Genna Sosonko
New in Chess Yearbook 84

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Titel: New in Chess Yearbook 83
Sprache: Figurinen / Englisch
Verlag: New in Chess
ISBN: 90-5691-175-9
Breite: 16,4 cm
Höhe: 24,0 cm
Gewicht: 0,460 kg
246 Seiten, kartoniert, 2007.
Erhältlich bei Schach Niggemann

Das neue New in Chess Yearbook 84 wird auch diesmal wieder seinem selbstgewählten Ruf gerecht, der wichtigste „Chess Players Guide to Opening News“ zu sein. In zahlreichen Surveys stellen führende Spezialisten wieder neue Ideen und überraschende Neuerungen vor und man fühlt sich manchmal von der Fülle an Information fast erschlagen. Doch ähnlichem dem Schachinformator findet man auch hier alles was man braucht ziemlich schnell dank eines ausgeklügelten Systems das dem ECO-Schlüssel ähnlich ist. Das Buch ist keine Partiesammlung, sondern es werden einzelne aktuelle Eröffnungssysteme genauer unter die Lupe genommen und analysiert, gewürzt mit der einen oder anderen neuen Idee die so bisher in der Praxis noch nicht vorgekommen ist. Gerade dieser Umstand macht das NIC Jahrbuch neben diversen anderen Publikationen zu einem wichtigen Instrument der eröffnungstheoretischen Vorbereitung. Alleine in diesem Band werden 33 Eröffnungs-Surveys vorgestellt, unter anderem von Sveshnikov, Grivas, Stohl und anderen. Im Rahmen einer Rezension hier alle Surveys vorzustellen würde den Rahmen sprengen, exemplarisch für das ganze Buch zwei zufällig ausgewählte Beispiele: Will sich Weiß nicht auf die Hauptvarianten der Sveshnikov-Variante einlassen, empfiehlt Atanas Kolev die Zugfolge 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.Sc3, danach muss sich Schwarz zwischen einigen Zügen entscheiden, alle bestimmt nicht schlecht aber sie haben einen entscheidenden Nachteil für Schwarz, die Sveshnikov-Variante ist dann nicht mehr möglich. Deshalb griff zum Beispiel Weltmeister Kramnik zu 4... e5 in einer Partie gegen Anand (remis). Dieses Abspiel ist ziemlich gefährlich für Schwarz und kann bei Unkenntnis neuester Analysen direkt in den Abgrund führen! Kolev analysiert elf Partien ausführlich zu diesem Komplex. Unter der Unterschrift „Perfect Preparation“ zeigt das Autorenduo Morgado/Alvarez, was passiert, wenn man seine Hausaufgaben als Weißer im Marshallgambit der spanischen Eröffnung nicht gemacht hat. Auch mit umfangreichen Theoriekenntnissen ist diesem Gambit schwer beizukommen und wer sich darauf einlässt muss entweder ein gesundes Selbstvertrauen besitzen oder ein Computergedächtnis oder beides. Ob Deutschlands bester Schach-GM Arkadij Naiditsch bei der Begegnung mit Jan Gustafsson eines davon hatte, ist nicht überliefert. Zweifel sind durchaus angebracht, Naiditsch mit Weiß wurde in 25 Zügen überrollt, nicht zuletzt durch eine vorbereitete Computerneuerung (22... f3! N). Es werden Alternativen untersucht um Licht ins Dunkel zu bringen. Das ganze Buch ist randvoll mit solchen Untersuchungen und Analysen, die annähernd 250 Seiten wurden gut genutzt! Nebenbei gibt es noch das Forum mit Leseranalysen und zum Schluss des Buches rezensiert Glenn Flear einige ausgewählte Bücher.

Fazit: Aktuelle Topanalysen, neue frische Ideen, überraschende Neuerungen, präsentiert von Experten aus aller Welt, was will man mehr verlangen von einem regelmäßig erscheinenden Theoriewerk? Außerirdisch gut! Beam me up, Genna!

Ich danke der Firma Schach Niggemann , die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Oktober 2007