Yelena Dembo
Play the Grünfeld
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Sprache: Englisch
Verlag: Everyman
ISBN2: 978-1-85744-521-3
192 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2007.
Erhältlich bei Schach Niggemann.

IM Yelena Dembo (ELO 2470) liefert mit „Play the Grünfeld“ ihr Erstlingswerk auf dem Schachbuchmarkt ab, von dem ich in nachfolgenden Worten berichten will.

Doch zuerst einige Fakten zur Autorin:
 -geboren am 8 Dezember 1983 in der ehemaligen Sowjetunion, lebt jetzt in Griechenland und ist verheiratet.
-IM Titel der Männer 2003.
-Gewinn des Gedächtnisturniers von Bykova in Vladimir, Russland im Dezember 2004.
-Cappelle la Grande 2006 mit 6.5/9 und zehntem Platz + GM Norm.

Wer mehr über Yelena Dembo erfahren will, sollte ihre Seite besuchen unter folgender Adresse: http://www.yelenadembo.com/ .

Zum Inhalt des Buches: „Play the Grünfeld“ gibt dem Leser ein komplettes Schwarzrepertoire gegen 1.d4 an die Hand. Wie der Titel unschwer erkennen lässt, handelt es sich bei dem Inhalt des Repertoires um die Grünfeldindische Verteidigung. Diese Eröffnung wird durch folgende Züge charakterisiert: 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3/Sf3 d5. Das vorgestellte/empfohlene Schwarzrepertoire gliedert sich wie folgt auf: 1 d4 Sf6 2 c4 g6 3 Sc3 d5 4 cxd5 Sxd5 5 e4 Sxc3 6 bxc3 Lg7 und dann entweder 7 Sf3 c5 (das kritische 8 Tb1, Le3 Systeme) oder 7 Lc4 (weiße Alternativen im siebten Zug), 4 cxd5 Sxd5 ohne 5 e4, 4.Sf3/Db3 mit folgenden Abzweigungen: das russische System, Da4+ Systeme, Lf4 Systeme, Lg5 Systeme, das solide 4 e3, das Fianchetto System und schließlich Sämisch mit 3 f3.

Schauen wir uns einfach mal an, wie es um die wirklich wichtigen Dinge steht, als da wären scharfe Varianten mit denen Weiß dem Grünfeldinder das Leben schwer machen kann:
Die Autorin gibt bei folgendem Abspiel diese Variante an:
1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sxc3 6.bxc3 Lg7 7.Lc4 c5 8.Se2 0-0 9.Le3 Sc6 10.h4? (Yelena Dembo), und schreibt, nach 10…cxd4 11.cxd4 Dd6 12.Tc1 Td8 13.d5 Se5 14.Db3 Ld7 15.f3? b5 16.Ld3 Db4+! 0-1 Naranja,R-Portisch,L/Siegen 1970, steht Schwarz eindeutig besser.

Das mag alles richtig sein und auch zutreffen, doch ein kurzer Blick in die Megabase brachte folgende Partie ans Tageslicht: Li Shilong (2543) - Van der Weide,K (2466) [D87] Corus-C Wijk aan Zee (6), 20.01.2006 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sxc3 6.bxc3 Lg7 7.Lc4 c5 8.Se2 0-0 9.Le3 Sc6 10.h4 cxd4 11.cxd4 Dd6 12.Tb1!? (statt Tc1 wie im Buch) Td8 13.Db3! (GM Krasenkow und sämtlichen PC-Engines gefällt die weiße Stellung eindeutig besser, auch 13.e5! dürfte dem Schwarzspieler keine Freude bereiten) e6 14.e5 Dc7 15.Ld3 Sa5?! 16.Da3 Lf8 17.Db2 Ld7 18.Lg5 Tdc8 19.0-0, Weiß steht besser und später auch 1-0. Diese Partie wurde also lange vor diesem Buch veröffentlicht zusammen mit den Kommentaren von GM Krasenkow.

Dieses Beispiel war nur zufällig gewählt und zeigt eine nicht gerade ausführliche und genaue Arbeitsweise der Autorin. Wer Eröffnungsbücher unter hochtrabendem Titel veröffentlicht und verkaufen will, sollte verdammt noch mal auch seine Hausaufgaben ordentlich erledigen!

Die Varianten im Buch sehen durch die rosarote Brille alle wunderbar aus für Schwarz, bei näherem Hinsehen kann einem hingegen wirklich schlecht werden.

Ein anderes Beispiel: 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sxc3 6.bxc3 Lg7 7.Sf3 c5 8.Tb1 0-0 9.Le2 b6 10.0-0 Lb7 11.Dd3 La6 12.De3 Dd7 13.d5 Lxe2 14.Dxe2 Lxc3 15.Lh6 Lg7 16.Lxg7 Kxg7 17.Tfd1 Da4 (17...Kg8 18.Tb3 Tc8 19.e5 c4 20.e6 fxe6 21.Se5 De8 22.Sxc4 Sa6 23.Dxe6+ Df7 24.Dg4 Sc5 25.Tf3 Dg7 26.h4 1-0 Moiseenko,A-Kovchan,A/Kharkov 2002)18.Tbc1 Sd7 19.e5 Tad8 20.Tc4 Da6 Kommentar Yelena Dembo zu dieser Stellung:“ich sehe keinen Grund, wieso sich Schwarz hier beklagen sollte, Schwarz hat einen Bauern mehr und es droht ihm keine Gefahr“.

So so…, und was ist z.B. mit 21.e6 Sf6 22.Sg5 (Rybka) ? Die Engine zerpflückt in sehenswerter Manier genüsslich die schwarze Stellung.

Ich kann mich wirklich nur wundern, wie manche Schachverlage sich immer wieder von Titeln blenden lassen, ein GM oder IM ist noch lange kein Garant für ein wirklich gutes Schachbuch!

Äußerst schlampiges Eröffnungsbuch das mir persönlich die Zornesröte ins Gesicht steigen lässt!

Ich danke der Firma Schach Niggemann , die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Juli 2007