Gawain Jones

Sicilian Grand Prix Attack

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Sprache: Englisch
Verlag: Everyman
ISBN:1-85744-
ISBN2:978-185744-547-3
174 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008.
Erhältlich bei Schach Niggemann

Vor einigen Jahren entwickelten englische Spieler eine äußerst gefährliche Waffe gegen Sizilianisch, der endlosen Hauptvarianten überdrüssig, machten sie sich auf die Suche nach einer einfachen aber wirkungsvollen Strategie gegen 1…c5 und kamen auf den Grand-Prix Angriff. Das Rezept ist recht einfach und erfordert keinerlei Variantenkenntnis, wichtiger sind hierbei der weiße Standartplan und dessen Ausführung. Weiß spielt im Prinzip fast immer Sc3, f4, Sf3, Lc4, 0-0, De1-Dh4 und f5. Eine typische Zugfolge könnte folgendermaßen aussehen: 1.e4 c5 2.Sc3 Sc6 3.f4 g6 4.Sf3 Lg7 5.Lc4 d6 6.O-O e6 7.d3 Sg-e7 8.De1 O-O 9.f5! exf5 10.Dh4! ("leads to a furious attack" - Short).

In diesen Stellungstypen hat Schwarz kein leichtes Leben und Weiß spielt des Öfteren eine „Zertümmerungspartie“.
Warum spielt dann eigentlich nicht alle Welt den GPA (Grand-Prix Attack)?
Nun, die anfangs arg gebeutelten Sizilianischspieler haben selbstverständlich im Laufe der Jahre an energischen Gegenmaßnahmen getüftelt und aus heutiger Sicht lässt sich feststellen, dass bei bestem Spiel von beiden Seiten die Bewertung zwischen unklar und ausgeglichen schwankt. Somit dürfte eigentlich klar sein, dass der GPA eine ideale Waffe für Spieler mit wenig Zeit zur Vorbereitung ist. Warum sich mit Najdorf, der Drachenvariante oder gar der Sveshnikov-Variante herumärgern wenn es doch einfacher und vor allem effektiver geht. Eins ist völlig klar, mit dem GPA bekommt man genauso gute und schlechte Stellungen wie mit dem offenen Sizilianer, nur muss man nicht endlose Varianten kennen um überhaupt mit heiler Haut aus der Eröffnung zu kommen.

Wichtig für jemanden der sich für diese gefährliche Waffe interessiert ist eigentlich nur, wie spielt man den GPA richtig? Genau darauf weiß der englische Großmeister Gawain Jones eine Antwort, er selbst spielt diese Eröffnung schon seit Jahren und ist gut mit den Feinheiten und Kniffen vertraut. Im vorliegenden Buch stellt Jones seinem Publikum dieses System ausführlich und detailliert vor. Die Gliederung des Materials ist recht übersichtlich, nach 1.e4 c5 2.Sc3 folgt auf 2…d6, 2…e6 und 2…Sc6 jeweils ein Kapitel, wobei der Autor dem Leser die Wahl überlässt, ob er lieber den aggressiven Aufbau mit Lc4 oder die ruhigere Gangart mit Lb5 anstrebt. In jedem Kapitel folgt am Anfang ein Überblick über die wichtigsten Züge für beide Seiten mit statistischen Hinweisen, danach folgen Musterpartien zur jeweils behandelten Variante. Bemüht um Aktualität, hat der Autor so weit es möglich war, neuere Beispielpartien in das Buch aufgenommen, ein Blick in die Megabase bestätigte dies. Da die Zielgruppe des Buches der normale Vereinsspieler ist, hat sich GM Jones löblicher weise mehr auf erklärende Hinweise und Ratschläge als endlose Varianten eingelassen. Sehr erfreulich!

Genauso erfreulich war die gesamte Partienauswahl, der Autor bringt auch weiße Verlustpartien um auf mögliche Gefahren hinzuweisen.
Eine sehr schöne und typische GPA-Partie ist folgendes kleines Juwel, gespielt vom amtierenden Schachweltmeister:
Anand,V (2725) - Gelfand,B (2700) Wijk aan Zee 1996

1.e4 c5 2.Sc3 d6 3.f4 g6 4.Sf3 Lg7 5.Lc4 Sc6 6.d3 e6 7.0-0 Sge7 8.De1 h6 9.Lb3 a6 10.e5 Sf5 11.Kh1 Sfd4 12.Se4 Sxf3 13.Txf3 dxe5 14.fxe5 Sxe5 15.Tf1 g5 16.Dg3 0-0 17.Lxg5 hxg5 18.Sxg5 Sg6 19.Tae1 De7 20.Tf5!! Lf6 21.Sxe6 fxe6 22.Txe6 Kg7 23.Txe7+ Lxe7 24.Txf8 Lxf8 25.h4 1-0

Fazit: Ein tolles erfrischendes Buch über den Grand-Prix Angriff! Der perfekte Leitfaden für jeden, der den endlosen Sizilianischvarianten aus dem Weg gehen will. Mr. Jones, saubere Arbeit!

Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Februar 2008