Nigel Davies
Gambiteer II
hard-hitting.opening repertoire f. Black
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Sprache: Englisch
Verlag: Everyman
ISBN2: 978-1-85744-536-7
192 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2007.
Erhältlich bei Schach Niggemann

Vor einiger Zeit erregte Nigel Davies Gambiteer einiges Aufsehen, ein komplettes Weißrepertoire basierend auf reinen Gambiteröffnungen. Diesmal stellt er ein komplettes Gambiteröffnungsrepertoire für Schwarz vor. Der erste Band überzeugte durch den lockeren Schreibstil und die gekonnte Auswahl an überraschenden und teilweise frechen Varianten die jeden Gegner ins Schwitzen bringen können.

Wie sieht es aber nun mit dem Nachfolgeband aus? Ich denke, Nigel Davies ist seiner Linie treu geblieben und schreibt weiterhin in seinem lockeren unverkrampften Stil welcher das Lesen des Buches zum Vergnügen macht. Die Variantenauswahl gestaltete sich da schon etwas schwieriger als er selber zugibt, ein komplettes Schwarzrepertoire im Gambitstil ist zu vergleichen mit der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
Selbstverständlich gibt es unzählige Gambits für Schwarz aber sie müssen auch in der Praxis einigermaßen spielbar sein und nicht nur einen gewissen Schockeffekt mitbringen der mit der Zeit verpufft.

Der Autor hat sich ehrlich bemüht gut spielbare Varianten vorzuschlagen mit denen man auch langfristig planen kann, wobei man bei einem Blick ins Verzeichnis aber dann doch wieder etwas verwundert feststellt, dass es neben dem Mainstream tatsächlich immer noch genügend Seitenwege gibt, die es wert sind, erforscht zu werden! Auf 1.e4 schlägt Davies folgendes vor: 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 f5 Schliemann Gambit. Insgesamt 96 Seiten führt Davies den Leser ins Wunderreich des Schliemann Gambits und man erfährt, dass zum Beispiel solche Koryphäen wie GM Radjabov, GM Khalifman und andere Supergroßmeister sich ab und zu diesen Gambits bedienen. Natürlich kann Weiß diesem Gambit auch ausweichen, dafür hat Davies am Ende des Buches noch einige Tipps parat. Auf d4 empfiehlt er das Albins Gegengambit 1.d4 d5 2.c4 e5. Auf 1.d4 d5 2.Sf3 schlägt der Autor den Zug Sc6 nebst anschließendem e5 vor.
Wer jetzt die Stirn runzelt und sich fragt, wer um alles in der Welt heutzutage noch das Albins Gegengambit spielt, der findet im Buch solch illustre Namen wie Exweltmeister Kasimdzhanov oder Supergroßmeister Morozevich. Knapp 70 Seiten verwendet Davies darauf, um aus dem Leser einen Experten in Sachen Albins Gegengambit zu formen.
Auf 1.c4 empfiehlt er die Zugfolge ...e5 2.Sc3 Sc6 3.g3 f5 4.Lg2 Sf6 5.d3 Lc5 6.e3 f4!?, so gesehen in einer alten Partie von Bobby Fischer. Das gesamte Buch enthält 62 ausführlichst kommentierte Musterpartien zu den einzelnen Varianten und am Ende eines jeden Kapitels folgt eine komplette Zusammenfassung mit drei Übersichtsdiagrammen und Variantenverzeichnis plus kurzer Stellungsnahme des Autors zu den kritischen Abspielen.

Fazit: Gambitbegeisterte Leser die bereits Band 1 kennen werden sicherlich ohne zu Zögern auch hier zugreifen. Allen anderen kann ich beide Bände nur wärmstens empfehlen. Keine Hauruckvarianten oder SogewinnensiegegenalleswasihrGegnerspielt Empfehlungen, sondern gut durchdachte spielbare Gambitvarianten die zwar ein gewisses Risiko mit sich bringen, die aber alles andere als unsolide sind. Absolut empfehlenswert für alle Gambitspieler und solche, die es werden wollen.

Ich danke der Firma Schach Niggemann , die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Oktober 2007