Jewgeni Barejew, Ilya Levitov

From London to Elista Inside story of the WCC Matches

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Verlag: New in Chess
Sprache: Englisch
ISBN2: 978-90-5691-219-2
400 Seiten, 1. Auflage 2007.
Erhältlich bei Schach Niggemann

„From London to Elista“, bei diesem Titel könnte man vielleicht unwillkürlich an einen Reiseführer für Abenteuerlustige denken. Naja, so abwegig ist das Ganze gar nicht! Im Grunde genommen haben die beiden Autoren tatsächlich einen abenteuerlichen Bericht verfasst, angefangen in London im Jahre 2000 bis hin zu Elista im Jahre 2006.

Vor sechs Jahren entriss Vladimir Kramnik dem übermächtig erscheinenden Garry Kasparow die Schachkrone und musste seinen Titel zwei, bzw. vier Jahre später gegen Peter Leko und V. Topalov verteidigen. GM Barejew, langjähriger Sekundant Kramniks, schildert Begleitumstände und liefert sich mit Co-Autor Levitov das ganze Buch hindurch höchst unterhaltsame Diskussionen über verschiedene Aspekte der Kramnikschen Wettkämpfe. Sämtliche Partien aller drei Wettkämpfe werden sorgfältig analysiert und der Leser erfährt einiges an Hintergrundwissen (spezielle Eröffnungsvorbereitung, psychologische Aspekte des Spiels, usw.).

Natürlich würde man jetzt gerne erfahren, was Barejew über den Wettkampf mit Topalov schreibt, im Besonderen über Betrugsvorwürfe und dergleichen, aber wie in der Rezension zu dem Buch von Topalov über den Wettkampf, werde ich ehrlich gesagt nicht näher auf dieses Thema eingehen. Soll sich jeder selbst sein Urteil bilden…

Seltsamerweise steht genau dieses Kapitel auf den Kopf, ja sie lesen richtig! Vielleicht war es nur ein Flüchtigkeitsfehler des Druckwerkes oder aber auch beabsichtigt, kann ich mir aber eigentlich nicht vorstellen. Auf alle Fälle ist bei den Seiten 353 -384 ein gekonnter Kopfstand nötig um weiter lesen zu können, im Zweifelsfall reicht es aber auch aus, wenn Sie das Buch einfach umdrehen. Ist zwar etwas ärgerlich, kann aber trotzdem passieren. Natürlich ist das Buch ein Stück Zeitgeschichte, Kramnik war als Weltmeister würdig, diesen Titel zu tragen und seine Partien können allesamt in zukünftige Lehrbücher über Schachstrategie aufgenommen werden. Aber zurück zum Buch, dass mit 400 Seiten äußerst opulent ausgefallen ist.
Für den Lesegenuss muss der Leser ein gutes Englisch mitbringen und sehr viel Zeit. Am besten, sie schicken ihre Frau für eine Woche auf Wellness-Kur und die Kinder zur Oma, stellen das Telefon ab und die Haustürklingel auch gleich mit, gießen sich einen wohltuenden Tee ein und machen es sich mit diesem Buch auf dem Sofa bequem!

Fazit: Es wird sie fesseln und mitreißen, entzücken und erstaunen, belustigen und einfach sehr gut unterhalten.

Ich danke der Firma Schach Niggemann , die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Dezember 2007