Amatzia Avni

Chess Tips for the Improving Player

avni.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Sprache: Englisch

Verlag: Quality

ISBN2: 978-91-85779-03-1

233 Seiten, kartoniert, 2008.

Erhältlich bei Schach Niggemann

 

Zum Autor: Amatzia Avni ist ein israelischer Psychologe und Fide-Meister der bereits einige Bücher verfasst hat, das vorliegende Werk ist sein erstes Buch für den QualityChess Verlag.

Zum Inhalt: Zielsetzung des Autors für dieses Buch war, für den fortgeschrittenen Spieler praktische Tipps für das eigene Spiel zu geben. Diese Ratschläge sollen nicht wie in anderen vergleichbaren Büchern aus den immer gleichen Hinweisen bestehen (entwickle die Figuren, kontrolliere das Zentrum, etc.), das würde den Leser irgendwann langweilen, sondern es sollen neue kreative Ansätze zum Lernen vermittelt werden. In seinem Buch stellt sich Avni bei jeder neuen interessanten Position die Frage: „Was kann daraus gelernt werden?“. In unzähligen kleinen Episoden (diese sind eingegliedert in die großen Kapitel 1 The Board, 2 Pieces: Value, Placement, Exchanges, 3 General Approach, 4 Rules of Thumb, 5 In Search of Ideas, 6 Phases of the Game, 7 Strategy, 8 Tactics, 9 Attack and Defence, 10 Planning, 11 Decisions, 12 Learning) durchstreift Avni die wunderbare Welt des Schachspiels auf seine eigene Weise, er gibt Denkanstöße, regt zum kritischen Nachdenken an und plaudert manchmal einfach nur munter aus dem Schachpsychologischen Nähkästchen.

Kritik: Das Buch hinterließ bei mir einen einigermaßen positiven Eindruck, die behandelten Themen waren durchwegs interessant und aus einem Blickwinkel betrachtet, der dem Leser vielleicht neue Aspekte des königlichen Spiels vermitteln kann. So manches hätte ich gerne etwas detaillierter gehabt, vieles ging mir zu schnell und manchmal waren mir einige Beispiel eine Spur zu oberflächlich, z.B. wenn der Autor über die Farbverteilung schreibt (Black and White are different Creatures), gerade hier hätte ich mir mehr gewünscht von dem Psychologen Avni, GM Jonathan Rowson machte es mit seinem exzellenten „Chess for Zebras“ (Gambit, 2005) vor. Doch es gibt genügend andere Beispiele, die ich als sehr gelungen bezeichnen möchte: In einem Kapitel geht es um die optimale Aufstellung der Figuren, verschiedene große Schachdenker der Vergangenheit haben dafür goldene Regeln erarbeitet (Raum, Zeit, Figuren ins Zentrum, intakte Bauernstrukturen, usw.). An zwei Partiebeispielen zeigt Avni, dass diese Regeln nicht immer korrekt sind und das die optimale Figurenaufstellung Positionsabhängig ist, soll heißen, es gibt im Schach nichts Schädlicheres als ein scheinbar unumstößliches Dogma. Noch vor nicht all zu langer Zeit wurde eine Aufstellung mit g6 und Lg7 als bizarr und krank abgetan, andererseits eine Eröffnung wie zum Beispiel das Königsgambit als aufrichtig und ehrlich betitelt, ganz so als würde eine Eröffnung auf den Charakter eines Menschen schließen lassen. Avni behandelt das Thema auf zwei Seiten wofür andere Bücher 20 Seiten brauchen und doch hat er sein Ziel erreicht, unweigerlich macht man sich darüber Gedanken und hinterfragt so manche Regel, die bisher unumstößlich schien. Ein anderes Kapitel beschäftigt sich mit der Frage nach dem idealen Eröffnungsrepertoire. Avni führt ein paar bekannte Beispiele an (Gewinnen mit dem XXX-System, 1...X! etc.) und geht der Frage nach, wie viel Theorie braucht ein durchschnittlicher Vereinsspieler, ein starker Turnierspieler und wie viel ein Großmeister? Wie viel ist wirklich sinnvoll und was ist überflüssig? Ein kafkaeskes Beispiel bringt der Autor zum Schluss: In einer Großmeisterpartie wurde ein Zug von der Informatorjury als theoretisch wertvollste Neuerung ausgezeichnet, dieser Zug war 24.Kf3! und leitete in ein vorteilhaftes Endspiel über! Avni fragt sich zu Recht, was dies mit Eröffnungstheorie zu tun hat und als Leser hinterfragt man unweigerlich seine eigenen Gewohnheiten beim Eröffnungsstudium. Macht Schach so wirklich noch Spaß wenn man in irgendwelchen Spezialvarianten versteckte Neuerungen mit Hilfe des Computers irgendwo um den 30.Zug herum „erzeugt“? Viele weitere Kapitel in dem Buch befassen sich mit solchen und ähnlichen Themen, man muss nicht mit allem konform gehen aber darüber nachdenken wird man mit Sicherheit. Wenn dies geschieht hat der Autor sein Ziel erreicht und deswegen kann ich das Buch jedem fortgeschrittenen Schachspieler (ab ca.1700-1800), der verschiedene psychologische Aspekte des Spiels näher kennen lernen will, empfehlen. I

ch danke der Firma Schach Niggemann , die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Martin Rieger, März 2008