Hans-Hilmar Staudte, Milu Milescu

1x1.jpgDas 1 x 1 des Endspiels Lehr- und Lesebuch der Endspielkunst
Sprache: Deutsch
Verlag: Beyer
ISBN: 3-88805-486-9
ISBN2: 978-3-88805-486-0
228 Seiten, 296 Diagramme, gebunden, 3. Auflage 2006



Kurt Richter, Hans-Hilmar Staudte

richtigundfalsch.jpgRichtig und falsch Praktische Endspielkunde
Sprache: Deutsch
Verlag: Beyer
ISBN: 3-88805-494-X
ISBN2: 978-3-88805-494-5
96 Seiten, 129 Diagramme, gebunden, 3. bearbeitete Auflage 2006.


Beide Bücher erhältlich im Beyer Verlag oder im Freechess-Amazon-Shophier und hier
In der heutigen Rezension will ich zwei Bücher betrachten die sich in gewisser Weise recht ähnlich sind.
Das erste Buch, 1x1 des Endspiels, ist in 14 Kapitel unterteilt und entführt den Leser in das Reich der Endspielstudien (und deren praktische Anwendung in einer Turnierpartie). Kurt Richter schreibt im Vorwort folgendes: "Der ursprüngliche Gedanke des israelischen, früher rumänischen Studienfachmanns Milu Milescu bestand darin, an einer möglichst umfassenden Sammlung von Analogien zwischen Partie und Studie die Bedeutung und den Wert der Studienkomposition für die Endspielführung in der praktischen Partie darzulegen. Dr. Staudte entzündete sich an dieser Idee, schritt aber weit darüber hinaus und schuf praktisch ein Lehrbuch der Endspielkunst auf unsystematischer Grundlage."
Das Buch ist ein Füllhorn an originellen Ideen und sehr lehrreichen Beispielen. Der Untertitel „Ein Lehr- und Lesebuch der Endspielkunst“ ist durchaus berechtigt, jedes Beispiel wird durch viel Text und dafür weniger Varianten präsentiert, d.h., ich brauche nicht unbedingt ein Schachbrett neben mir um das Buch zu lesen. Auch die 257 Diagramme, sowie Schrift und Layout, tragen zu einem ungetrübten Lesevergnügen bei. Das Anliegen der beiden Autoren, didaktisch wertvolles Material aus allen Teilbereichen des Endspiels in abwechslungsreich-unterhaltsamer und daher besonders einprägsamer Form anzubieten, kann zusammenfassend als vollauf gelungen bezeichnet werden!

Und so kommen wir zu unserem zweiten Werk, Richtig und Falsch – Praktische Endspielkunde: „Trotz reduzierten Materials bietet das Endspiel erstaunlich viele Gelegenheiten, um Fehler zu begehen - Fehler, die sich meist fatal auswirken und vor denen selbst Spieler höchster Klasse nicht immer gefeit sind. Die vorliegende Selektion von Endspielen aus der Meisterpraxis, die dem Zeitraum 1952-1977 entstammt, ist ein kleines Vademekum des lehrreichen Fehlers und seiner Vermeidung. Es lehrt, dass im Endspiel Präzision und Scharfsinn gefordert sind, aber auch, dass Raum für schöpferische Ideen besteht und phantastische Möglichkeiten genutzt werden können, die denen in anderen Partiephasen nicht nachstehen. Den beiden Autoren ist es geglückt, in unterhaltender Form praktisches Rüstzeug zu vermitteln, um dem latent lauernden Fehlerteufel im Endspiel zu Leibe zu rücken“.
Das Buch enthält 129 Endspiele, die meisten davon aus der Turnierpraxis von 1952 bis 1977. In erster Linie geht es um die Vermeidung von Fehlern und Irrtümern im Endspiel, doch auch dieses Buch eignet sich hervorragend als „Lesebuch“, man benötigt hier nicht unbedingt ein Schachbrett um den Beispielen folgen zu können.
Nachfolgend eine überraschende Rettungsidee in höchster Not:
talblitz.jpg



























 Tal – Aaron, Leipzig 1960, Blitzpartie. „Der Weltmeister hat anscheinend unparierbare Drohungen aufgestellt, und die dicht gedrängten Zuschauer erwarten eine höfliche Kapitulation des Inders. Stattdessen geschah im Blitztempo 1…Lxe4!! 2.Lxe4 Dxb2!! 3. Kxb2 a3! und ob Weiß schlägt oder nicht: Schwarz ist patt! Also remis. Tal lächelte, und die Kiebitze waren begeistert. Finden Sie einmal so etwas in einem Blitzturnier! Dabei war alles nur ein Bluff, wenn auch ein sehr gelungener! Wenn Weiß nämlich auf 1…Lxe4 2.Ta7! erwidert hätte, wäre die Seifenblase geplatzt. Aber finden Sie so etwas einmal in einem Blitzturnier…“.

Ein anderes Beispiel:
donner.jpg



























Donner – Spanjaard, Holland 1961.
Weiß zog hier 1.Tha7?? Th1!! 2.Kxh1 Kg3!! Mit unvermeidlichem Matt durch Te1.

„Das Endspiel kann aufregend sein wie ein gutes Kriminalstück. In Ihrer Hand, lieber Schachfreund, liegt es, seinen Spannungsgehalt zu erfassen und danach zu handeln. Wenden Sie allen Scharfsinn, allen Ihren Erfindungsreichtum an: Unversehens werden Sie, der Sie vielleicht geneigt waren, das Endspiel als Sache toten Wissens abzutun, den Endspielkampf lieb gewonnen haben, und der Erfolg wird auf Ihrer Seite sein!“

Nach Durchsicht des Buches bin ich überzeugt, dass die gezeigten Beispiele für das eigene Spiel von größter Bedeutung sein können. Ob man nun selbst Fehler im Endspiel vermeidet oder aber solche auszunutzen weiß, die praktische Endspielkunde von Richter/Staudte ist für jeden Schachspieler von großem Nutzen. Auch der lockere und humorvolle Schreibstil sorgt für kurzweilige Unterhaltung die man in „modernen“ Schachbüchern oft vergebens sucht.

Fazit: Beide Bücher, obwohl schon einige Jahre vergangen sind seit der Erstveröffentlichung, haben nichts an Aktualität eingebüßt. Wer um Endspiele bisher einen großen Bogen gemacht hat, sollte vielleicht einmal einen Blick in beide Bücher werfen. Humorvoll und äußerst unterhaltsam verpackt, werden wichtige Endspielprinzipien vermittelt und auch gelehrt.

Martin Rieger, Juni 2007