Alexander Cherniaev, Eduard Prokuronov
The Sämisch King’s Indian Uncovered

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Sprache:Englisch
Verlag:Everyman
ISBN2:978-1-85744-540-4
175 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2007.
Erhältlich bei Schach Niggemann

Die Sämischvariante gegen Königsindisch charakterisiert sich durch das Bauernzentrum c4, d4, e4 und f3. Erfinder dieser Aufstellung war der deutsche Friedrich Sämisch, durch den Zug f3 wird das Zentrum gestützt und gleichzeitig ein Königsangriff mittels g4 und h4 vorbereitet. Bekannteste Vertreter der weißen Spielweise sind Anatoly Karpow, Alexander Beljawski und Jan Timman. Die beiden Autoren, GM Alexander Cherniaev und FM Eduard Prokuronov, haben mit diesem Buch den Versuch unternommen, die Sämischvariante von beiden Seiten aus objektiv zu betrachten und dem Leser ein besseres Verständnis für die oft scharfen Stellungen mit heterogenen, also entgegengesetzten Rochaden, zu vermitteln. Ob es nur bei dem Versuch geblieben ist, wird sich später noch zeigen… Zum Inhalt: Dem Leser wird nach einer kurzen Einleitung der Grundgedanke des Sämischsystems vermittelt und anschließend werden 50 ausgewählte Beispielpartien dazu analysiert. Nach jedem der acht Kapitel folgt ein Resümee der beiden Autoren über die zuvor besprochenen Abspiele. Ein Partienverzeichnis am Ende des Buches hilft beim schnellen Auffinden der Partien.

Ich möchte nun kurz die positiven und negativen Punkte auflisten.

Positiv: -die Analysen und Erklärungen zu den einzelnen Partien sind objektiv und gewissenhaft angefertigt worden. -die Zusammenfassung am Ende eines jeden Kapitels wurde vorbildhaft realisiert und verschafft dem Leser einen sehr guten Überblick. -durchschnittlich vier Diagramme pro Seite lockern das Buch wohltuend auf.

Negativ: -die Einleitung ist viel zu kurz geraten, obwohl die ersten 2-3 Seiten sehr gut beginnen! Was ist die Hauptidee des Weißen? Welche des Schwarzen? Hier wurde nur kurz angeschnitten, etwas mehr wäre hier angebracht gewesen, lieber hätte man zwei oder drei Partien weggelassen. -in den Partien selbst fehlt mir etwas der Bezug zu den Grundgedanken der Sämischvariante. Auch hier hätte man etwas mehr allgemeine Erklärungen zu Bauernstrukturen, Strategien usw. einfließen lassen können.

Ein gutes Beispiel für eine Musterpartie in Sachen Sämisch aus Sicht des Schwarzen bringen die Autoren gleich zu Beginn:
Kotov A - Gligoric S [E87] ct Zurich (25), 1953 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.f3 0-0 6.Le3 e5 7.d5 c5 8.Ld3 Sh5 9.Sge2 f5 10.exf5 gxf5 11.Dc2 Weiß hofft auf einen Angriff mittels g4 aber Gligoric kontert mit einem geistreichen Blockadeplan der für derartige Stellungen zum kleinen Einmaleins der Königsindischanhänger zählt. 11...e4! 12.fxe4 f4! 13.Lf2 Sd7 14.Sg1 Dg5 15.Lf1 Se5 Schwarz hat sich einen guten Platz für seinen Springer auf e5 gesichert. Die dunklen Felderschwächen sichern Schwarz genügend Kompensation für den geopferten Bauern. 16.Sf3 De7 17.Sxe5 Dxe5 18.0-0-0 Sf6 19.h3 Ld7 20.Ld3 a6 21.Sb1 f3 22.gxf3 Sh5 23.Sd2 Sf4 24.Lf1 b5 25.h4 Kh8 26.Tg1 Lf6 27.Sb3 Tab8 28.Le1 b4 29.Kb1 Ta8 30.Lg3 Tg8 31.Dh2 Txg3 32.Txg3 Se2 33.Dxe2 Dxg3 34.Sc1 a5 35.Sd3 Ld4 36.h5 Dh4 37.Lg2 Tg8 38.Th1 Dg3 39.Lf1 a4 40.Kc2 a3 41.b3 1/2-1/2

Fazit: Für einen ersten Einstieg in die Thematik durchaus zu empfehlen. Durch die 50 analysierten Partien kann sich der Leser der Sämischvariante von beiden Seiten nähern und sich so einen objektiven Überblick verschaffen.

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Januar 2008