Mihail Marin
 
Von den Legenden lernen


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Schachkönige im Exkurs
Sprache: Deutsch
Verlag: Quality
ISBN2: 978-91-85779-04-8
354 Seiten, gebunden, 1. Auflage 2008.
Erhältlich bei Schach Niggemann

Was kommt heraus, wenn ein sehr guter Schachbuchautor sich eines spannenden und innovativen Themas annimmt und dies von einem exzellenten Verlag präsentiert wird?

Ganz klar, ein Buch wie „Von den Legenden lernen“.

Worum geht es?

GM Mihail Marin porträtiert acht berühmte Schachmeister der Vergangenheit und Gegenwart in einem Licht, wie man es vielleicht vorher nie getan hätte. Jeder dieser berühmten Schachgroßmeister hatte ein Lieblingsthema im Endspiel das Marin genau unter die Lupe nimmt und seine eigenen Schlussfolgerungen daraus zieht. Diese acht Spieler setzen sich zusammen aus Rubinstein (Turmendspiele), Aljechin (Die vierte Phase der Partie), Botwinnik (In den Fußstapfen des Patriarchen), Tal (Monstertürme vs. Zwei Leichtfiguren), Petrosjan (Qualitätsopfer), Fischer (Lieblingsläufer), Karpow (Endspiele mit ungleichfarbigen Läufern) und Kortschnoi (ausgewählte Partiefragmente). Auf insgesamt 354 Seiten im gebundenen Format nimmt der Autor seine Leser mit auf eine höchst interessante Reise durch 100 Jahre Schachgeschichte, angefangen von den genialen Turmendspielen Akiba Rubinsteins über Botwinniks phänomenale Analysekunst bis hin zu Karpows exquisiten ungleichfarbigen Läuferendspielen. Marin gibt viel persönliche Gedanken preis und trägt so maßgeblich zu einem unbeschwerten Lesevergnügen bei. Sein lockerer Schreibstil und seine unbestreitbare Kompetenz in Sachen Schach machen das Buch zu einem echten Highlight. Jeder der acht Schachmeister wird ausführlich vorgestellt mit einer Biographie samt ausgewählten Partien und Partiefragmente. Dieses Buch muss man nicht unbedingt von vorne lesen, man kann auch durchaus irgendwo in der Mitte einsteigen und kann sich sicher sein, immer etwas höchst erquickliches zu finden, so wie zum Beispiel die Partie Fischer-Taimanov 1971, 4.Partie des Kandidatenfinales. Marin untersucht die Partie auf acht dicht bedruckten Seiten unter dem Gesichtspunkt guter Läufer gegen Springer bei symmetrischer Bauernstellung. In solch einem Fall muss die Läuferpartei Schwächen an beiden Flügel provozieren (der Springer kann gewöhnlich nur eine davon verteidigen) um dann seinen Vorteil auszuweiten. Die oben genannte Partie liefert ein Beispiel für perfektes weißes Spiel in solch einer Situation. Zitat Marin: Sollte Taimanov für all seine vorherigen Niederlagen noch Ausreden wie „ich stand besser zu einem bestimmten Zeitpunkt!“ oder „es war tot remis!“ haben, dann zeigte doch diese Partie Fischer von seiner besten Seite. Beginnend mit dem 24.Zug war sein Spiel nahezu perfekt. Im Buch Russians vs. Fischer wird Taimanov mit den Worten zitiert, dass sein Kontrahent mit einer Findigkeit wie Sherlock Holmes agierte und er nur wie Dr.Watson zuschauen konnte. Die englische Ausgabe wurde bereits mit Lobeshymnen überhäuft von den Kritikern, gewiss nicht zu Unrecht! Es macht Freude, den Gedanken Marins zu folgen und den Meistern über die Schultern zu blicken. Hier werden keine endlosen Varianten geboten sondern der Autor stellt seine Protagonisten und ihre besten Leistungen auf dem Schachbrett im unterhaltsamen Plauderton vor. Natürlich gibt es auch die eine oder andere Variante und Analyse, dies aber in einem übersichtlichen Rahmen.

Für wen ist das Buch zu empfehlen?

Für jeden Schachfreund der sich von den Schachmeister inspirieren lassen will für sein eigenes Spiel. Marin schreibt so überzeugend und mitreißend, dass einmal angefangen zu lesen, es unmöglich ist, das Buch wieder aus der Hand zu legen. „Von den Legenden lernen“ ist von der Sorte Bücher, bei denen man auch nach wiederholtem Lesen immer wieder etwas Neues entdeckt. Über den herausgebenden Verlag brauch ich nicht viele Worte verlieren, Quality Chess hat sich mit der deutschen Ausgabe dieses modernen Klassikers wieder einmal selbst übertroffen! Uneingeschränkt zu empfehlen.

Ich danke der Firma Schach Niggemann , die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Martin Rieger, Februar 2008