Konstantin Sakaev, Semko Semkov
Queen’s Gambit Accepted / 3rd revised edition

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Sprache: Englisch
Verlag: Chess Stars
ISBN: 954-8782-33-2
254 Seiten, kartoniert, 3. bearbeitete und erweiterte Auflage 2008.
Erhältlich bei Schach Niggemann

Das angenommene Damengambit entsteht nach den Zügen 1.d4 d5 2.c4 dxc4, GM Sakaev und Semko Semkov haben darüber im Chess Stars Verlag ein Buch veröffentlicht. Das vorliegende Buch ist bereits die dritte überarbeitete Version, nach Angaben der Autoren wurden kleinere Korrekturen sowie aktuellere Partien eingepflegt, leider konnte ich aufgrund eines fehlenden Partienverzeichnisses dies nur schwer nachprüfen. Kurz zum Inhalt: Das Buch gliedert sich in drei große Abschnitte: -1.d4 d5 2.c4 dc4 3.e4, 1.d4 d5 2.c4 dc4 Sf3 Sf6 4.e3 e6 5.Lc4 und Abweichungen von der Hauptvariante. Auf 254 Seiten und in 28 Kapiteln analysieren die beiden Autoren die wichtigsten Varianten und geben Empfehlungen und Ratschläge mit abschließendem Fazit über die zuvor behandelte Variante. Die Autoren haben in ihrem Werk eine Menge an theoretischem Material zusammengetragen und bewertet, eine richtige Fleißarbeit also das die beiden hier fabriziert haben. Eigentlich könnte man völlig zufrieden sein mit der Unmenge an Informationen und ein erfahrener starker Damengambitspieler wird sicherlich nützliche Informationen daraus extrahieren können, für alle anderen kann ich hier nur abraten, warum?

Ich habe mehrere Kritikpunkte:
- Dr. W. Schweizer hat in der Rochade Europa 08/2005 bereits in der Vorauflage (!) auf den Fehler im Kapitel 25 hingewiesen (es fehlt bei Variante A nach 4...c6 der weiße Zug 5.D:c4). Auch in der dritten Auflage wurde dieser Fehler wieder brav übernommen,
- es fehlen wichtige, theoretisch wertvolle Partien (unter anderem Kramnik – Sadvakasov/2001, Shirov – Motylev/2001),
-es gibt keine vollständigen Partien, irgendwann wird abgebrochen und ein simples +- soll dem Leser die tiefen Geheimnisse der jeweiligen Stellung näher bringen,
- es gibt keinerlei Einführung in die Eröffnung, sofort wird der Leser mit einem Variantenhagel bombardiert der einem die Ohren klingeln lässt,
- unübersichtlicher, augenfeindlicher Fließtext der nur mit einer guten Sehkraft oder einer großen Lupe und ausreichendem Licht gelesen werden kann.

Mitautor IM Semko Semkov (2450)schreibt im Vorwort:

Der Leser soll nicht einfach mit Extrakten aus Datenbanken und Bergen von Varianten überschüttet werden - wie so oft in Eröffnungsbüchern.

Äh Moment, wie bitte? Hab ich gerade das falsche Buch gelesen? Aber lesen wir mal weiter im Vorwort:
Die zeitgenössische Informationsüberschwemmung ersetzte die vorherigen "Bibeln" wie die Enzyklopädie der Schachöffnungen, geschrieben von berühmten Spielern, mit riesigen Megabasen, zusammengestellt ohne viel Erklärung. Wenn Sie versuchen, mit der Hilfe von einem Spezialbuch eine Eröffnung zu lernen, werden sie schnell entdecken, dass es zu einer Mission Impossible ausartet. Die meisten Eröffnungsbücher bringen heutzutage eine Menge an Partien von berühmten Spielern, lassen aber wichtige Informationen unter den Tisch fallen. Natürlich ist es viel leichter, sich im Schatten von jemandem zu verbergen, aber solch eine Einstellung ist dem Leser wenig nützlich, da es sagt, was gespielt worden ist, aber nicht, was sein sollte. Andere Eröffnungsbücher(zum Beispiel "Starting Out") sind ebenso unproduktiv - der Autor wählt einige Partien von berühmten Experten, vorgebend, dass es keine anderen Varianten oder neue Ideen ringsherum gibt. Wenn der Leser anfängt, das System zu spielen, entdeckt er plötzlich die Existenz eines ganzen Universums anderer Varianten, und es stellt sich heraus, dass das Buch auf keine entscheidenden Fragen überhaupt antwortet.


Ich finde es keinen guten Stil, wenn man A) andere Werke schlecht machen muss um eigene Produkte besser zu verkaufen und B) etwas kritisiert was man aber dann selbst genau so macht. Das Titelbild des Buches sagt alles über den Inhalt aus, auf den ersten Blick ganz interessant, auf den zweiten Blick verwirrend und verdreht.

Fazit: Für starke Spieler ab DWZ 2000 die das angenommene Damengambit schon kennen ist das Buch sicherlich ganz interessant wegen der ausführlichen Analysen, für alle anderen kann ich das Buch nicht empfehlen.

Ich danke der Firma Schach Niggemann , die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, Februar 2008