Rainer Knaak und Karsten Müller

222 Eröffnungsfallen nach 1.d4

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Sprache: Deutsch
Verlag: Olms
ISBN2:978-3-283-01001-0
147 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008.
Erhältlich bei Schach Niggemann

Vor einiger Zeit erschien „222 Eröffnungsfallen nach 1.e4“, diesmal ist der Daumenbauernzug an der Reihe. Nach 1.d4 gibt es mindestens genauso viele Fettnäpfchen in die man frohen Mutes hineinstolpern kann wie nach 1.e4, deshalb haben die GM-Kollegen Karsten Müller und Rainer Knaak die wichtigsten und am öftesten anzutreffenden Eröffnungsfehler zusammengetragen und geordnet nach Eröffnungen. Für alte Turnierhasen bietet das Buch nicht wirklich großartig neue Erkenntnisse, lustig anzusehen sind die Eröffnungskatastrophen aber allemal: Aronian,L - Marjanovic,S Bukarest 1999 1.Sf3 Sf6 2.g3 g6 3.Lg2 Lg7 4.0-0 0-0 5.c4 c6 6.d4 d6 7.Sc3 Da5 8.e4 e5 9.h3 Sbd7 10.Te1 exd4 11.Sxd4 Se5 12.Lf1 Te8 13.Le3 Le6 14.Sxe6 Txe6 15.a3?? (besser Kg2!) diesen Fehler hat bereits Karpov gemacht und er war auch nicht der Einzige, dem dieser Lapsus passierte… 15…Sxe4! Das wars dann wohl…16.Ld4 Sg5 17.Kg2 Sef3 0-1 Auch für das Folgende gilt: Verstaubt aber trotzdem immer wieder erquickend (vor allem in Blitzpartien!) 1.d4 f5 2.h3 Sf6 3.g4 fg: 4.hg: Sg4: 5.Dd3 Sf6? 6Th7! Und aus die Maus! Daneben bieten die beiden Autoren Anschauungsunterricht, wie auch in solchen Systemen wie dem Damengambit, dem Wolgagambit und anderen geschlossenen Eröffnungen schlimme Patzer fabriziert werden können, wie beide Autoren betonen, lernt man aus Fehlern am meisten. Gut finde ich die Idee, die Eröffnungsfehler nach den verschiedenen Systemen aufzugliedern. Auch die Kommentare zu den gezeigten Beispielen sind recht erfreulich, nicht nur „nackte“ Varianten sondern auch Erläuterungen und bessere Alternativen werden verbal dem Leser vorgestellt, immer mit dem Hintergedanken, in seinen eigenen Partien nicht selbst Opfer einer Eröffnungsfalle zu werden. Natürlich bekommt man beim Lesen des Buches richtig Lust, selbst die eine oder andere Falle zu stellen in zukünftigen Partien, sollte dies aber besser nur in freien Partien oder im Blitz tun. Nicht ganz so gut finde ich (wie bereits bei dem Vorgängerwerk auch von mir kritisiert), dass sehr viele Fallen schon fast Mittelspielfallen sind (weit nach dem 10.Zug). Inwieweit diese noch als Eröffnungsfehler durchgehen, möchte ich nicht beurteilen, für mich persönlich wären mehr Beispiele unter 15 Zügen wünschenswerter gewesen.

Fazit: 222 Eröffnungsfallen nach 1.d4 stellt für den unerfahrenen Spieler einen wertvollen Ratgeber dar, in seinen eigenen Partien wird er nicht mehr so leicht Opfer einer heimtückischen Eröffnungsfalle werden. Manche Beispiele sind etwas zu lang geraten, werden aber durch andere originelle und verblüffende Fallen wieder wettgemacht. Aufmachung und Optik des Buches sind vorbildhaft und deshalb eignet sich das Buch auch hervorragend als Geschenk für eine/n sehr gute/n Schachfreund/in.

Ich danke der Firma Schach Niggemann , die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Februar 2008