Juri Rasuwajew, Anatoli Mazukewitsch

Gambite - richtig gespielt

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Sprache: Deutsch
Verlag: Beyer
ISBN: 3-88805-491-5
ISBN2: 978-388805-491-4
160 Seiten, 218 Diagramme, gebunden, 1. Auflage 2006.

Der Ausdruck Gambit wurde erstmals in dem Werk des Spaniers Ruy López de Segura 1561 benutzt. Das Wort stammt aus dem Italienischen, wie Ruy López angibt, und ist anscheinend einem Fachausdruck des Ringsports entlehnt – im Sinne von dare il gambetto (ein Bein stellen). Noch vor nicht allzu langer Zeit gebot auch unter starken Spielern häufig die persönliche Ehre, ein riskantes Gambit anzunehmen. In unserer heutigen Zeit werden in großen Turnieren riskante Gambits von Großmeistern zwar größtenteils vermieden, doch der normale Vereins- oder Hobbyspieler greift immer wieder gerne zu Königsgambit und Co.

Das russische Autorenduo Juri Rasuwajew und Anatoli Mazukewitsch legen mit „Gambite - richtig gespielt“ ein Buch vor, das in zwei große Teile aufgegliedert ist.
Der erste Teil beinhaltet eine so genannte Enzyklopädie der Gambite. Darin werden 54 verschiedenartige Gambitideen vorgestellt, von Albins-Gegengambit über das Kasparow-Gambit bis hin zu Wolga-Gambit. Jedes Gambit wird mit einer kurzen Einführung und Partiebeispielen begleitet. Der Leser wird dort so manches ihm vielleicht unbekannte Gambit finden (z. B. Herzfeld-Gambit, Lolli-Gambit).
Im zweiten Teil des Buches werden „moderne Gambitideen“ vorgestellt. Großmeister Rasuwajew untersucht dort 14 Gambitideen die auch auf höchster Ebene getestet wurden (zum Beispiel der Aljechin-Chatard-Angriff, der Marshall-Angriff oder auch das Witolinsch-Gambit).

Als Beispiel für eine moderne Gambitidee möge nachfolgende Partie aus dem Buch dienen: Grischuk,A (2700) - Brynell,S (2505) [C13] Bundesliga, 2002
1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Le7 5.e5 Sfd7 6.h4 Lxg5 7.hxg5 Dxg5 8.Dd3 Früher spielte man 8.Sh3. Mit dieser neuen und modernen Gambitidee hält sich Weiß noch offen, wohin der Springer soll. 8...g6 [8...Sc6 9.Sf3 Dg6 10.Dxg6 fxg6 11.Sb5 Ke7 12.Sxc7 Tb8 13.Sb5 Sb6 14.c3 Ld7 15.Ld3 Sa5 16.b3 Lxb5?! 17.Lxb5 h6 18.Sh4 Thc8 19.Th3 g5 20.Sg6+ Kf7 21.Tf3+!+- Kxg6 22.Ld3+ Kh5 23.Th3+ Kg4 24.f3+ Kf4 25.Kf2! g4 26.g3+ 1-0 Kasparov,G-Kortschnoj,V/Zuerich Kortschnoj KO rapid 2001; 8...h5 9.Sf3 De7 10.g4 g6 11.gxh5 gxh5 12.De3 Sb6 13.0-0-0 Ld7 14.Le2 Sc6 15.Df4! 0-0-0 16.Tdg1! Hector,J-Brynell,S/Excelsior Cup 1999] 9.Sf3 De7 10.0-0-0 a6 11.De3 c5 12.dxc5 Dxc5 13.Df4 Sc6 14.Ld3 Db4 15.Le4!‚ dxe4 16.Sxe4 Tf8 17.a3 De7 18.De3! Th8 19.Sfg5 Sdxe5 20.Sxh7+- Txh7 21.Txh7 Df8 22.Sf6+ 1-0

Positiv überrascht war ich von der Aktualität der dargebotenen Partien und deren Analysen. Auch sonst machte das Buch einen sehr guten Eindruck auf mich, der beim Beyer Verlag schon fast obligatorische Festeinband darf auch hier natürlich nicht fehlen. Wer also auf der Suche nach originellen Gambitideen ist oder einfach seinen nächsten Gegner gehörig überraschen will, dem kann ich das Buch besten Gewissens empfehlen.

Ich danke dem Beyer Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, August 2007