Anatoli Karpow, Anatoli Mazukewitsch

Stellungsbeurteilung und Plan

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Sprache: Deutsch
Verlag: Olms
ISBN2: 978-3-283-00510-8
199 Seiten, kartoniert, 2007.
Erhältlich bei Schach Niggemann

Der Schweizer Schachbuchverlag Olms, bekannt für vorzügliche Schachliteratur in qualitativ hochwertiger Ausstattung, bringt mit diesem Buch lobenswerter einen Klassiker neu in den Handel der längst vergriffen schien."Rolls-Royce unter den Schachbuchverlagen", so bezeichnete einmal Großmeister Gerald Hertneck den Olms-Verlag, sicher nicht zu Unrecht, wer diese Bücher mit denen anderer Verlage vergleicht wird feststellen, dass die Verarbeitungsqualität der Olms-Bücher seinesgleichen sucht. Aber nicht nur auf das Äußere wird bei dem Schweizer Verlag geachtet sondern auch auf den Inhalt der dargebotenen Bücher.

Die beiden Autoren beginnen mit einem Streifzug durch die Anfänge des Schachs bis hin zu Steinitz und seinen Lehren zum positionellen Spiel. Die Regeln die Steinitz aufstellte, wurden von verschiedenen Schachspielern weiterentwickelt und vervollkommnet. Dabei formulierten sie sieben Bewertungskriterien, die für die Einschätzung einer beliebigen Stellung herangezogen werden konnten: Materielles Kräfteverhältnis – Vorhandensein unmittelbarer Drohungen – Lage der Könige – Beherrschung offener Linien – Bauernstruktur, starke und schwache Felder – Zentrum und Raum – Entwicklung und Anordnung der Figuren. Anhand dieser Kriterien untersuchen die Autoren verschiedene Partien und erläutern das Zusammenspiel all dieser Punkte in der Praxis. Bei einer vergleichenden Analyse werden alle Punkte noch einmal aufgeführt die zu einer objektiven Einschätzung der jeweiligen Stellung beitragen, anschließend folgt ein Fazit das Klarheit schaffen sollte. Mit dieser Methode wird der Leser langsam aber sicher an ein geordnetes Denken herangeführt und er kann bald mit etwas Übung eine Stellung einigermaßen gut einschätzen. Dies ist der erste Schritt auf dem Weg zu einem besseren Schachverständnis, doch wie geht es weiter?

Wichtige Themen die behandelt werden und die letztlich auch bestimmte Spielstärkeunterschiede ausmachen sind zum Beispiel die so genannte Karlsbader Struktur, das Spiel bei einem geschlossenen oder beweglichen Zentrum, die richtige Wahl eines Plans oder auch Zugzwang. Nach jedem Kapitel hat der Leser die Möglichkeit, mit verschiedenen Studien sein Können auf die Probe zu stellen.

So weit grob zum Inhalt des Buches.
Besonders positiv hervorheben möchte ich folgende Punkte:
-klare verständliche Worte der Autoren, direkt und prägnant auf den Punkt gebracht.
-sehr gute und teilweise aktualisierte Partiebeispiele.
-der Lerninhalt wird konsequent und ohne Umschweife vorbildlich vermittelt.
-exzellentes Layout und Partienverzeichnis.

Ich mag dieses Buch! Es ist eine wahre Freude zu sehen, dass es noch wirklich klasse Schachbücher gibt, die auch nach einigen Jahren nichts von ihrem Charme verloren haben. Der Aussage „Nach dessen Lektüre wird sich die schachliche Spielstärke des geschätzten Lesers garantiert spürbar verbessern, weil er sich durch ein gewachsenes positionelles Verständnis vor allem besser in einer neuen, manchmal völlig unbekannten Situation am Brett orientieren kann“ kann ich nicht widersprechen, selten wurde eigentlich schwierige Themen so verständlich dargestellt wie von Karpow und Mazukewitsch. Taktik kann man üben, positionelles Wissen lernt man am besten aus Büchern wie Nimzowitschs „Mein System“, Capablancas "Chess Fundamentals" oder eben aus diesem Buch! Uneingeschränkt zu empfehlen.

Ich danke der Firma Schach Niggemann , die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Martin Rieger, Oktober 2007