Alexander Khalifman
Opening for White according to Anand - Vol. 10

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Sprache: Englisch
Verlag: Chess Stars
ISBN2:978-954-8782-64-7
190 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2007.
Erhältlich bei Schach Niggemann

Band 10 dieser epischen Reihe über Anands Eröffnungsrepertoire stellt eine der aufregendsten Eröffnungsvarianten der gesamten Schachtheorie in den Mittelpunkt des Geschehens, die Sveshnikov-Variante. Behandelt werden die Abspiele nach 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5 (andere Züge sind hier Sxd4, Dc7, Tb8, a6 die auch untersucht werden) 6.Sdb5 d6 7.Lg5 a6 8.Sa3 b5 (Le6 wird in einem Extra-Kapitel untersucht ) 9.Sd5 Le7 10.Lxf6 Lxf6 11.c3 und jetzt werden die drei Alternativen 11... 0-0, 11…Se7 und 11…Lg5 analysiert. Wobei ich anmerken muss, dass hier der Begriff „Analyse“ nicht mehr ganz zutrifft, eher wäre man geneigt zu sagen, Khalifman und sein Team (GM Landa, GM Makarov, GM Ovetchkin, IM Soloviev, IM Smikovski) zerlegen dieses Abspiel in sämtliche Bestandteile, ordnen alles fein säuberlich nebeneinander, suchen das Beste daraus hervor und setzen es wieder zusammen zu einem großmeisterlichen Ratgeber gegen die Sveshnikov-Variante. Es ist bestimmt nicht jedermanns Geschmack, endlose Variantenanhäufungen zu verfolgen und zuweilen den Überblick zu verlieren, aber ich glaube, dieses Buch ist auch nicht für den normalen durchschnittlichen Vereinsspieler geschrieben worden, sondern für Spieler jenseits der 2000er Marke und für Fernschachspieler. Das Buch beinhaltet komprimiertes Spezialwissen, dass, eingesetzt in unteren DWZ-Regionen, dem Versuch nahe kommt, „mit Atombomben auf Spatzen zu schießen“. In der wichtigsten Variante des gesamten Abspiels kommt es nach den Zügen 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5 6.Sdb5 d6 7.Lg5 a6 8.Sa3 b5 9.Sd5 Le7 10.Lxf6 Lxf6 11.c3 0-0 12.Sc2 Lg5 13.a4 bxa4 14.Txa4 a5 15.Lc4 Tb8 16.b3 Kh8 17.Sce3! g6 18.0-0 Lh6 19.Dd3 f5 20.Td1 f4 21.Sc2 f3 22.g3 Ld7 23.Ta2 zu einer Stellung, die für die Bewertung der gesamten Sveshnikov-Variante von enormer Bedeutung ist. Khalifman schreibt dazu: Weiß muss an seinem Gebilde e4 und d5 festhalten und es scheint, als wäre dieser Plan etwas langsam, in Wirklichkeit ist es für Schwarz sehr unangenehm, die Verbindung zwischen seinen zwei Flanken ist unterbrochen. Die Varianten zeigen, dass das schwarze Gegenspiel nicht gefährlich für Weiß ist, bei sorgfältigem Spiel von Weiß wird Schwarz große Probleme mit seiner Bauernstruktur bekommen, Schwarz wird in diesem Abspiel nach Verbesserungen suchen müssen. Ich habe die Varianten mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln (Chessbase, Informator, NIC, Enzyklopädie, neueste Partien, Engines) überprüft und habe keine Fehler oder gar Schlampereien gefunden in den Analysen des Buches. Der Aussage Khalifmans zur obigen Hauptvariante ist also zu entnehmen, dass Weiß gegen die Sveshnikov-Variante durchaus etwas herausholen kann, vorausgesetzt natürlich, man kennt diese wichtigen Analysen!

Fazit: Ausführliche und sorgfältige Großmeisteranalysen zu einem der wichtigsten Theoriegebilde unserer Zeit. Khalifman seziert vor den Augen des Lesers dieses System und dringt zum Kern der Stellung vor. Positionell gesehen ist die Sveshnikov-Variante natürlich anrüchig ( unter anderem die Felderschwäche d5 ), doch bisher konnte Schwarz dies durch energisches Gegenspiel ausgleichen. Mit diesem Buch und den darin enthaltenen Analysen wird es Schwarz zukünftig eindeutig schwerer fallen! Zu empfehlen für Spieler ab ca. 2000 und ambitionierte Fernschachspieler.

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Januar 2008