Vsevolod Kostrov

Open Games / Semi-Open Games / Gambits

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Sprache: Englisch
Verlag: Chess Stars
ISBN2: 978-9-548782-87-9
Pro Band jeweils 88 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2007
Erhältlich bei Schach Niggemann

Der Verlag Chess Stars hat gleich drei Bände mit dem Titel „How Well Do I Play Chess“ von Vsevolod Kostrov veröffentlicht, Band 1 beschäftigt sich mit den offenen Spielen nach 1.e4 e5, Band 2 stellt die halboffenen Spiele vor und Band 3 widmet sich den Gambits im allgemeinen.

Über den Autor habe ich nichts in Erfahrung bringen können, man muss sich also auf die Aussage im Buch verlassen, dass er seit mehr als 20 Jahren junge Talente trainiert. Aber das nur am Rande, wichtiger sind der Inhalt und die Konzeption dieser dreibändigen Testbuchreihe.

Worum geht es also?

Laut Autor sind diese Bände in erster Linie für Kinder und Jugendliche gedacht. In jedem der Bände werden jeweils zehn Musterpartien zu den einzelnen Eröffnungen vorgestellt und besprochen. Anhand eines internen Punktesystems kann der Leser pro Partie maximal 50 Punkte erreichen. Zu jeder Partie gibt es einige Stellen, an denen man den nachfolgenden Zug erraten soll, was mit oben angesprochenen Punkten auch reichlich belohnt wird. Die Partieauswahl möchte ich als sehr gelungen bezeichnen, es handelt sich hierbei um wirklich einprägsame Beispielpartien die im Gedächtnis haften bleiben.
Eine solche einprägsame lehrreiche Partie wird im Kapitel über Pirc-Ufimzew vorgestellt:

Fischer,R - Benko,P [B09] USA-ch New York (10), 1963 1.e4 g6 2.d4 Lg7 3.Sc3 d6 4.f4 Sf6 5.Sf3 0-0 6.Ld3 Lg4? 7.h3 Lxf3 8.Dxf3 Sc6 9.Le3 e5

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Eine wichtige Stellung!
Der folgende Abtausch in Verbindung mit dem 11.Zug von Weiß stellt ein wichtiges Angriffsmanöver dar, dass man sich merken sollte. 10.dxe5 dxe5 11.f5! … g2-g4-g5 +- 11...gxf5 12.Dxf5 [aber nicht 12.exf5 e4!] 12...Sd4 13.Df2 [13.Dxe5 Sg4 14.Dxg7+ Kxg7 15.hxg4 Sc6
Hier schreibt der Autor, Schwarz besitzt eine exzellente Position, allerdings meldete sich bei mir an dieser Stelle der allwissende Dr.Rybka und schlägt folgendes vor: 16.0-0-0 Te8 17.e5 Txe5 18.Lh6+ Kh8 19.Lxh7 und hier wird deutlich, dass es mit der exzellenten Position für Schwarz wahrscheinlich nichts mehr wird... 13...Se8 14.0-0 Sd6 15.Dg3 Kh8 16.Dg4 c6 17.Dh5 De8? 18.Lxd4 exd4 19.Tf6!! Zehn Punkte kann sich gutschreiben, wer diesen Zug gespielt hätte. Schwarz ist verloren. [19.e5 f5!] 19...Kg8 20.e5 h6 21.Se2! [21.Txd6 Dxe5!; 21.Se2! … Txd6 21...Sb5 (21...Lxf6 22.Dxh6+-) 22.Df5+-] 1-0 Eine wirklich gute Partie aus der man sehr viel lernen kann, auch wenn es an manchen Stellen wirklich schwer ist, den richtigen Zug zu finden!

Was aber den 13.Zug Dxe5 angeht, den der Autor als schlecht bezeichnet, so ist das schon etwas ärgerlich. Als Trainer weiß man, dass Kinder und Jugendliche die manchmal etwas nervige (aber natürlich auch lobenswerte!) Begabung haben, genau das einzige Loch in den Analysen zu finden, das man selbst übersehen hat…Hier wäre der Einsatz von Engines zur Überprüfung der angegebenen Varianten sicher nicht von Nachteil gewesen.

Ein Wort noch zu dem Punktesystem. Die Skala umfasst 50 mögliche Punkte und teilt sich auf 5 Bereiche auf (Master, Expert, Class A, Class B, Do not get upset!!!). Wer weniger als zehn Punkt erreicht hat, darf sich folgendes Bonmot des Autors zu Gemüte führen: „Jetzt bist Du nicht besser als die achte Kategorie und Du wirst wahrscheinlich hier noch eine Zeit lang bleiben. Es ist ganz offensichtlich - Du hast entweder ein gutes Schachlehrbuch nie gehabt, oder Du hast es irgendwo verloren. Vielleicht verwendet Deine Mutter es zum draufstellen ihres Teekessel in der Küche. Fang an, am Schach dringend zu arbeiten“. (Übersetzung aus dem Englischen von mir).

Hallo, geht’s noch? Wer Bücher für Kinder und Jugendliche verfasst sollte auf solche „Bewertungen“ lieber verzichten. Die Motivation ist dadurch natürlich im Keller und der Jugendliche wirft das Buch frustriert ins hinterste Eck und chattet lieber wieder mit Freunden im Internet. Was ich auch nicht ganz nachvollziehen kann, ist die Tatsache, dass der Verlag anstatt eines Buches gleich drei auf dem Markt bringt, ein Schelm wer Böses dabei denkt. Aber ich will nicht zuviel kritisieren, das hätten die Bücher auch nicht verdient. Wie oben bereits angesprochen sind die ausgewählten Partien hervorragend für ein Training geeignet und jeder Schachschüler wird davon in hohem Maße profitieren! Wer sich an den angesprochenen Punkten nicht weiter stört, für den sind die Bücher durchaus zu empfehlen.

Ich danke der Firma Schach Niggemann , die das jeweilige Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Juli 2007