Zur Theorie und Praxis von Schachendspielen:

Korrelierende Felder


Definition: Korrelierende Felder sind Felder gegenseitigen Zugzwangs. D.h., wenn man ein Feld betritt, und der Gegner betritt das korrelierende Feld, ist man in Zugzwang. Man muss also den Gegner dazu bringen, zuerst das korrelierende Feld zu betreten, um ihn anschließend in Zugzwang zu bringen.


Ein einfaches Beispiel soll dies verdeutlichen:
beispiel1.jpg



























1.Kf5??
Wäre Schwarz am Zug würde auf Kd4?? Kf5 mit Gewinn folgen [zum Remis führt entweder 1.Kf3! Kd4 2.Kf2 Kxe4 mit Remis nach 3.Ke2 Kd4 4.Kd2 e4 5.Ke2 e3 6.Ke1 Kd3 7.Kd1 e2+ 8.Ke1 Ke3 patt, oder1.Kg5=/1.Kg3=] 1...Kd4 2.Kf6 Kxe4 mit schwarzem Gewinn 3.Kg5 Kf3 4.Kf5 e4 0-1.

Das korrelierende Felderpaar in diesem Beispiel war also d4 und f5.


Noch ein einfaches Beispiel:

beispiel4.jpg



























Weiß gewinnt, wenn er mit dem König eines der beiden Schlüsselfelder e2 oder b3 betreten kann. Schwarz muss deshalb zunächst verhindern, dass Weiß im nächsten Zug Ke2 spielt: 1...Kf3 [1...Ke3? 2.Kd1 Kf3 3.Kc1 Ke3 4.Kb1 Kd4 5.Ka2 Kc5 6.Kb3 Kd4 7.Kb4+-] 2.Kd1 Ke3 3.Kc1 Kd4 4.Kb1 Kc5 5.Ka2 Kb4 6.Ka1 Kb5! 7.Kb1 Kc5 8.Kc1 Kd4 9.Kd1 Ke3 10.Ke1 Kf3 mit Remis. 1/2-1/2

Aus obiger Zugfolge ergibt sich also folgendes: Auf jedes Feld, das der weiße König betritt (gelb markiert), darf der schwarze nur jeweils ein anderes (blau markiert) betreten. Man nennt diese Felder also Gegenfelder. So sind hier zum Beispiel e1 und f3, d1 und e3, c1 und d4, b1 und c5, a2 und b4 sowie a1 und b5 Gegenfelder (siehe Diagramm unten)

beispiel5.jpg





























Ein etwas komplexeres Beispiel:

Studie von N. Grigoriev, Sahmaty 1922

beispiel2.jpg



























Schwarz am Zug wäre bereits verloren: 1...Kg6 2.e7 Kf7 3.Kxf5 Kxe7 4.Kg6+- Weiß am Zug muss al
lso ein Tempo verlieren um gewinnen zu können: 1.Kg3 [oder 1.Kf3 Kg6 2.Kg2!] 1...Kg7 [1...Kg6 2.Kh4 Kf6 3.Kh5+-] 2.Kg2! Kf6 [a) 2...Kg6 3.Kf3! (3.Kh3 Kf6!) 3...Kg7 4.Kg3! Kg6 (4...Kf6 5.Kf4!) 5.Kh4+-; b) 2...Kf8 /Kg8 3.Kf3 Kg7 4.Kg3!+-] 3.Kh3! Kg7 4.Kg3! Kf6 5.Kf4!+- Zugzwang!


Zum Abschluss ein Beispiel aus der GM-Praxis:

beispiel3.jpg



























Diese Stellung stammt aus einer Partie Kasparov,G (2817) - Bacrot, E (2675) 2004
Weiß am Zug
In der Partie folgte 1.Ke2 1...Kf6? [1...Ke4! 2.Kf2 Kd4!= 3.Kf3 Ke5 4.Ke3 f4+!!=; 1...Kd4! 2.Kf3 Ke5=] 2.Ke3!+- Kg6 # 3.Kd4? (4...Kh6 ! einziger Zug (4...Kxh5? 5.Kxf5 Kh6 6.Kxf6+-) 5.Kxf5 Kxh5=; Richtig wäre 3.Kf3! gewesen nebst schwarzem Zugzwang 3...Kg7 (3...Kf6 /3...f6 4.Kf4+-) 4.Kf4 Kf6 5.h5 Ke6 6.Kg5+-] 3...Kh5 - remis - 4.Ke5/Kd5 Kg4 =


Martin Rieger, Juni 2007