Hans Kmoch

Die Kunst der Verteidigung

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Sprache: Deutsch
Verlag: Beyer
ISBN: 3-88805-488-5
ISBN2: 978-3-88805-488-4
172 Seiten, 57 Diagramme, gebunden, 5. bearbeitete Auflage 2006.

Hans Kmoch (1894 - 1973) war nicht nur ein erfolgreicher Schachspieler (Turniersieg 1925 in Debrecen vor Tartakower und Grünfeld, geteilter dritter Platz 1926 in Budapest) sondern auch internationaler Schiedsrichter und erfolgreicher Schachbuchautor.

Vorliegendes Buch erschien in der Erstauflage im Jahre 1927 und wurde in der Zwischenzeit mehrfach neu aufgelegt und dabei um moderne Beispielpartien (z.B. Kramnik - Anand, Belgrad 1997; Timman - Kasparow, Bugojno 1982) erweitert. Die aktuelle 5. Auflage wurde von Dr. Ralf J. Binnewirtz sorgfältig überarbeitet (dabei verwendete er die Ausgabe von 1982).

Hans Kmoch untersucht und erläutert anhand von großen Meistern (Steinitz, Tarrasch, Lasker, Capablanca u. a.) verschiedene Verteidigungsmethoden, dabei unterscheidet er zwischen fünf Methoden der Verteidigung, als da wären:
1. die passive, (die passive Verteidigung beschränkt sich auf direkte Abwehr feindlicher Drohungen) 2. die aktive, (die aktive Verteidigung geht aus der passiven hervor, ist Gegendrohung, Gegenangriff) 3. die automatische, (automatisch verteidigt sich ein Spieler, wenn er etwa dem Beispiele Tarraschs oder Capablancas folgend, passives Verhalten soweit als möglich meidet und vor allem bestrebt ist, durch freie, offene Entwicklung sämtlicher Steine das Entstehen feindlicher Angriffe auszuschalten)
4. die philosophische, (der Gegner wird genötigt in Spielweisen einzulenken, die seinen Absichten entgegenlaufen. Das ist von starker psychologischer Wirkung und erhöht die Kraft der Verteidigung bedeutend, selbst dann, wenn der Angreifer objektiv in günstiger Lage ist)
5. die aggressive Verteidigung, (sie wartet nicht auf Gelegenheit zum Gegenangriff, sondern ist ein sofortiger unmittelbarer Angriff statt jeder Verteidigung. Sie setzt ein, bevor der Gegner mit seinem Angriff beginnen konnte).

Die 50 ausgewählten Partien beschäftigen sich außer den fünf Verteidigungsmethoden noch mit dem Stil der Schachgrößen Tarrasch, Steinitz und Lasker, der Verteidigung im Angriff und Verteidigung im Allgemeinen.

Manche Kritiker bemängelten an dem Buch die skurrilen Wortschöpfungen derer sich Kmoch bediente, teilweise war auch von "hausgemachter" Terminologie zu lesen. Beim Lesen des Buches hat mich das aber nicht gestört, ich glaube, wer Nimzowitschs „Mein System“ schon einmal gelesen hat, wird dort mehr skurrile Wortkreationen gefunden haben.

Hans Kmochs „Die Kunst der Verteidigung“ ist und bleibt ein zeitloser Klassiker trotz aller Unkenrufe und ist ein Stück Schachgeschichte, das nicht in Vergessenheit geraten darf! Absolut empfehlenswert!

Ich danke dem Beyer Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, August 2007