich gelingt dies nicht immer, jeder Rezensent hat seinen eigenen Geschmack, der eine ist eher kritisch eingestellt, der andere wiederum eher wohlwollend gegenüber manchen Werken. Als Schreiber hat man eine besondere Verantwortung gegenüber Verlag, Händler und Autor, aber in erster Linie dem Leser! Dieser Leser ist ein potentieller Käufer und hat das Recht darauf, so objektiv wie möglich über das Produkt informiert zu werden, schließlich ist er es, der letztendlich dafür sein Geld ausgibt. Und so versuche ich immer Produkte so zu rezensieren als wenn ich sie selbst gekauft hätte und mich darüber danach entweder geärgert oder gefreut hätte (oder beides!).

Doch zurück zu dem Buch. In der Vergangenheit hatte ich folgendes in anderen Werken kritisiert:
- stilblütenartige Fabulierungen als gut gemeinte Ratschläge,
- mangelnde Objektivität,
- schwer nachvollziehbare Partienauswahl.

Der Autor, IM John Cox, verzichtet dankenswerter Weise auf platte Ratschläge und gibt stattdessen brauchbare strategische als auch taktische Hinweise zur jeweiligen Stellung. Genau so hätte ich es mir auch in den anderen Büchern gewünscht, kurze aber präzise Hinweise die sich (fettgedruckt) der Leser gut einprägen kann. Sehr positiv!

Der zweite Punkt betrifft die theoretische Zuverlässigkeit und die Objektivität. Ich habe die Varianten und Analysen aus dem Buch mit vorhandenen Publikationen (Megabase, Enzyklopädie, Informator, neueste Partien) zu diesem Thema verglichen und muss sagen, meine Erwartungen wurden übertroffen! Sehr oft gehen die Buchanalysen noch ein ganzes Stück weiter als bekannte Analysen und der Autor hat anscheinend hier ganze Arbeit geleistet. Es würde sicherlich den Rahmen hier sprengen um aussagekräftige Beispiele zu zitieren doch es reicht schon der Blick ins Partienverzeichnis um festzustellen, dass sehr viele Partien brandaktuell sind (und somit auch die Analysen und Varianten).

Ein aktuelles Beispiel aus dem Buch:
Smeets,J (2550) - Carlsen,M (2625) [B33] Corus-B Wijk aan Zee (2), 15.01.2006 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5 6.Sdb5 d6 7.Lg5 a6 8.Sa3 b5 9.Sd5 Le7 10.Lxf6 Lxf6 11.c3 Lg5 12.Sc2 Se7 13.Scb4 0-0 14.a4 bxa4 15.Txa4 a5 16.Sxe7+ Dxe7 17.Lc4 Ld7 18.Sd5 De8 19.Ta2 Ld8 20.0-0 Tc8 21.Lb3 Tb8 22.Dc2 Kh8 23.Tfa1 f5 24.La4 Lxa4 25.Txa4 fxe4 26.T4a2 Df7 27.c4 Tb3 28.Te1 Lh4 29.g3 Tf3!! 30.b3 Ld8 31.Txe4 h5 32.Te2 h4 33.Tb2 g6 34.Kg2 hxg3 35.hxg3 Txg3+ 36.Kf1 Df3 37.De4 Dh5 38.Se3 Lg5 39.Ke1 Tgf3 40.Sf1 Lc1 41.Ta2 Txb3 42.Sg3 Dh6 43.Dg4 Txg3 44.Dxg3 Dh1+ 0-1
Damit sind wir beim dritten Punkt, der Partienauswahl. Mehr als die Hälfte der Partien stammen aus den letzen beiden Jahren und nur fünf Partien wurden vor dem Jahre 2000 gespielt! Auch die Akteure der Partien sind fast ausnahmslos bekannte Experten dieses Systems, Sveshnikov, Leko, Topalov, Polgar, Carlsen, und so weiter. Zusammenfassend stelle ich also fest, dass alle angesprochenen Punkte durchweg positiv gelöst wurden! Was mich etwas gestört hat war, dass an manchen Stellen die Diagramme erst auf der nächsten Seite zu finden waren. Hier würde eine bessere Struktur dem Buch zu mehr Übersichtlichkeit verhelfen. Aber das ist der einzige kleine Kritikpunkt den ich nenne kann, ansonsten ist das Buch vorbildlich in jeder Hinsicht!

Fazit: John Cox hat mit „Sicilian Sveshnikov“ ein hervorragendes Buch über eine der schärfsten und erfolgreichsten Eröffnungen gegen 1.e4 geschrieben. Zum Einstieg in diese Eröffnung kann ich dieses Buch jedem Schachfreund empfehlen, auch langjährige Sveshnikov-Spieler werden viel Neues darin entdecken! Insgesamt sehr positiv.

Ich danke der Firma Schach Niggemann , die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Juni 2007