Andrew Greet

The Accelerated Dragon

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Fundamental coverage of a dynamic Sic.

Sprache: Englisch

Verlag: Everyman

ISBN2:978-1-85744-530-5

320 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2008.

Erhältlich bei Schach Niggemann

Eine der gefährlichsten Waffen gegen 1.e4 ist der Sizilianische „Drachen“, charakterisiert durch den Läufer auf g7 und wuchtigen Gegenangriffen, die nicht selten in einem Qualitätsopfer auf c3 gipfeln. Im Laufe der Zeit hat die Drachenvariante aber viel von ihrem Schrecken verloren da die Theoretiker einige wirksame weiße Aufbauten dagegen fanden. Zum Glück gibt es aber eine wichtige Alternative, den beschleunigten Drachen, diese Variante ist noch nicht theoretisch so weich gekocht wie die normalen Drachenvarianten. Der Vorteil des beschleunigten Drachen (1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cd: 4.Sd4: g6) gegenüber dem normalen Drachen ist eine größere Solidität, weniger Theorie und mehr Freiraum für eigene kreative Ideen. Der Hauptgedanke des beschleunigten Drachen besteht darin, dass d5 oft vorteilhaft in einem Zug ausgeführt werden kann. Natürlich gibt es zu diesem System bereits einiges an Literatur weswegen ich einmal nachgeblättert habe in DEM Werk gegen Sizilianisch überhaupt (Experten gegen Sizilianisch, Quality Chess Verlag) um die Analysen zu vergleichen: 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 g6 5.c4 Lg7 6.Sc2 d6 7.Le2 Sf6 8.Sc3 Sd7 9.Ld2 0-0 10.0-0 Sc5 11.b4 Se6 [auch das interessante 11...Sd7!? 12.Tb1 b6 13.f4 Lb7 14.Le1 Tc8 15.Tf3 Scb8 16.Th3 Sf6 17.Ld3 Sbd7 18.Se3 a6 mit einer sicheren Igelstellung sollte für Schwarz, sollte durchaus spielbar sein.] 12.Tc1 a5 13.a3 axb4 14.axb4 Sf4! Eine Neuerung, die Schwarz vollwertiges Spiel einräumt. [14...Sed4, dieser Zug führt nach einer längeren Analyse zu einer guten Stellung für Weiß in dem Buch "Experten gegen Sizilianisch".] 15.Lxf4 Lxc3 16.b5 Sb4 17.Se3 Lg7 18.Db3 Da5 19.Sd5 Sxd5 20.cxd5 Ld7 21.b6 Tfc8 Die entstandene Stellung dürfte ausgeglichen sein. Vorteil also für Andrew Greet und sein vorliegendes Buch! Der Autor, IM Andrew Greet, hat sämtliche Varianten mit Schachengines überprüft und das merkt man auch, ich habe keinen offensichtlichen Fehler darin gefunden. Lustigerweise hat Greet unter seinen Engines so etwas wie eine Aufgabenverteilung erstellt, Deep Shredder 10 war für positionelle Analysen zuständig, Deep Junior 10 für dynamische Stellungen und ungleiche Kräfteverhältnisse und Fritz 9 fürs Restliche(!). Natürlich hat der Autor die Hauptarbeit geleistet, seine drei elektronischen Helferlein haben ihn dabei aber tatkräftig unterstützt und dafür gesorgt, das sich keine groben Fehler oder Ungenauigkeiten einschleichen konnten, wer hätte das noch vor ein paar Jahren gedacht? Werden wir in ein paar Jahren von Fritz 15 eine Abhandlung über die Najdorfvariante lesen können? Ich hoffe, dass es nie soweit kommt… Aber wie sieht es eigentlich mit der Aktualität des dargebotenen Materials aus? In einer zufällig ausgewählten Variante im Buch entdeckte ich folgende „seltsame“ Variante: 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 g6 4.d4 cxd4 5.Sxd4 Lg7 6.Le3 Sf6 7.Lc4 Da5 8.0-0 0-0 9.Lb3 d6 10.h3 Ld7 11.Te1 Tfe8 hier gibt der Autor nun 12.De2 oder Dd2 mit jeweils ausgeglichener Stellung an (nach einer längeren Analyse), doch was ist mit dem schon lange bekannten 12.Dd3, das für Weiß eine Reihe von Punkten brachte? Zuerst gespielt 1969 zwischen Schönberg – Baumbach und zuletzt in Jakovenko – Timofeev 2007 mit einem Gesamtergebnis in der Megabase von 15 Siegen bei 3 Niederlagen und 7 Remis! Ansonsten sind die meisten Partien aus dem Buch aus dem Zeitraum 2001 – 2007 aber auch wichtige historische Partien werden gezeigt, also eine durchaus gelungene Auswahl! Positiv zu vermerken sind die durchwegs lehrreichen Anmerkungen und Hinweise zu den Abspielen. Greet bringt nicht nur Statistiken zur Erfolgsaussicht dieser und jener Variante sondern gliedert sein Material in Musterzugfolgen, wichtigen Partien aus der Praxis, theoretischen Zusammenfassungen und allgemeinen Hinweisen. Gefallen hat mir auch, wie der Autor seine Varianten und Abspiele präsentiert: Zuerst werden Partien gezeigt, in denen Schwarz in einem Abspiel nie zu Gegenspiel kommt, anschließend werden bessere Alternativen aufgezeigt und zum Schluss gibt der Autor dem Leser einen guten Überblick der Varianten. So lernt man auch aus negativen Beispielen und vermeidet bereits gemachte Fehler! Ein übersichtlicher Variantenindex und eine Partienliste helfen beim schnellen Auffinden von gesuchten Varianten. Fazit: Ein umfangreiches Buch über den beschleunigten Drachen mit zahlreichen Partien und Analysen. Dank des Einsatzes gleich mehrerer Engines dürften nur noch wenig Fehler zu finden sein, leider war der Autor an mindestens einer Stelle nicht ganz objektiv (siehe obige Variante mit 12.Dd3), dies dürfte aber durch den gelungenen Rest des Buches wett gemacht werden. Empfehlenswert für Spieler ab DWZ 1500 mit guten Englischkenntnissen. Bewertung: 4 von 5 möglichen Punkten. Ich danke der Firma Schach Niggemann, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Martin Rieger, April 2008